Osterfeiern ziehen Christen nach Jerusalem | Aktuell Nahost | DW | 13.04.2017
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Kirche

Osterfeiern ziehen Christen nach Jerusalem

Begleitet von hohen Sicherheitsvorkehrungen sind in Jerusalem die Osterfeiern angelaufen. Hunderte Christen versammelten sich in der Grabeskirche. Papst Franziskus hat für die Fußwaschung Ex-Mafiosi ausgewählt.

Israel - Fuß-Zeremonie - Teophilos (picture-alliance/dpa/AP/M. Illean)

Der Patriarch der Orthodoxen Kirche von Jerusalem

Von Gründonnerstagabend bis Ostersonntag gedenken Christen der Passion und der Auferstehung Jesu. Das Osterfest wird in diesem Jahr trotz verschiedener Kalendersysteme von West- und Ostkirchen am gleichen Termin begangen.

Israelische Sicherheitskräfte regelten in Jerusalem die Zugänge zu den zentralen Feiern. Medienberichten zufolge sind mehr als 3500 Polizisten vor Ort. Das Auswärtige Amt in Berlin mahnte Besucher rund um die Ostertage zu besonderer Vorsicht. Größere Menschenansammlungen seien zu meiden.

Papst wäscht Mafia-Kronzeugen die Füße

Papst Franziskus hat bei der traditionellen Fußwaschung vor Ostern zwölf inhaftierten Ex-Mafiosi die Füße gewaschen, darunter drei Frauen und ein Muslim, der im Juni getauft werden wird. Dies sei "keine folkloristische Zeremonie", sagte er in seiner frei gehaltenen Predigt vor den Häftlingen in der Gefängniskapelle. Sie erinnere vielmehr an das, was Jesus Christus getan habe. 

Bei dem "privaten" Besuch des Kirchenoberhauptes im Gefängnis der Kleinstadt Paliano waren keine Kameras zugelassen. In der Haftanstalt rund 60 Kilometer von Rom entfernt sitzen insbesondere frühere Mitglieder der Mafia ein, deren Haftstrafen wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Justiz verkürzt wurden. Franziskus hat die Mitglieder der italienischen Mafia wiederholt aufgerufen, ihr Leben zu ändern.

Israel - Fuß-Zeremonie - Teophilos (Getty Images/AFP/G. Tibbon)

In Erinnerung an den Leidensweg Christi tragen Gläubige das Holzkreuz durch Jerusalem

Das Ritual der Fußwaschung am Gründonnerstag beruht auf der Überlieferung, derzufolge Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung seinen Aposteln die Füße wusch. Nach seinem Amtsantritt 2013 hatte Franziskus es eingeführt, dass die Fußwaschung nicht mehr im Vatikan, sondern an wechselnden Orten stattfindet. Als ersten wählte er ein Jugendgefängnis, 2014 wusch das Oberhaupt der katholischen Kirche zwölf Behinderten die Füße, 2015 zwölf Häftlingen und einem Kleinkind und vergangenes Jahr zwölf Asylbewerbern.

Der Hass wird nicht siegen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief zum Osterfest dazu auf, mit neuem Vertrauen in die Zukunft zu schauen. "Sagt allen Menschen, dass am Ende nicht Hass und Tod siegen werden, sondern das Leben", erklärte Bedford-Strohm.

Der bayerische Landesbischof erinnerte an die Giftgasopfer in Syrien und an die Menschen zwischen den Trümmern der von islamistischen Terroristen zerbombten Kirche in Ägypten. Nicht zuletzt ihnen gelte die Ermutigung des Osterfestes, an dem Jesus den Tod überwunden habe.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx appellierte an die führenden Vertreter der Weltreligionen, sich für die Religionsfreiheit einzusetzen. Es könne keinen Frieden zwischen den Religionen geben, "wenn wir nicht gemeinsam für die Religionsfreiheit aller Menschen eintreten", sagte Marx. In diesem Zusammenhang begrüßte er die geplante Reise von Papst Franziskus nach Ägypten.

Im Christentum nimmt Ostern eine zentrale Stellung ein. Nach christlichem Glauben starb Jesus Christus am Karfreitag am Kreuz und überwand am Ostersonntag den Tod. Damit erfüllte er seinen göttlichen Erlösungsauftrag auf Erden. Seine Auferstehung gilt als zentrales Mysterium des Christentums.

haz/uh (kna, afp, dpa)