Papst entlässt australischen Bischof nach Missbrauchsskandal | Aktuell Welt | DW | 30.07.2018
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Vatikan

Papst entlässt australischen Bischof nach Missbrauchsskandal

Nach jahrelangem Druck wegen eines Missbrauchsskandals ist der verurteilte australische Erzbischof Philip Wilson abgetreten. Sogar Premierminister Turnbull hatte den Rücktritt des 67-Jährigen gefordert.

Papst Franziskus hat den australischen Erzbischof Philip Wilson (Archivbild) entlassen. Grund ist ein Missbrauchsskandal. Wie der Vatikan mitteilte, nahm der Papst den angebotenen Amtsverzicht an. Der Bischof von Adelaide war Anfang Juli wegen der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen gegen einen anderen Geistlichen in den 1970er Jahren zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden.

Warten auf Berufung

Wilson ist nach Angaben der vatikanischen Informationsplattform Vaticannews der höchstrangige Kirchenführer in Australien, der wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen angeklagt und verurteilt wurde. Seit seiner Verurteilung hatte er sein Amt als Erzbischof ruhen lassen. Einen Rücktritt lehnte der 67-Jährige aber zunächst ab. "Mir ist bewusst, dass es viele Forderungen nach meinem Rücktritt gibt, und ich nehme sie sehr ernst", sagte er noch vor etwa zwei Wochen. Er nehme jedoch sein Berufungsrecht in Anspruch, und solange das juristische Verfahren nicht abgeschlossen sei, beabsichtige er nicht zurückzutreten.

Italien Papst Franziskus in Ostia (Getty Images/AFP/A. Pizzoli)

Papst Franziskus hat den Rücktritt angenommen (Archivbild)

Australiens katholische Bischofskonferenz erklärte, Wilson sei "für seine Arbeit zur Unterstützung der Opfer und der Betroffenen von sexuellem Missbrauch während seiner Zeit als Bischof von Wollongong, Erzbischof von Adelaide und Vorsitzender der Bischofskonferenz gelobt worden". Er habe sich aber nun entschieden, nach seiner Verurteilung nicht länger als Erzbischof tätig sein zu können, weil dies vor allem den Betroffenen wie auch der Erzdiözese "Schmerzen und Leid" zufüge.

Premierminister schaltete sich ein

Der Fall Wilson macht schon seit 2010 Schlagzeilen. Selbst Australiens Regierungschef Malcolm Turnbull hatte sich in den Fall eingeschaltet und den Papst zu einer Entlassung des Geistlichen aufgefordert. Turnbull begrüßte den Rücktritt. "Es gibt keine wichtigere Verantwortung für die Gemeinschaft und die Kirchenführer als den Schutz von Kindern", erklärte der Premierminister. 

Erst am Wochenende hatte der Vatikan das Ausscheiden des früheren Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Kardinalskollegium mitgeteilt. Ihm werden sexuelle Übergriffe zur Last gelegt.

Australien Kardinal George Pell (Getty Images/D. Traynor)

Dem australischen Kurienkardinal George Pell wird sexueller Missbrauch vorgeworfen (Archivbild)

Zudem muss sich in Australien Kardinal George Pell wegen Missbrauchsvorwürfen verantworten. Der Prozess soll Mitte August beginnen. Pell gilt als Nummer drei im Vatikan; von seinem Amt als Finanzchef des Kirchenstaates ist er wegen der Anschuldigungen in seiner Heimat freigestellt. Den Kardinalstitel trägt Pell allerdings noch, auch sitzt er noch im Beratergremium des Papstes.

wo/jj (afp, dpa)

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