Nintendo-Visionär Yamauchi ist tot | Digitales Leben | DW | 20.09.2013
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Digitales Leben

Nintendo-Visionär Yamauchi ist tot

Er steht für die Erfolgsgeschichte des Nintendo-Konzerns: Hiroshi Yamauchi war 50 Jahre lang Chef des Spieleherstellers. Jetzt ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Ein Nachruf auf den Erfinder des Gameboys.

Als der Gameboy auf den Markt kam, verzweifelten Millionen Eltern weltweit. Stundenlang hockten ihre Kinder mit einem kleinen grauen Kasten in der Hand irgendwo herum, starrten auf einen kleinen grün/schwarzen Bildschirm und drückten mit ihren Daumen auf kleine Knöpfchen. Aus dem Kästchen klangen merkwürdige elektronische Töne und Geräusche. Der Gameboy war für Kinder in den frühen 1990ern wie der Rock'n'Roll für die Eltern 40 Jahre zuvor. Hier war etwas, das die Eltern nicht verstanden, das nicht zu laut sein sollte, das irgendwie auch reglementiert werden musste. Diese Revolution im Kinderzimmer ist Hiroshi Yamauchi zu verdanken, dem Mann, der das Familienunternehmen Nintendo aus Japan zu einem Global Player und sich selbst zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht hat.

Neue Besen kehren gut

Mit 22 Jahren übernahm Yamauchi die Firma seines Großvaters, die 1888 gegründet wurde. Die Geschichte der Firma begann mit japanischen Kartenspielen, "Hanafuda"-Karten, die mit bunten Blumen bedruckt waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Firma kurz vor dem Aus. So brach Yamauchi sein Studium ab und übernahm 1949 den Chefposten. "Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich glücklich darüber war, Nintendo zu übernehmen", erzählte Yamauchi Jahre später im Buch "A History of Nintendo". "Ich war jung und hatte gemischte Gefühle. Aber hier ging es um ein Familienunternehmen ohne Führung und mit vielen Mitarbeitern, die nicht wussten, was mit ihnen geschehen sollte."

Er verjüngte die Firma, indem er die alten Manager feuerte und junge Mitarbeiter einstellte. Als Marktführer von Spielkarten gab sich Yamauchi nicht mehr lange mit dem japanischen Markt zufrieden. In den 1950er Jahren kooperierte er mit Disney und verkaufte weltweit Spielkarten jeglicher Art. Als das Kartengeschäft stagnierte, versuchte er, in andere Bereiche zu investieren, konzentrierte sich aber später wieder auf Spiele: Brettspiele und - als einer der wenigen - batteriebetriebene Spielsachen. Da war der Weg zum elektronischen Spielzeug nicht mehr weit - und so stieg er in den 1970ern schließlich richtig in das elektronische Spielegeschäft ein.

Der Ur-Gameboy von 1989 mit ein paar Cards, auf denen sich die Spiele befinden. (Foto: Nintendo)

Der erste Gameboy war noch grau, später folgten bunte Modelle und mehr Spiele

Erste tragbare Spielkonsole

Erste Erfolge gab es mit der Heimkonsole Famicon, außerhalb Japans wurde sie als Nintendo Entertainment System vermarktet. In der 1980er Jahren schließlich kamen die Spieleklassiker dazu: "Super Mario Bros", "Donkey Kong" und "Legend of Zelda".

1989 präsentierte Nintendo den ersten Gameboy. Zunächst gab es darauf nur ein Spiel: Das Puzzlegame Tetris. Die Musik dazu ist eines der wenigen Musikstücke in der Geschichte der Computergames, die zu "Klassikern" geworden sind.

Weitere Versionen von Spielen, die zuvor nur auf den großen Konsolen liefen, folgten. Gut 120 Millionen mal wurde der Gameboy verkauft, es war eine Zeit lang die meistverkaufte tragbare Konsole der Welt, nur noch getoppt vom späten Nachfolger, dem Nintendo DS.

Yamauchi ruhte sich nicht auf dem Erfolg des Ur-Gameboys aus, ließ seinen Ingenieuren keine Ruhe und ließ alle Modelle in kurzen Abständen überholen und modernisieren. Auch bei den Heimkonsolen gab es ständig Weiterentwicklungen, Renner waren der Game-Cube oder die Nintendo 64.

Der reichste Mann der Welt

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Die Tetris-Musik (A-Type) ist ursprünglich eine russische Volksweise mit dem Titel "Korobeiniki"

2002 räumte Yamauchi den Chefsessel, fungierte aber bis zuletzt noch als Berater. Den letzten Megaerfolg bescherte dem Konzern die Heimkonsole Ninteno Wii. Sie kam zum Weihnachtsgeschäft 2006 auf den Markt und hatte etwas, das die Konkurrenten von Sony und Microsoft noch nicht hatten: einen Bewegungssensor. Plötzlich konnte man sich während eines Spiels bewegen, der Controller diente als Tennisschläger oder Boxhandschuh, natürlich auch als Waffe. Damit hatte die Firma Nintendo ein weiteres Mal die Spielewelt revolutioniert.

Vor fünf Jahren wurde Hiroshi Yamauchi im Forbes-Magazin als reichster Mann der Welt gelistet, mit einem mutmaßlichen Nettovermögen von 7,8 Milliarden Dollar. Er war immer ein Geschäftsmann mit Leib und Seele, gönnte sich aber auch mal ab und zu etwas: zum Beispiel eine ganze US-amerikanische Baseball-Mannschaft; 1992 rettete er mit dem Kauf die "Seattle Mariners", hatte aber dafür einen Werbeträger mit enormer Reichweite gewonnen.

Jetzt ist Hiroshi Yamauchi im Alter von 85 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Und mit ihm einer der Pioniere aus der Computerwelt, die die Elektronik nicht nur vorangebracht, sondern auch mit Spaß und Farbe versehen haben.

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