Nur heiße Luft beim Weltklima-Gipfel? | Aktuell Welt | DW | 10.11.2013
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Aktuell Welt

Nur heiße Luft beim Weltklima-Gipfel?

Bis Ende 2015 soll es endlich ein global verbindliches Klimaschutzabkommen geben: Die 19. UN-Klimakonferenz in Warschau nimmt dazu einen neuen Anlauf. Für UNEP-Chef Steiner geht das alles viel zu langsam.

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UN-Klimakonferenz in Warschau

Vor Beginn der Weltklimakonferenz in Warschau an diesem Montag hat der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, ein höheres Tempo beim Klimaschutz angemahnt. Zwar sei der richtige Weg eingeschlagen worden, aber die Geschwindigkeit reiche hinten und vorne nicht, sagte der Deutsch-Brasilianer dem Sender NDR Info. Auch der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einem Scheitern im Kampf gegen die Erderwärmung.

Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (foto:dpa)

Schlägt Alarm: Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms

In der Klimapolitik werde die Lücke zwischen Handeln und Ziel immer größer, beklagte Steiner. Das habe Konsequenzen für die Wirtschaft und die Zukunft. Es gehe auch darum, ob heute auf Kosten der nächsten Generation noch mehr Öl und Kohle billig verbraucht werde, sagte der UNEP-Chef.

"Es geht ums Überleben"

Annan bezeichnete die Erderwärmung als "schleichende Gefahr von ungeheurem Ausmaß". "Letztendlich geht es ums Überleben", sagte der Friedensnobelpreisträger der "Süddeutschen Zeitung". Das Problem werde von vielen Menschen unterschätzt. Kein Land, ob reich oder arm, könne aber den Folgen des Klimawandels ausweichen, erklärte Annan. Die "bedenkenlose Ausbeutung der Ressourcen" müsse gestoppt werden.

Die internationale Hilfsorganisation Oxfam forderte die Industrieländer auf, mehr Geld zur Unterstützung der ärmeren Länder im Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen. Viele Staaten hätten ihre versprochenen Hilfen gekürzt, rügte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig.

Die Hoffnungen für die 19. Weltklimakonferenz sind indes bescheiden. In den wesentlichen Fragen wird kein Durchbruch erwartet. Mit Polen richtet dieses Jahr ausgerechnet ein vehementer Verfechter der klimaschädlichen Kohleenergie die Konferenz aus. Am Vormittag kamen tausende Delegierte aus mehr als 190 Ländern in Warschau zusammen, um zwölf Tage über den Fahrplan zu einem großen Klimaabkommen in zwei Jahren zu diskutieren. Das geplante Abkommen soll 2020 in Kraft treten. Bei dem Gipfel geht es auch finanzielle Unterstützung für arme Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung. Zudem steht der Umgang mit klimabedingten Schäden, die etwa durch steigende Meeresspiegel entstehen, auf der Tagesordnung.

Rückschlag in Deutschland

In Deutschland ist der derweil laut Presseberichten der Ausstoß von Kohlendioxid erneut angestiegen. Zum zweiten Mal in Folge erhöhten sich in diesem Jahr die deutschen CO2-Emissionen, berichtete der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Hans-Joachim Ziesing, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Nach ersten überschlägigen Schätzungen dürften sich die energiebedingten CO2-Emissionen in Deutschland um etwa 20 Millionen Tonnen oder um reichlich zwei Prozent erhöhen", erklärte Ziesing, der zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Regierung bei der Umsetzung der Energiewende berät. Vor allem der kalte Winter habe den Gasverbrauch in die Höhe getrieben. Deutlich gestiegen seien auch die Emissionen durch einen höheren Steinkohle- und Mineralölverbrauch.

SC/det/kle (epd, afp, dpa)

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