OPCW bestätigt Einsatz des Nervengifts Nowitschok in Amesbury | Aktuell Europa | DW | 04.09.2018
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Vergiftung

OPCW bestätigt Einsatz des Nervengifts Nowitschok in Amesbury

Das Nervengift, an dem im Juni eine Frau im englischen Amesbury starb, ist identisch mit dem Nowitschok-Kampfstoff, der beim Attentat auf die Skripals verwendet wurde. Das ergaben Analysen der UN-Organisation OPCW.

Amesbury Nowitschok Fund Untersuchung (Reuters/H. Nicholls)

Ermittler in Schutzanzügen im Einsatz in Amesbury (Archivbild)

Nun hat sich bestätigt, was viele erwartet hatten. Das Außenministerium in London teilte mit, Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hätten ergeben, dass in beiden Fällen dieselbe Art des Nervengiftes verwendet worden sei. Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Sie leben heute an einem geheimen Ort. Der Fall löste einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und mehreren westlichen Ländern aus. Beide Seiten wiesen Dutzende Diplomaten aus.

Im Juni kam dann ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt. Der Mann hatte nach eigenen Angaben ein Fläschchen gefunden, das er irrtümlich für einen Parfümflakon hielt und seiner 44-jährigen Freundin schenkte. Sie rieb sich mit der Flüssigkeit ein - die dreifache Mutter starb am 8. Juli einen qualvollen Tod. Nowitschok (zu deutsch: Neuling) gehört zu den tödlichsten Kampfstoffen. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den 1970er und 80er Jahren im Geheimen, um internationale Verbote zu umgehen. Auch andere Länder forschten damit.

London Downing Street Jeremy Hunt Ernennung Außenminister (Getty Images/AFP/L. Neal)

Klare Worte in Richtung Moskau: Außenminister Jeremy Hunt (Archivbild)

Neue Vorwürfe an Moskau

Nach dem Befund der UN-Organisation bezichtigte die Regierung in London wieder Russland als Drahtzieher und verurteilte die Tat. Außenminister Jeremy Hunt erklärte: "Die Rücksichtslosigkeit des russischen Staates bei der Einführung eines Nervengiftes nach Großbritannien und die völlige Missachtung der öffentlichen Sicherheit ist entsetzlich und unverantwortlich."

Ende August hatten die USA neue Sanktionen gegen Russland in Zusammenhang mit dem Giftangriff auf den Ex-Spion Skripal in Kraft gesetzt. Die Strafmaßnahmen beinhalten unter anderem den Stopp von Waffen- und Technologieexporten sowie ein Ende der Zahlung von Hilfsgeldern. Moskau hatte bereits zuvor Vergeltung im "gleichen Umfang" angekündigt.

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Einige US-Sanktionen ausgesetzt

Allerdings setzte das US-Außenministerium einige Sanktionen gleich wieder aus. So sollen manche Bereiche wie die Raumfahrt ganz von Sanktionen ausgenommen bleiben. Nach Angaben aus der US-Regierung könnten die neuen Maßnahmen Washingtons die russische Wirtschaft dennoch "hunderte Millionen Dollar" kosten.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Sanktionen bereits Anfang August angekündigt. Zuvor war Washington zu dem Schluss gekommen, dass Moskau hinter dem Angriff mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok auf Skripal und dessen Tochter Julia im März in Großbritannien stecke. Auch Großbritannien und weitere westliche Staaten machen Russland für den Vorfall verantwortlich. Russland weist die Anschuldigungen zurück.

kle/jj (dpa, afp, ape, rtre)

 

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