Neues von Marcel Proust - Pariser Verlag veröffentlicht unbekannte Texte | Bücher | DW | 08.10.2019
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Französische Weltliteratur

Neues von Marcel Proust - Pariser Verlag veröffentlicht unbekannte Texte

Die Literaturwelt kann es kaum erwarten: An diesem 9. Oktober erscheinen bislang unveröffentlichte Texte von Marcel Proust. Wovon handeln sie und warum hat sie der Autor nie veröffentlicht?

Vor 100 Jahren erhielt Marcel Proust (1871-1922) mit dem Prix Goncourt die wichtigste Literaturauszeichnung seines Heimatlandes Frankreich. Pünktlich zu diesem Jubiläum veröffentlicht der kleine Pariser Verlag "Éditions de Fallois" nun Novellen, Skizzen und Erzählungen des berühmten Autors, die der Öffentlichkeit bislang unbekannt waren.

Aufgetaucht sind die Manuskripte allerdings nicht erst jetzt. Schon seit längerem befanden sie sich in der Sammlung des Proust-Spezialisten und Verlagsgründers Bernard de Fallois. Im Januar 2018 verstorben, teilte er in seinem Testament mit, dass es in seinem Archiv sieben Kisten mit Proust-Manuskripten gebe. Der Literaturkritiker Luc Fraisse, so erzählt dieser im Interview mit France Culture, sei dann beauftragt worden, die Manuskripte zu sortieren. 

Nun kommen die mit Spannung erwarteten neuen Proustschen Zeilen an diesem Mittwoch unter dem Titel "Le Mystérieux Correspondant et autres nouvelles inédites" (etwa: "Der mysteriöse Korrespondent und andere unveröffentlichte Novellen") in die französischen Buchhandlungen. Fraisse ist der Herausgeber.

 Buchcover von Le Mystérieux Correspondant et autres nouvelles inédites ( Editions de Fallois)

Cover des neuen Proust-Sammelbandes

Thema für Veröffentlichung zu heikel?

Vieles deutet darauf hin, dass Marcel Proust die Novellen und Erzählungen für seinen Erstlingsroman "Freuden und Tage" ("Les Plaisirs et les Jours", 1896) verfasst hatte - um die 20 Jahre alt dürfte er damals gewesen sein. 

Doch der junge Autor entschied sich, die Texte letztlich nicht in "Freuden und Tage" einfließen zu lassen. Herausgeber Luc Fraisse sieht hierfür zwei mögliche Gründe: Zum einen könne es sein, dass Proust schlicht nicht zufrieden war mit dem Ergebnis seiner Texte. So sind die meisten von ihnen nicht vollendet. 

Ein anderer Grund könne darin bestehen, dass viele der Novellen von Homosexualität handeln und dies Proust peinlich gewesen sein könnte. Die Gesellschaft, in der Proust lebte, war traditionellen Moralvorstellungen schließlich noch stark verhaftet.

Bernard de Fallois vermutete zu Lebzeiten ebenfalls, dass die Abkehr von einer Veröffentlichung mit dem Thema der Homosexualität zusammengehangen haben könnte. Seine These: Hätte Proust seine Geschichten über Homosexualität "Freuden und Tage" hinzugefügt, dann wäre dies das Hauptthema des Werks gewesen.

Marcel Proust mit Reynaldo Hahn - Zeichnung von Marcel Proust. (picture-alliance/HIP/The Print Collector)

Ein Selbstporträt Prousts (links) mit seinem engen Freund Reynaldo Hahn

Anfänge als Schriftsteller

Marcel Proust machte kein Geheimnis daraus, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte. Davon zeugen etwa seine Briefe an den Komponisten Reynaldo Hahn.

Doch die bislang unbekannten Texte von ihm seien, so der Fallois-Verlag, gar "eine Art Tagebuch" des Autors - unter dem "transparenten Deckmantel der Fiktion" verfasst. Im Gegensatz zu "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (1913-1927), wo es auch immer wieder komische Momente gibt, werde das Bewusstsein für das Schwulsein hier aber "ausschließlich als etwas Tragisches, als Fluch erlebt." 

Was die Novellen außerdem so besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die Genese des Schriftstellers Proust nachvollziehbar machen: Verschiedene Formen des Erzählens probierte er darin aus, widmete sich Themen, die er auch später aufgriff und war im Stil dem seines späteren Hauptwerks bereits sehr ähnlich. Der Verlag urteilt: "Mit dieser Novellen-Sammlung (...) gelangen wir zu den Ursprüngen der 'Suche nach der verlorenen Zeit'." 

Proust, der Jahrhundertautor

Der siebenbändige Romankoloss ist eines der umfangreichsten und bedeutendsten Werke der französischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sein Ich-Erzähler erinnert sich darin mitunter minutiös an Details aus der Kindheit. Die letzten drei Bände von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" wurden posthum veröffentlicht.

Zu Prousts Gesamtwerk zählen etliche weitere literarische Schriften sowie Tausende von Briefen, die er ab seinem 17. Lebensjahr zu schreiben begann. Proust, der mehrere Schicksalsschläge erlitt und von Kindesbeinen kränkelte, starb am 18. November 1922, mit gerade mal 51 Jahren.

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