Oscars: Mehrheit des Vorstands nun weiblich | Filme | DW | 22.06.2021
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Diversität in der Filmbranche

Oscars: Mehrheit des Vorstands nun weiblich

Zu weiß, zu männlich, zu alt: Die nach viel Kritik eingeleiteten Reformen der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" tragen nun die ersten Früchte.

Die Schauspielerinnen Rita Wilson (links) und Whoopi Goldberg (rechts)

Rita Wilson (l.) gehört jetzt neben Whoopi Goldberg zum Vorstand

Werden die Oscars bald  diverser? Wie die für die Oscarverleihung zuständige 'Academy of Motion Picture Arts and Sciences' nach einer internen Wahl bekannt gab, setzt sich ihr Vorstand von nun an aus 31 Frauen und 23 Männern zusammen. Es ist das erste Mal in der 94-jährigen Geschichte der Oscars, dass in dem für die strategische Ausrichtung der Organisation verantwortlichen 'board of governors' mehr Frauen als Männer sitzen.

Zu den neu gewählten Mitgliedern zählen unter anderem die Schauspielerin Rita Wilson, Jean Tsien, die Dokumentarfilme produziert, und die Komponistin Lesley Barbar gewählt. Und auch die Anzahl der People of Color stieg von zwölf auf 15 Personen und hat damit einen neuen Höchststand erreicht.

Möglich hatte das eine Regeländerung gemacht: Mitglieder des Vorstands dürfen nur noch zwei- anstatt dreimal hintereinander gewählt werden. Das sorgte in diesem Jahr dafür, dass viele Plätze neu besetzt werden konnten.

Die Aufgaben des Vorstands

Der Vorstand besteht aus 54 Mitgliedern. Jede der 17 Sparten der Akademie wird durch drei Mitglieder des Vorstands vertreten, die sich um die entsprechende Sparte besonders verdient gemacht haben. Dazu kommen drei Diversitätsbeauftragte, die vom Präsidenten ernannt werden.

Im Vordergrund ist eine große Oscar-Statue, im Hintergrund sind viele kleine zu sehen. Sie bestehen aus Schokolade mit einem goldenen Überzug

Hinter der Oscarverleihung steckt eine komplexe Organisation: Viel wird dabei vom Vorstand bestimmt

Für die Vergabe der Academy Awards spielen die Mitglieder des Vorstands eine wichtige Rolle: Sie bestimmen die Richtlinien, nach denen Filme für den Oscar nominiert werden können und überwachen die Einhaltung dieser Regeln. Und sie sind gewissermaßen die Pförtner der Academy: Nur mit der Zustimmung des Vorstands kann man dort aufgenommen werden.

Die Academy selbst besteht aktuell aus über 9000 Mitgliedern - alle Filmschaffende, die vor ihrer Aufnahme durch den Vorstand von mindestens zwei anderen Academy-Mitgliedern aus derselben Sparte vorgeschlagen werden mussten. Nur für Oscargewinner und -nominierte gilt diese Prozedur nicht: Sie werden automatisch für die Aufnahme vorgeschlagen.

Reformen nach Kritik

2015 war die Anzahl der Academy-Mitglieder drastisch angehoben worden, nachdem es unter dem Schlagwort #OscarsSoWhite eine intensive Debatte über fehlende Diversität bei der Oscarverleihung ging. Zu der Zeit hatte die Academy bekanntgegeben, dass 94 Prozent der damals 6000 Mitglieder weiß und 77 Prozent von ihnen männlich waren. Durchschnittsalter: 63 Jahre.

Ein Teilnehmer der Demo hält ein Schild hoch, auf dem unter dem Hashtag OscarsSoWhite zum Boykott der Preisverleihung aufgerufen wird

Demonstrierende in Los Angeles rufen zum Boykott der Oscar-Preisverleihung 2016 auf

Die Academy gelobte Anfang 2016, die Anzahl der Frauen und der People of Color bis 2020 zu verdoppeln, was sie nach eigenen Angaben seit Juni vergangenen Jahres auch tatsächlich geschafft hat: Ein Drittel der Mitglieder sei jetzt weiblich und 19 Prozent Teil von unterrepräsentierten Minderheiten, hieß es damals.

Auch für ihre Königsdisziplin - die Auszeichnung zum 'Besten Film' - hat die Organisation historische Reformen angekündigt. Von 2024 an sollen neue Auflagen dafür sorgen, dass unterrepräsentierte Gruppen wie Schwarze, Latinos oder Indigene, queere Personen oder Menschen mit Behinderung bei der Preisverleihung besser repräsentiert werden.

Visualisierung der Anteile von nominierten Männern und Frauen

So sah 2021 die Verteilung unter den Nominierten aus: Noch immer sind zwei Drittel der Kandidaten männlich

So werden die Oscars gewählt

Es sind die Mitglieder der Academy, die Kandidaten nominieren und die Oscar-Gewinner wählen. Dabei bestimmen die Mitglieder zunächst Kandidaten aus ihrem jeweiligen Feld. Schauspieler schlagen also beispielsweise vor, wer in der Kategorie 'Beste Schauspielerin' in die Vorauswahl kommt, so wie die Komponisten unter den Academy-Mitgliedern bestimmen, wer von ihren Kollegen um den Preis der 'Besten Filmmusik' konkurrieren darf.

Nur für bestimmte Sparten wie den 'Besten Internationalen Film' oder den 'Besten Animationsfilm' gilt das nicht; hier bestimmt eine besondere Jury, wer in die Vorauswahl kommt. Und für den 'Besten Film' dürfen alle ihren Favoriten nominieren.

Regisserin Chloe Zhao schaut lächelnd auf die Oscartrophäe in ihrer Hand

Für "Nomadland" gewann Regisseurin Chloe Zhao als erste Women of Color überhaupt den Oscar für den 'Besten Film'

Die fünf Kandidaten mit den meisten Stimmen in der jeweiligen Kategorie gehen dann in die Finalrunde um den Oscar. Hier wählen jetzt alle Mitglieder der Akademie zusammen den Gewinner. Es gewinnt, wer die meisten Stimmen hat. Nur in der Kategorie 'Bester Film' gibt es wieder ein eigenes System: Das Wahlsystem sieht vor, dass die Mitglieder die Filme in eine Rangfolge bringen.

Früher war man als Mitglied automatisch ein Leben lang stimmberechtigt. Auch hier wurden 2016 die Regeln geändert; seitdem ist der Zeitraum auf zehn Jahre begrenzt und kann nur dann verlängert werden, wenn man noch in der Branche aktiv ist. Erst nach drei zehnjährigen Amtszeiten erhalten die Mitglieder ein lebenslanges Stimmrecht.

Die nächste Oscar-Verleihung findet am Sonntag, den 27. März 2022, statt.

                   

 Adaption aus dem Englischen: Matthias Beckonert 

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