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Operation Puerto: Doping-Blutbeutel werden herausgegeben

14. Juni 2016

Einer der größten Dopingskandale der Sportgeschichte wird womöglich doch noch aufgeklärt. Die Blutbeutel im Fall Fuentes um Radprofi Jan Ullrich und Co. werden nicht vernichtet, sondern müssen herausgegeben werden.

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Spanische Arzt Eufemiano Fuentes
Bild: picture-alliance/dpa

Es war der größte Dopingskandal Spaniens und der gesamten Sportgeschichte - nun gibt es eine überraschende Wende: Ein Madrider Berufungsgericht sprach den Arzt Eufemiano Fuentes frei. 2013 war er zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zu vier Jahren Berufsverbot und 4500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Diese Entscheidung wurde widerrufen: Das Blut, das er damals für Transfusionen benutzt habe, sei keine Medizin und der Fall damit nicht durch das betreffende Gesetz gedeckt.

Zugleich ordnete das Gericht an, dass die 211 im Jahr 2006 sichergestellten Blutbeutel von Dutzenden von Spitzensportlern an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), an den spanischen Radsportverband, den Radsportweltverband UCI, sowie an das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) und andere sportliche Institutionen ausgehändigt werden müssen und nicht vernichtet werden dürfen. Den ehemaligen Kunden des spanischen "Dopingarztes" droht nun die Aufdeckung ihrer Fälle. Und der Weltsport, der durch Russland, Kenia und Co. derzeit ohnehin in Aufruhr ist, steht nun urplötzlich wieder vor einem weiteren Skandal ungeahnten Ausmaßes. "Das erklärte Ziel ist, Doping zu bekämpfen", hieß es in der Urteilsbegründung, sonst gebe es "ein Risiko, dass andere Athleten vom Doping verführt werden könnten."

WADA verlängerte Verjährungfrist

Auch im Hinblick auf die "Operation Puerto" hatte die WADA 2015 die Verjährungfrist von acht auf zehn Jahre verlängert. Umstritten ist, ob auf Fälle, die vor dem 1. Januar 2015 aktenkundig wurden, noch die Acht-Jahres-Regel anzuwenden ist. Mit Genugtuung reagierte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer auf die Gerichtsentscheidung. "Das ist ein guter Tag für den Anti-Doping-Kampf", sagte er dem SID. "Wir interpretieren die Regel zur Zehn-Jahres-Verjährungsfrist im Welt-Anti-Doping-Code so, dass sie auch auf ältere Fälle angewendet werden kann. Insofern sind wir gespannt auf die Analysen der Blutbeutel durch die WADA."

Blutkonserven (Foto: Gina Sanders #29291885 fotolia)
Die Blutbeutel lagern in BarcelonaBild: Fotolia/Gina Sanders

Die Beutel lagern in einem Forschungspark in Barcelona in einem Anti-Doping-Labor. Die Fuentes-Affäre betraf zunächst nahezu ausschließlich den Radsport. Die Klarnamen von über 50 verdächtigen Profis - darunter auch der einzige deutsche Tour-Sieger Jan Ullrich - wurden einen Tag vor dem Start der Tour de France 2006 öffentlich. Doch auch Athleten aus anderen Sportarten, wie Fußball, Leichtathletik oder Tennis, tauchen angeblich in Fuentes' Kundendatei auf.

og/jk (sid, dpa)