Nur so | Sprachbar | DW | 01.01.1970
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Sprachbar

Nur so

Es ist ein kleines Wort, aber es kann einem Satz den letzten Schliff verpassen. Dabei kann die übermittelte Nachricht euphorisch und positiv, oder enttäuschend und negativ ausfallen. Das ist das Interessante an 'nur'.

Das Jahr 2006 wird aus mehreren Gründen in die deutsche Sportgeschichte eingehen. Zum einen war da die Fußballweltmeisterschaft, zum anderen wurde Radprofi Jan Ullrich von der Tour de France ausgeschlossen; aber immerhin: der Deutsche Andreas Klöden wurde Dritter. Nun kann man sagen, dass der 3. Platz der deutschen Fußballnationalmannschaft der Herren – um ganz korrekt zu sein – sowie Klödens Präsenz auf dem Siegerpodium in Paris ausreichend Grund zur Freude sind. Allein, mit zunehmendem zeitlichem Abstand verblasst der Glanz ein wenig und aus den dritten Plätzen werden "nur dritte Plätze".

Einschränkung durch 'nur'

'Nur' ist ein vertracktes Wörtchen. "Stell Dir vor Papa, wir sind Dritter geworden!", ruft der kleine Sohn noch weit vor der Haustür und ist stolz wie Oskar, weil niemand damit gerechnet hatte, dass seine Mannschaft beim Turnier so weit kommen könnte. "Was, nur Dritter?", bemerkt der Vater und macht mit seinem 'nur' alles kaputt.

Kleines Wort, große Wirkung. Wie ein Chamäleon seine Farbe der Umgebung anpasst, so ändert 'nur' seine Bedeutung je nach dem sprachlichen Zusammenhang. Seiner Entstehungsgeschichte nach bezeichnete 'nur' ursprünglich eine Einschränkung. Aber was heißt das schon.

Einschränkung und Ausschließlichkeit

"Ich liebe nur Dich allein!", ist zwar eine Einschränkung, allerdings eine, die der oder dem Geliebten höchst willkommen sein dürfte. Statt 'nur' könnte man in diesem Beispiel auch 'ausschließlich' sagen, aber das wäre stilistisch schlechtes wenn auch richtiges Deutsch. Wobei es besser wäre 'allein' wegzulassen, so dass sich folgender Satz ergäbe: "Ich liebe ausschließlich Dich."

Jedenfalls ist mit dieser Spielerei bewiesen, dass 'nur' auch 'ausschließlich' bedeuten kann. Wie zum Beispiel auch beim Satz: "Das war nur eine Vorsichtsmaßnahme." Nur das und nichts anderes. Einschränkung und Ausschließlichkeit liegen oft eng beieinander.

'Nur' als Teil für Seriösität?

'Nur' ist ein schwer zu fassendes Wörtchen. Es kann wie ein Adverb gebraucht werden: "Er war nur gekommen, um seine Bücher abzuholen". Zu einer Art Konjunktion wird es in folgendem Beispiel: "Er ist eigentlich ein gut aussehender Mann, nur müsste er ‚ein paar Pfund’ abnehmen." Mit anderen Worten: Wenn er nicht so dick wäre, sähe er richtig gut aus. 'Nur' ist in diesem Fall nicht nur Konjunktion, sondern relativiert die Aussage des Hauptsatzes und schränkt sie somit ein.

"Nicht nur, sondern auch" ist eine geradezu klassische Redewendung im Deutschen. Sehr gerne wird sie in der Politik verwendet, denn sie hat so etwas Allumfassendes, Weitblickendes und suggeriert Seriosität und Kompetenz. "Wir haben nicht nur, meine sehr verehrten Damen und Herren, das Problem in seiner ganzen Komplexität erkannt, sondern sind auch fest entschlossen, es mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger draußen im Lande zu lösen."

Verstärkung und Verwunderung

'Nicht nur, sondern auch' kann natürlich auch ganz Anderes bedeuten. Alles hängt von den Verben im Satz ab: "Er hat nicht nur seine Ersparnisse, sondern auch das Vermögen seiner Frau verspielt." Ein 'nicht nur' zieht immer etwas nach sich. Und nicht nur das: Das was danach kommt, ist meist wie eine Verstärkung des Vorangegangenen.

Diese kann natürlich auch einen positiven Aspekt haben: "Sie nutzt ihre Erfahrung nicht nur für sich, sondern lässt sie auch ihren Kolleginnen zugute kommen." 'Nur', ist ein Partikelwort, das wir so ganz nebenbei in Frage- und Ausrufesätzen verwenden. "Warum um Himmels Willen macht er das nur?" Ausruf, Frage, Verwunderung in einem Satz, verstärkt durch 'nur'.

Einfach nur so

"Nur weiter so!" kann als Aufforderung etwas genauso weiterzumachen aufgefasst werden wie auch als Warnung – 'ihr werdet schon sehen, wohin das führt'. Das lässt sich nur aus dem Zusammenhang erschließen. So richtig hinterhältig kann die Floskel 'nur so' sein. "Du meinst also, ich solle auf Klaus besser aufpassen". "Ach, das hab’ ich nur so gesagt. Mach dir nichts draus." Von wegen 'nur so'!

Fragen zum Text

Was bezeichnete 'nur' ursprünglich?

1. eine Bedingung

2. eine Einschränkung

3. eine Vermutung

Welcher Satz drückt eine Ausschließlichkeit aus?

1. Ich hole nur ein Buch.

2. Ich liebe nur dich.

3. Ich gehe nur spazieren.

Welche Redewendung wird oft in der Politik verwendet?

1. "Nur weiter so!"

2. "Nur so."

3. "Nicht nur, sondern auch."

Arbeitsauftrag

Haben Sie einmal "nur so" jemandem etwas geschenkt, oder hat Ihnen einmal jemand "nur so" ein Geschenk gemacht? Schreiben Sie einen kurzen Text über ein Erlebnis, in dem Sie jemanden einfach nur so etwas Gutes getan haben, oder Ihnen jemand etwa Gutes getan hat.

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