Opernlegende Jessye Norman stirbt mit 74 | Aktuell Kultur | DW | 01.10.2019
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Oper

Opernlegende Jessye Norman stirbt mit 74

In der von Weißen dominierten Klassikwelt zählte sie zu den "großen Sopranistinnen des vergangenen Jahrhunderts". Ihr Debüt gab die berühmte US-Sängerin in Berlin. Jessye Norman begeisterte Fans auf der ganzen Welt.

Die US-amerikanische Opernsängerin Jessye Norman ist tot. Sie starb im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Rückenmarksverletzung, die sie vor Jahren erlitten hatte. Norman gewann in ihrer Laufbahn vier Grammys für ihre Aufnahmen und einen für ihr Lebenswerk. Zudem erhielt die Ehrenmedaille National Medal of Arts.

Die Afroamerikanerin feierte als eine der ersten dunkelhäutigen Künstler in der Opernwelt Erfolge. Sie war vor allem als Interpretin von Opern Richard Wagners bekannt. Zu ihrem großen Repertoire gehörten aber auch Werke von Francis Poulenc, Leos Janácek, Béla Bartók, Giuseppe Verdi, Richard Strauss oder Arnold Schönberg. Sie galt als eine der weltweit bekanntesten Opernstars, wurde aber auch als Jazz-Interpretin geschätzt.

"Porgy and Bess" zu Ehren von Norman

In einer Erklärung ihrer beiden Geschwister James Norman und Elaine Sturkey heißt es, sie seien stolz auf die musikalischen Leistungen Jessye Normans. "Wir sind ebenso stolz auf ihr humanitäres Engagement im Kampf gegen Hunger, Obdachlosigkeit, für Ausbildung der Jugend sowie Kunst- und Kulturbildung."

Die Metropolitan Opera in New York, an der Norman in rund 80 Aufführungen mitwirkte, trauert um "eine der großen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts." Generaldirektor Peter Gelb sagte: "Jessye Norman war einer der größten Künstlerinnen, die je auf unserer Bühne gesungen haben". Ihr Vermächtnis werde für immer weiterleben. Die Met habe die Vorstellung von "Porgy and Bess" am Montagabend Norman gewidmet.

Washington Capitol Jessye Norman (Reuters/J. Ernst)

Jessye Norman sang auch bei öffentlichen Anlässen - wie hier im US-Kapitol in Washington

Debüt mit dem "Tannhäuser"

Die Sängerin war am 15. September 1945 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia als eines von fünf Kindern in eine musikalische Familie hinein geboren wurden. Schon als Vierjährige begann sie, Gospel zu singen. Früh interessierte sie sich dann für Opernmusik. "Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass Operngeschichten nicht anders als andere Geschichten sind: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, sie können aus irgendeinem Grund nicht zusammen sein und meistens geht es nicht gut aus", schrieb Norman in ihrer Autobiografie. "Für mich waren das Erwachsenen-Versionen von Geschichten, die ich schon kannte."

Norman studierte an der für Schwarze gegründeten Howard Universität in Washington, später am Peabody-Konservatorium und an der Universität von Michigan. 1968 gewann sie einen Musikwettbewerb in München und heuerte im darauffolgenden Jahr an der Deutschen Oper in Berlin an. Ihr Operndebüt feierte sie mit Wagners "Tannhäuser". Sie sang an zahlreichen weiteren renommierten Opernhäusern und machte sich mit ihrem warmen Timbre einen Namen. Schließlich ließ sie sich in London nieder. In den vergangenen Jahren trat sie nur noch selten auf.

Zahlreiche Kollegen und Stars betrauern den Tod der Sängerin. "Was ein betroffen und traurig machender Verlust heute", twittert die Operndiva Renee Fleming und der Sänger Rufus Wainwright kommentierte: "Die Welt hat eine der großartigsten Stimmen verloren, die wir je hatten und gehört haben. (...) Ruhe in Frieden, liebste Jessye Norman."

rb/nob (afp, ap, dpa)

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