Oxfam kritisiert Situation in griechischen Migrantenlagern | Aktuell Europa | DW | 09.01.2019
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Migration

Oxfam kritisiert Situation in griechischen Migrantenlagern

Die Lebensbedingungen auf der Insel Lesbos und in anderen Lagern in Griechenland sind nach Ansicht der Hilfsorganisation dramatisch schlecht. In ihrem Bericht fordert Oxfam dringend internationale Hilfe.

Oxfam zeichnet ein erschreckendes Bild von der Lage in den griechischen Migrantenlagern. So verwandelten sich im sogenannten Hotspot-Camp Moria auf Lesbos die provisorischen Zeltstädte im Regen zunehmend in matschige Sümpfe.

Bei zunehmend winterlichen Temperaturen unter Null versuchten die Bewohner, sich an Feuern zu wärmen, in denen sie alles verbrennen, was sie finden - auch gesundheitsschädliches Plastik. Viele nähmen auch improvisierte Öfen mit in die Zelte und riskierten damit ihr Leben.

Das Leiden geht weiter

Darüber hinaus fehle es an medizinischem Personal und warmem Wasser. Geflüchtete, die sexualisierte Gewalt und andere Traumata erleiden mussten, seien hohen Belastungen ausgesetzt. Im Camp Moria in Lesbos gebe es regelmäßig gewalttätige Auseinandersetzungen. Zwei Drittel der dort untergebrachten Männer und Frauen gaben an, sich nicht sicher zu fühlen.

Besonderes Augenmerk richtete die Hilfsorganisation auf die Lage von Schwangeren, unbegleiteten Kindern und Überlebenden von Folter. Hunderte von ihnen seien in den Zeltstädten auf den Inseln der östlichen Ägäis weitgehend auf sich allein gestellt, heißt es in dem jetzt veröffentlichten Bericht.

"Es ist absolut unverantwortlich, diese besonders schutzbedürftigen Menschen alleine zu lassen", sagte die Leiterin der Flüchtlingsarbeit von Oxfam in Griechenland, Renata Rendon. Die Politik ziele darauf, "die Menschen auf unbestimmte Zeit auf den Inseln gefangen zu halten".

Griechenland Chios Migranten (DW/J. Papadimitriou)

Zelte im Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Chios

Asylverfahren statt schneller Abschiebung

Oxfam forderte, dass Griechenland diesen besonders schutzbedürftigen Menschen Zugang zum Asylverfahren zu gewähren, anstatt sie über ein beschleunigtes Verfahren in die Türkei zurückzuschicken. Zudem sollten sie eine angemessene Unterkunft und medizinische Versorgung auf dem Festland erhalten.

Die griechische Regierung bemüht sich bereits seit Monaten, die Situation in den Lagern zu entspannen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR von Ende Dezember sind seit Anfang September mehr als 11.000 geflüchtete Menschen, darunter alleinstehende Frauen und Minderjährige, von den Inseln auf das Festland umgezogen.

Appell an die EU-Staaten

Im Lager Moria auf Lesbos sei die Zahl der Einwohner zum ersten Mal seit April unter 5000 gesunken, liege damit aber immer noch etwa doppelt so hoch wie vorgesehen. Insgesamt lebten laut griechischem Migrationsministerium Anfang Januar in und um die sogenannten Registrierzentren auf den Inseln rund 14.800 Menschen. Im Oktober waren es noch 20.000.

In der Studie richtet Oxfam auch einen Appell an die internationale Gemeinschaft. Griechenland dürfe mit der Herausforderung nicht alleine gelassen werden. Es gelte, die Asylsuchenden fairer auf die EU-Staaten zu verteilen. Eine verbindliche Quote zur Verteilung von Flüchtlingen auf alle Länder liegt allerdings weiterhin in weiter Ferne.

mak/ml (dpa, kna, oxfam.de)

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