November-Blues | Sprachbar | DW | 13.11.2013
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November-Blues

Der November hat einen schlechten Ruf. Ein dunkler, trauriger Monat, der den einen oder anderen in ein alljährliches Stimmungstief stürzt. Was genau macht ihn zum schlimmsten Monat für viele Deutsche?

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November-Blues

Und plötzlich ist es wieder November. Es trifft mich auch dieses Jahr wieder mit voller Wucht. Dabei hatte ich mehrere Monate Zeit, mich mental auf das spätherbstliche Schmuddelwetter einzustellen. Der November steht in keinem guten Ruf: Er ist unangenehm kalt, nass und dunkel. Windig, neblig und grau. Trist, trübe und düster. Kurz: der schlimmste Monat für sehr viele Deutsche. Sozusagen ein Schmuddelmonat. Schmuddel wird definiert als „an etwas haftender, etwas bedeckender, unangenehm klebriger, schmieriger Schmutz.“ Und Schmutz bringt der November auch. Unter den Monaten ist er der Miesepeter schlechthin.

Novembertage auf dem Sofa

Eine Frau sitzt mit einer Wolldecke und einer Tasse Tee auf dem Sofa.

Im Wohnzimmer ist es doch immer noch am gemütlichsten!

So kommt es, dass die Straßen im November meist so leer sind wie sonst nur während eines Fußballspiels der Nationalmannschaft. Wer sich nicht rechtzeitig auf die Malediven absetzen konnte, verkriecht sich in seinem Wohnzimmer, eingemummelt in eine Wolldecke. Zu letzteren gehöre ich schon eine ganze Weile. Ab und zu schaue ich den Wetterbericht – in der heimlichen Hoffnung, dass der Sommer zumindest für wenige Tage zurückkommen möge.

Es soll ja vorkommen: An manchen Tagen im Herbst schleicht er sich noch einmal zurück. Im November ist dies jedoch äußerst selten der Fall. Leider! Die Wolldecke bis zum Kinn hochgezogen schaue ich raus und sehe draußen dieses Sauwetter.

Stürmischer und regnerischer November

Eine Landschaft mit dunklen Wolken und Regen.

Wer möchte bei dem Wetter schon nach draußen?

Im Verlauf des Monats ergänze ich mein Wetter-Vokabular um bereits erfolgreich verdrängte Begriffe. Regen beispielsweise kann in den verschiedensten Formen vom Himmel niederprasseln: als Nieselregen, Sprühregen, Dauerregen, Starkregen oder Platzregen.

Nicht zu unterschätzen sind außerdem die Variationen des sogenannten festen Niederschlags: Hagel, Graupel oder Schnee können uns auch schon im November überraschen. Der November bietet aber noch mehr: Im Volksmund nannte man ihn früher auch den Windmonat. Je nach Windstärke haben wir es dann mit einer Brise, mit starkem, steifem oder stürmischem Wind oder gar einem Sturm zu tun.

In November-Bluesstimmung

Mehrere Schokoladenstückchen übereinandergestapelt.

Eine gute Medizin gegen November-Blues

Während wir im Oktober noch vom „goldenen Herbst“ sprechen und bei Herbstspaziergängen den Anblick der orange-rot-gelb-goldenen Blätter bestaunen, stellt sich im November also ein allgemeines Stimmungstief ein. Der Novemberwind hat die Blätter von den Bäumen geschüttelt, als brauner Matsch liegen sie jetzt am Boden.

Die entsprechende Gemütslage hat einen eigenen Namen: November-Blues. Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Rückzug. Experten wissen: Auslöser ist der Mangel an Tageslicht. Wenn die Novembertage kürzer werden, schälen wir uns morgens im Dunkeln aus unserer Daunendecke im Bett und kehren nach der Arbeit im Dunkeln nach Hause zurück. Obwohl der November noch gar nicht der dunkelste Monat im Jahr ist, scheint es uns jetzt trotzdem am schlechtesten zu gehen. Liegt es daran, dass der November jedes Jahr dann doch plötzlich vor der Tür steht? Oder ist es die traurige Gewissheit, dass wir den ganzen Winter in seiner Langatmigkeit noch vor uns haben?

Ein Novemberkind

Ein kleines Mädchen in Regenjacke und Gummistiefeln hüpft fröhlich in eine Pfütze.

Auf manch einen üben Pfützen eine geradezu magische Anziehungskraft aus

Ich habe mir fest vorgenommen, da dieses Jahr nicht mitzumachen! Weder will ich mich verkriechen, noch Trübsal blasen. Früher konnte mir der November doch auch nichts anhaben. Fröhlich hopste ich von einer Pfütze in die nächste. Und da ich im November auch noch Geburtstag habe, blieb ohnehin keine Zeit für November-Blues. Da war die Vorfreude auf den Geburtstag mit seinen Spielen, den Süßigkeiten und Geschenken.

Mittlerweile hält sich meine Begeisterung für Pfützen leider in Grenzen. Und auch das Lampenfieber, das früher schon Wochen, nein Monate, vor meinem Geburtstag begann, hat sich irgendwie in Luft aufgelöst. Auch ich stelle fest, dass ich öfter in den November-Blues verfalle. Was tun?

Die November-Erkältung

Eine Frau in einer Regenjacke. Im Hintergrund dunkle Regenwolken.

Ob ein Spaziergang bei November-Blues hilft?

Ich habe mich schlau gemacht: In Apothekenzeitschriften raten die Experten zum Baden in ätherischen Ölen, zum Teetrinken und zum Schokoladeessen – wegen der Glückshormone. Und ganz wichtig – als Allheilmittel gewissermaßen: Spazierengehen! Donnerwetter! Das nenne ich einen Tipp gegen November-Blues. Während draußen ein Wolkenbruch niedergeht, wie man ihn selbst im November nur selten erlebt, steige ich also in meine Gummistiefel. „Jetzt oder nie!“, denke ich und krame auch noch meinen Regenponcho, den ich vor zwei Jahren gekauft und nie benutzt habe, aus dem Schrank.

Nun ja, eine Runde durch den braunen Blättermatsch gestiefelt und da ist sie: meine November-Erkältung. Statt Glückshormonen nun also Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Was bleibt mir da anderes übrig – ich schnappe mir meine Wolldecke und verkrieche mich auf mein Wohnzimmersofa. Natürlich wegen der Erkältung; nicht wegen November – da mache ich ja dieses Jahr nicht mit …

Im Dezember geht's schon wieder

Obwohl der Dezember statistisch gesehen mit noch weniger Sonnenstunden aufwartet als der November, sieht im letzten Monat des Jahres alles wieder anders aus. Denn schließlich ist bald Weihnachten. Meine November-Erkältung ist weg, den Rat von Experten braucht jetzt niemand mehr. Sollte dann trotzdem ein bisschen „Blues“-Stimmung aufkommen ist das Rezept denkbar einfach: Ein Glühwein hier, ein „Jingle Bells“ dort und es geht schon wieder. Da fällt es nicht schwer, den Gedanken an den nächsten November-Blues ganz weit von mir wegzuschieben.




Fragen zum Text

Als „November-Blues“ bezeichnet man …
1. eine besondere Musikrichtung.
2. ein Stimmungstief.
3. eine Erkältungsform.

Als Ausdruck des bewundernden Erstaunens ruft man umgangssprachlich: …
1. „Wolkenbruch!“
2. „Schmuddelwetter!“
3. „Donnerwetter!“

Welcher Monat ist meteorologisch der „dunkelste“ Monat? …
1. Oktober
2. November
3. Dezember


Arbeitsauftrag
Suche dir einen Monat aus und schreibe ein kleines Monats-Rätsel. Das Rätsel könnte zum Beispiel so beginnen: „In meinem Monat ist es oft kalt und nass…“ Können deine Mitschülerinnen und Mitschüler erraten, um welchen Monat es sich in deinem Rätsel handelt?

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