Nicaraguas ″Fake-Wahl″ mit erwartetem Ausgang | Aktuell Amerika | DW | 08.11.2021
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Mittelamerika

Nicaraguas "Fake-Wahl" mit erwartetem Ausgang

An einer Wiederwahl von Staatschef Daniel Ortega gab es nie ernsthaften Zweifel. Die Opposition in dem zentralamerikanischen Land war chancenlos. Die USA und die EU finden deutliche Worte.

Nicaragua | Daniel Ortega

Wird wohl bald seine vierte Amtszeit in Folge antreten: Präsident Daniel Ortega

In Nicaragua ist der linksnationale Amtsinhaber Daniel Ortega erwartungsgemäß als Staatschef wiedergewählt worden. Er erhielt nach amtlichen Angaben 75 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der seit 14 Jahren in Folge regierende Ex-Guerillakommandant hatte in den vergangenen Monaten etliche Oppositionspolitiker, Journalisten und Aktivisten einsperren lassen. Nur fünf weitgehend unbekannte Kandidaten konnten gegen den 75-Jährigen antreten.

Eine aussichtsreiche Herausforderin hätte die Journalistin Cristiana Chamorro (67) werden können. Doch die Tochter der früheren Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro wurde von der Wahl ausgeschlossen, sie steht seit Anfang Juni unter Hausarrest.

"Vaterlandsverrat"

Cristiana Chamorro und sechs andere Bewerber waren auf Grundlage eines im Dezember vom Parlament verabschiedeten Gesetzes festgenommen worden, das den Ausschluss Oppositioneller von Wahlen erleichtert. Den Politikern werden unter anderem Geldwäsche und "Vaterlandsverrat" vorgeworfen. Das Parlament wird - wie die Justiz und die Wahlbehörden - von Ortegas Verbündeten kontrolliert.

Nicaragua Cristiana Chamorro

Wurde nicht zur Wahl zugelassen: Cristiana Chamorro (Archivbild)

Rund zwei Drittel aller Befragten hatten kürzlich dem Meinungsforschungsinstitut Cid-Gallup gesagt, sie hätten für einen der inhaftierten Oppositionskandidaten gestimmt, wären diese zur Wahl zugelassen worden. Interessant wird nun vor allem die Wahlbeteiligung sein, um die tatsächliche Unterstützung für Ortega erahnen zu können. Eine Wahlpflicht gibt es in dem mittelamerikanischen Land mit seinen rund 6,5 Millionen Einwohnern nicht.

Eine "Scheinwahl"

"Was Ortega und seine Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, inszeniert haben, war eine Scheinwahl, die weder frei noch fair und schon gar nicht demokratisch war", erklärte US-Präsident Joe Biden. "Wir fordern das Ortega-Murillo-Regime auf, unverzüglich Maßnahmen zur Wiederherstellung der Demokratie in Nicaragua zu ergreifen und die Personen, die zu Unrecht inhaftiert wurden, unverzüglich und bedingungslos freizulassen."

Auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte die Wahl einen "Fake", der einzig dazu diene, Ortega an der Macht zu halten. Die Europäische Union werde das Wahlergebnis nicht anerkennen.

Ortega war bereits nach der Revolution 1979 bis zu seiner Abwahl 1990 an der Macht. Ende 2006 wurde er erneut gewählt. Seine Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN) setzte 2014 eine Verfassungsreform durch, die eine Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten abschaffte. Ortega ist laut Medienberichten schwer krank, als eigentliche Strippenzieherin gilt seine Ehefrau.

wa/rb (afp, dpa, epd)

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