Nicht ohne meinen Juwelier! | Wirtschaft | DW | 21.12.2017
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Einzelhandel

Nicht ohne meinen Juwelier!

Juweliere und Uhrmacher rechnen mit einem guten Weihnachtsgeschäft. Die Kunden profitieren von stabilen Rohstoffpreisen und setzen auf den Service beim Fachhändler. Doch auch Luxusgüter werden zunehmend online gekauft.

Wertvoller Schmuck und teure Uhren gehören auch in diesem Jahr wieder zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken unter den Tannenbäumen zwischen Nordsee und Bodensee. Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) erwartet ein gutes Saisongeschäft für die Branche. Vor allem bei hochwertigem Edelmetallschmuck prognostiziert der Verband satte Zuwächse.

BVJ-Präsident Stephan Lindner begründet das mit den nur minimalen Steigerungen der Rohstoffpreise für Gold und Platin. Zudem sieht er einen Trend "weg vom Modeschmuck hin zu hochwertigen Stücken". Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit einen Umsatzplus von zwei Prozent. Der Umsatz mit Schmuck werde 2017 bei knapp 3,5 Milliarden Euro liegen. Mit Uhren werden es dieses Jahr 1,3 Milliarden Euro sein.

Ein Appell an die Branche

Während bereits jedes vierte Kleidungsstück, jedes vierte elektronische Gerät und jeder fünfte Kugelschreiber in einem digitalen Einkaufskorb landet, ist der Online-Anteil beim Schmuck- und Uhrenkauf mit nur rund zehn Prozent relativ gering. Woran liegt das? Der Trend-Index der Messe Inhorgenta, die zwischen dem 16. Und dem 19. Februar, 2018 in München stattfindet, kommt zu folgendem Ergebnis: Am liebsten kaufen die Deutschen ihre teuren Geschenke beim Händler ihres Vertrauens. Nur 28 Prozent der Befragten bestellen demnach Luxuswaren wie Uhren und Schmuck per Mausklick bei Online-Riesen wie Amazon und Otto.

Einer der Gründe: Mehr als 70 Prozent der Befragten wünschen sich individuellen Service vom Fachhändler. Interessant: Mehr als 60 Prozent der Deutschen können sich fachliche Beratung auch über einen Web-Auftritt oder einen Online-Shop vorstellen. "Wir sehen in den Umfrageergebnissen einen Appell an die Branche, die Chancen der digitalen Welt mit dem traditionellen Geschäft stärker zu verbinden und dabei den persönlichen Draht zum Kunden weiter auszubauen", sagt Stefanie Mändlein, Projektleiterin der Inhorgenta. Noch ein Studienergebnis: Jeder dritte Befragte wünscht sich, dass der Fachhändler seines Vertrauens zusätzlich einen Web-Shop betreibt.

Neue Zielgruppen übers Netz erreichen

Das Thema E-Commerce mit teurem Schmuck beschäftigt auch den Hamburger Goldschmied Ivar Kranz im Schanzenviertel. Er fertigt 60 Prozent seiner hochwertigen Ringe, Ketten und Anhänger individuell. Er verbindet traditionelles Handwerk mit digitalen Technologien. Mit einer Spezialsoftware entwirft er Halterungen, Strukturen, Gravuren für Ringe, Halsketten und Co. auf dem Bildschirm. So entstehen Modelle mithilfe eines 3D-Druckers. Das geht schneller als im handwerklichen Verfahren. Die teuersten Stücke aus der Schanze kosten bis zu 5000 Euro. 40 Prozent seiner glitzernden Präsente produziert Kranz in Kleinserien.

"Meine Kunden wollen den Schmuck anfassen, ausprobieren bevor sie ihn kaufen", sagt der Goldschmied. "Das persönliche Gespräch ist extrem wichtig in meinem Business." Bisher stellt Kranz nur Bilder und Infos über seine edlen Kreationen ins Netz. Das soll sich ändern: Im kommenden Jahr will er seinen Schmuck in seinem eigenen Webshop anbieten. Er hofft, so "neue Zielgruppen" zu erreichen.

Deutschland Schmuckmesse „Inhorgenta“ in München ( Messe München/Inhorgenta)

Je teurer der Schmuck, desto lieber will ihn der Kunde - oder die Kundin - ihn vor dem Kauf in der Hand gehabt haben.

Mit der Öffnung des Vertriebskanals E-Commerce für sich steht Ivar Kranz in seiner Branche nicht alleine da. Inhorgenta-Projektleiterin Mändlein empfiehlt den Fachhändlern, die Chancen des Internets zu nutzen - auch wenn teure Stücke weiter vornehmlich über den stationären Ladentisch gehen werden. "Gibt der Juwelier den Kunden die Möglichkeit, zwischen Online- und Offline-Shop zu wählen, entscheidet der Wert der Bestellung", erklärt Mändlein. Im aktuellen Trend-Index gab nur jeder fünfte Befragte an, bei einem Wert von über 500 Euro den Web-Shop nutzen zu wollen. "Die Mehrheit der Verbraucher will künftig noch individueller beraten werden", ist Mändlein überzeugt.

Gebremste Dynamik

Zur Branche für Schmuck und Uhren zählen rund 9.000 Händler - darunter einige große Player wie Christ und Otto sowie mittelständische wie Wempe. Um die E-Commerce-Dynamik zu messen, hat der BVJ seine Mitglieder befragt und den Online-Anteil für den Umsatz von Schmuck und Uhren mit zehn Prozent beziffert.

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) errechnet jedes Jahr den Anteil des E-Commerce am Gesamtumsatz in mehreren Branchen. Bei Schmuck und Uhren sind laut HDE die Online-Umsätze von 13,6 Prozent in 2015 auf 15,2 Prozent in 2016 gewachsen. Enthalten sind in diesen Zahlen auch die Ergebnisse von Kauf- und Modehäusern, die preisgünstigen Modeschmuck anbieten.

Frankfurt am Main - Oberlandesgericht (picture-alliance/dpa/M. Hanschke)

Hinter dieser sachlichen Fassade des Frankfurter Oberlandesgerichts entscheidet sich die Zukunft des Online-Schmuckhandels.

Juristische Hürden

Fazit: Je teurer das Präsent, umso eher werden noch analoge Verkaufskanäle genutzt. Allerdings ist die Dynamik des E-Commerce auch bei Gold, Silber und Edelsteinen zu spüren - auch wenn juristisch noch einige Fragen offen sind: Anfang Dezember urteilten die EU-Richter, dass Online-Händler Luxusartikel nur bei Drittanbietern, also Marktplätzen wie Amazon und E-Bay, verkaufen dürfen, wenn dabei die Bedingungen erfüllt werden, die für die Wahrung des Luxusimage erforderlich und angemessen sind.

Ob diese im konkreten Fall erfüllt werden, wird im kommenden Jahr das Oberlandesgericht Frankfurt entscheiden. Der Hintergrund: Der Kosmetikhersteller Coty hatte dem Händler parfumdreams.de verboten, seine Produkte parallel zum eigenen Webshop auch über Amazon anzubieten. Coty bezweifelte, dass das Luxusimage seiner Produkte, bei einem Verkauf über die "herkömmlichen" Plattformen erhalten bleibe. Dagegen hatte sich der Händler gewehrt und nun teilweise Recht bekommen.

Kai Renchen, Geschäftsführer des im Schwäbischen ansässigen Webshops: "Das Urteil ist ein Teilerfolg für uns und für den Online-Handel." Der Grund: Der Gerichtshof habe einen Riegel vor pauschale Verbote geschoben, Hersteller müssen nun Kriterien festlegen, so dass Online-Händler über Drittplattformen verkaufen dürfen. Kai Renchen: "In Europa ansässige kleine und mittelständische Unternehmen haben dann legitimierten Zugang zu den für ihr Wachstum so wichtigen Plattformen."