Oppermann-Besuch in Myanmar: „Demokratien brauchen Bürgermedien“ | Asien | DW | 26.06.2018
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Asien

Oppermann-Besuch in Myanmar: „Demokratien brauchen Bürgermedien“

Im Juni besuchte Thomas Oppermann (SPD), Vizepräsident des Deutschen Bundestags, den von der DW Akademie aufgebauten Bürgerradiosender Khayae FM in Htan Tabin, Myanmar.

Ein Gespräch über die Rolle von Lokalmedien im demokratischen Entwicklungsprozess.

Herr Oppermann, mit welcher Erwartung sind Sie heute nach Htan Tabin gekommen?

O: Ich bin zum ersten Mal in Myanmar. Aber ich habe bereits viel über dieses Land gehört und gelesen. Myanmar hatte lange Zeit keinen Kontakt zum Rest der Welt. Doch jetzt hat sich das Land geöffnet und eine demokratische Regierung aufgebaut. Die Menschen können von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Das Militär hat weiterhin viel Einfluss, aber es sind die ersten richtigen Schritte hin zu einem demokratischen Land. Viele andere Demokratien freuen sich über diese Entwicklungen und möchten sie unterstützen.

Welche Rolle können Bürgermedien dabei spielen?

O: In einer Demokratie ist es immer wichtig, eine offene Kommunikation zu haben. Menschen brauchen Zugang zu Information, damit sie sich an Entscheidungsprozessen aktiv beteiligen können. Ein gutes Radio muss die Menschen unterhalten, aber eben auch verlässliche Informationen liefern. Informationen und Neuigkeiten, die relevant für lokale Angelegenheiten sind. Khayae FM ist ein außergewöhnlicher Sender, weil er vom Engagement der Ehrenamtlichen lebt. Diese Arbeit ist sehr spannend, denn Sie alle erwerben dabei neue Fähigkeiten, die Sie auch zukünftig anwenden können.

Myanmar Thomas Oppermann beim Bürgerradio Khayae FM (DW/K. Weidemann)

Das Programm des Bürgersenders Khayae FM wird ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemacht

Gibt es in Ihrem Land ähnliche Beispiele für Bürgerradios oder Lokalmedien?

O: Oh ja, in Deutschland haben wir private und öffentlich-rechtliche Radiosender. Das öffentlich-rechtliche Radio wird von Gremien kontrolliert, in denen Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen sitzen. Wir haben auch öffentlich-rechtliche und private lokale Radiosender. Diese Sender sind sehr erfolgreich. Die Menschen in Deutschland hören sehr viel Radio, zum Beispiel beim Frühstück oder beim Autofahren. Obwohl wir Fernsehen und andere Medien haben, bleibt das Radio ein sehr wichtiges Medium.

Herr Oppermann, wie bleiben Sie mit den Wählerinnen und Wählern in Ihrem Wahlkreis in Kontakt? Halten Sie regelmäßige Versammlungen ab oder nutzen sie die lokalen Medien?

O: Das ist eine interessante Frage, denn meine Arbeit im Parlament ist abhängig von einem guten Draht zu den Menschen. Ich muss wissen, was sie denken und was ihnen wichtig ist. Sehr häufig organisiere ich daher Bürgerversammlungen. Dort kommen die Wählerinnen und Wähler zusammen und diskutieren zu verschiedenen Themen. Im Sommer bin ich viel in meinem Wahlkreis unterwegs und treffe viele Menschen, an ihrem Arbeitsplatz und an öffentlichen Plätzen. Ich besuche gezielt Orte, an denen es Probleme gibt. Auf diese Weise erhalte ich ganz direktes Feedback von meinen Wählerinnen und Wählern. Außerdem veröffentliche ich natürlich Pressemitteilungen und gebe Interviews für die Medien in meinem Wahlkreis.

Myanmar Thomas Oppermann beim Bürgerradio Khayae FM (DW/K. Weidemann)

Oppermann beim Gespräch im Studio

Und noch eine letzte Frage: Was geben sie unserem Bürgerradio Khayae FM mit auf den Weg?

O: Machen Sie einfach weiter mit Ihrer Arbeit. Das ist sehr wichtig. Demokratie braucht Bürgerradios und Demokratie braucht Kommunikation und viele Menschen, die sich mit Radio und Rundfunk auskennen. Sie alle sind auf gewisse Weise Pioniere und ich bewundere Sie für das, was Sie tun. Sie sind die myanmarischen Journalisten der Zukunft. Sie werden diejenigen sein, die den Menschen erklären, was in ihrem Land passiert. Damit helfen Sie ihnen dabei, diese komplexe Welt besser zu verstehen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg. Deutschland wird Sie bei Ihrer Arbeit wo es geht unterstützen.

Das Interview führte Khayae FM-Moderatorin Nan Yu Hlaing in englischer Sprache. Der Bürgersender wurde mit Unterstützung der DW Akademie aufgebaut und im Februar 2018 offiziell eröffnet.

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