Papst verurteilt ″Sklaverei″ und ″Folter″ in Flüchtlingslagern | Aktuell Europa | DW | 03.12.2021
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Migration

Papst verurteilt "Sklaverei" und "Folter" in Flüchtlingslagern

Franziskus nahm bei seinem Besuch in Zypern kein Blatt vor den Mund, als es um den Umgang vor allem Europas mit Migranten ging. In Griechenland will er sich dann vor Ort ein Bild machen.

Franziskus begrüßt bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia viele Teilnehmer persönlich

Franziskus begrüßt bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia viele Teilnehmer persönlich

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Zypern die Zustände in Flüchtlingslagern kritisiert und Parallelen zum Zweiten Weltkrieg gezogen. "Es erinnert uns an die Geschichte des letzten Jahrhunderts, an die Nazis, an Stalin, und wir fragen uns, wie das passieren konnte", sagte das Oberhaupt der Katholiken bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia. Er sprach von "Folter" und Sklaverei" in den Aufnahmezentren. Es würden Stacheldrahtzäune errichtet, um Menschen abzuwehren, die Freiheit suchten oder ein Stück Brot. "Es reicht mit dem Stacheldraht, es reicht mit den Lagern", forderte Franziskus.

"Eine schwere Krankheit, sich an Fluchttragödien zu gewöhnen"

Der Papst kritisierte zugleich "Engstirnigkeit und Vorurteile" im Umgang mit Migranten und sprach vom Traum einer "Menschheit ohne trennende Wände, befreit von Feindschaft, in der es keine Fremde mehr gibt, sondern nur Mitbürger".  Es sei eine "schwere Krankheit", sich an diese Fluchttragödien zu gewöhnen, eine Krankheit, gegen die kein Antibiotikum helfe.

An derlei Flüchtlingslager wie hier in Kos dachte der Papst wohl, als er ausrief: Es reicht mit dem Stacheldraht, es reicht mit den Lagern

An Lager wie hier in Kos dachte der Papst wohl, als er ausrief: "Es reicht mit dem Stacheldraht, es reicht mit den Lagern"

Der Papst entschuldigte sich für seine deutlichen und spontanen Worte. "Aber es ist meine Verantwortung, Augen zu öffnen", so Franziskus. Er erinnerte an die vielen Geflüchteten und Migranten, die auf dem Mittelmeer gestorben seien, und die vielen, die sich noch auf gefährlichen Wegen nach Europa befänden. "Dies muss jedem einen Stich versetzen", so der sichtlich bewegte 84-Jährige.

Zunächst zwölf Migranten nach Rom

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades hatte am Donnerstag angekündigt, Franziskus werde 50 Migranten von Zypern nach Italien mitnehmen. Einzelheiten wurden dazu nicht bekannt. Der Vatikan bestätigte dies zunächst nicht, sondern teilte mit, dass in den nächsten Wochen zunächst zwölf Menschen nach Rom geflogen werden sollen. Die anderen sollen später folgen, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete.

Das römisch-katholische Kirchenoberhaupt wird von Zyperns Präsidenten Nicos Anastasiades ehrfürchtig begrüßt

Das römisch-katholische Kirchenoberhaupt wird von Zyperns Präsidenten Anastasiades ehrfürchtig begrüßt

Die Republik Zypern verzeichnet nach eigenen Angaben gemessen an ihrer eigenen Einwohnerzahl die höchste Flüchtlingsquote der Europäischen Union. So seien in den ersten zehn Monaten des Jahres 10.000 Flüchtlinge irregulär ins Land gekommen, die meisten von ihnen aus dem Norden, der unter türkischer Verwaltung steht.

Papst will Lager auf Lesbos besuchen

Am Samstag reist der Papst nach Griechenland weiter, wo er unter anderem ein Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos besuchen will. Über das Mittelmeer führen einige der wichtigsten Flüchtlingsrouten für Menschen aus Afrika und Asien, die nach Europa gelangen wollen. Die Überfahrt ist häufig lebensgefährlich. Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 1400 Migranten bei dem Versuch, Europa über das Mittelmeer zu erreichen, ums Leben gekommen. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.

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Zypern: das Zelt im Niemandsland

sti/uh (afp, dpa, kna)   

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