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Politik

Papst mahnt im Nordkorea-Streit zu Diplomatie

30. April 2017

Der hitzige Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm beunruhigt auch den Papst. Auf dem Rückflug von Ägypten forderte er eine diplomatische Lösung und schlug vor, ein Drittland als Vermittler einzuschalten.

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Papst Franziskus Flugzeug  Statement Nordkorea
Franziskus meldet sich im Flieger zur Nordkorea-Frage zu WortBild: Reuters/G. Borgia

Ein Staat wie beispielsweise Norwegen sollte versuchen, zwischen Nordkorea und den USA zu vermitteln, sagte Papst Franziskus. Mehrere Vermittler hätten sich bereits angeboten. Zugleich schlug er vor, dass die Vereinten Nationen wieder die Führung in der Diplomatie übernehmen müssten. "Ich rufe immer dazu auf, die Probleme auf diplomatischem Weg zu lösen." Die Situation auf der koreanischen Halbinsel sei bereits zu heiß und müsse beruhigt werden. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche warnte vor einer weiteren Eskalation und einem Krieg, der einen großen Teil der Menschheit vernichten würde.

Nordkorea hatte am Freitag trotz des wachsenden Drucks der USA und Chinas erneut eine Mittelstreckenrakete getestet. Das Militär Südkoreas stufte den Test als Fehlschlag ein. Die Rakete habe nach dem Start nördlich der Hauptstadt Pjöngjang eine Höhe von höchstens 71 Kilometern erreicht, bevor sie in der Luft auseinandergebrochen sei, teilte der Generalstab mit. Auch das US-Pazifikkommando bestätigte den Start der Rakete, "die nordkoreanisches Territorium nicht verlassen" habe. Das südkoreanische Außenministerium warf Nordkorea Provokation vor. Mit dem Test habe das Nachbarland erneut gegen UN-Resolutionen verstoßen, die Pjöngjang den Start ballistischer Raketen verbieten. 

Trump wendet sich an Peking

US-Präsident Donald Trump kritisierte den Test als Respektlosigkeit gegenüber China, dem einzigen großen Verbündeten des abgeschotteten, kommunistisch regierten Staates. Die USA erwarten von China, dass es seinen Einfluss auf die Regierung in Pjöngjang einsetzt, um Nordkorea von weiteren Raketen- und Atomtests abzubringen. Trump hatte zuvor mehrfach mit Alleingängen gegen Nordkorea gedroht. Kurz vor dem Test warnte US-Außenminister Rex Tillerson in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York: "Ein Versagen, bei dieser dringendsten globalen Sicherheitsangelegenheit jetzt zu handeln, könnte katastrophale Konsequenzen haben." Tillerson forderte eine neue Strategie, um Nordkorea dazu zu bringen, sein Nuklearprogramm aufzugeben. Die chinesische Führung mahnte Nordkorea und die USA, es nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen. Bei einer Konfrontation würden die Region und die gesamte Welt einen hohen Preis zahlen.

Japans Regierungschef Shinzo Abe bezeichnete die nordkoreanischen Raketentests als "schwere Bedrohung" für sein Land und "inakzeptabel". Der jüngste Test sei eine "klare Kampfansage an die internationale Gemeinschaft", sagte Abe bei einem Besuch in Großbritannien. Das Auswärtige Amt in Berlin warf der Führung in Pjöngjang einen "aggressiven Konfrontationskurs" vor. Der Raketentest verletze Sicherheitsratsresolutionen und sei ein "erneuter Völkerrechtsbruch". Der Konflikt könne "nicht militärisch, sondern nur auf diplomatischem Weg eingedämmt und langfristig gelöst werden".

Erst vor knapp zwei Wochen hatte Nordkorea einen Raketentest unternommen, der aber nach Angaben der USA und Südkoreas ebenfalls scheiterte. Seit 2006 hat Nordkorea nach eigenen Angaben zudem fünf Atomwaffentests durchgeführt, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

Flugzeugträger im Manöver

Inzwischen hat ein Flottenverband um den US-Flugzeugträger "USS Carl Vinson" die Gewässer um die koreanische Halbinsel erreicht. Am Samstag begann der Flugzeugträger eine gemeinsame Übung mit der südkoreanischen Marine. Die Entsendung der "Carl Vinson" durch die USA wird auch als Demonstration der Stärke gegenüber Pjöngjang gewertet. Das Regime in Pjöngjang sieht gemeinsame Militärübungen der USA und Südkoreas als Provokation an. Mit Blick auf die "USS Carl Vinson" hatten die nordkoreanischen Staatsmedien gewarnt, die eigenen Streitkräfte könnten den Flugzeugträger mit einem einzigen Angriff versenken.

Die zunehmenden Spannungen zwischen Nordkorea und den USA versetzen auch die Staaten Südostasiens in immer größere Sorge. Auf einem Gipfel der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (ASEAN) in Manila äußerten sich die Staats- und Regierungschefs der zehn Mitgliedsländer "extrem beunruhigt". Der Gastgeber, der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, appellierte an die Vereinigten Staaten, "vorsichtig und geduldig" zu sein. Jede Fehleinschätzung könne in einer "Katastrophe" enden.

kle/wa (rtr, dpa, afp)