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Atomkonflikt geht weiter

3. Oktober 2006

Die selbst erklärte Atommacht Nordkorea will nach eigenen Angaben einen Atomwaffentest unternehmen. Ein Termin wurde nicht genannt. Im Juli hatte Nordkorea bereits atomwaffenfähige Trägerraketen getestet.

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Kim Jong Il im Porträt
Provoziert die internationale Gemeinschaft: Kim Jong IlBild: AP

Wegen Sanktionen und Drucks der USA sehe sich Nordkorea zu einem solchen Schritt gezwungen, hieß es am Dienstag (3.10.2006) in einer von der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Ein Nukleartest werde die Abschreckung zur Selbstverteidigung Nordkoreas stärken. Das Land würde jedoch niemals zuerst Atomwaffen einsetzen. Ein Zeitpunkt für den beabsichtigten Test wurde nicht genannt.

Spekulationen über unterirdische Atomtests

Nordkorea hatte am 10. Februar 2005 erklärt, über Atomwaffen zu verfügen und damit die Spannungen wegen seines umstrittenen Nuklearprogramms verschärft. Bisher ist jedoch nichts über einen Atomwaffentest in Nordkorea bekannt geworden, wodurch das Land den Besitz von Kernwaffen belegen würde. Zuletzt gab es bereits Spekulationen über einen möglicherweise bevorstehen unterirdischen Atomwaffentest in Nordkorea.

Das Außenministerium in Pjöngjang teilte auch mit, am Ziel einer nuklearwaffenfreien koreanischen Halbinsel festzuhalten. Nordkorea wolle sich zudem für die weltweite "nukleare Abrüstung und die Abschaffung von Atomwaffen" einsetzen.

Eingeschränkte Sanktionen gegen Pjöngjang verhängt

Am 4. Juli hatte Nordkorea ohne Vorwarnung mehrere Raketen getestet. Darunter war auch eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2, die mit einer Reichweite von mehr als 6000 Kilometern theoretisch auch die US-Bundesstaaten Alaska und Hawaii treffen könnte. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte in einer Resolution die Raketentests und verhängte eingeschränkte Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang. Pjöngjang stellte daraufhin einen Ausbau seiner militärischen Abwehr in Aussicht.

UN-Sicherheitsrat besorgt

Der angekündigte Atomwaffentest hat im UN-Sicherheitsrat große Besorgnis ausgelöst. Mehrere Mitglieder äußerten bei der regulären Sitzung des Gremiums am Dienstag in New York "ernsthafte Bedenken". Für den Mittwoch wurde deshalb eine Sitzung zu dem Thema einberufen.

Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton bezeichnete einen möglichen Atomtest als "außergewöhnlich ernst". In Finnland sprach der EU-Außenbeauftragte Javier Solana von schlechten Neuigkeiten. Frankreich forderte Nordkorea auf, auf den Test zu verzichten. Ein Atomtest sei eine Bedrohung für die Stabilität in der Region und für die internationale Sicherheit, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Scharfe Kritik aus Japan

Die japanische Regierung verurteilte die jüngste Ankündigung Nordkoreas als Bedrohung für den Frieden in der Region und kündigte eine ernsthafte Antwort an. Die Atomtestpläne seien unannehmbar, sagte der neue Ministerpräsident Shinzo Abe nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo. In Südkorea wurde für Mittwoch (4.10.) eine Dringlichkeitssitzung der für Sicherheitsfragen zuständigen Minister angesetzt.

Die so genannten Sechs-Länder-Gespräche (Süd- und Nordkorea, USA, China, Russland, Japan) über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms liegen seit November 2005 auf Eis. Nordkorea forderte von den USA die Aufhebung von Finanzsanktionen als Bedingung für die Rückkehr an den Verhandlungstisch. (kap)