Neues Urteil gegen Serbenführer Karadzic | Europa | DW | 20.03.2019
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Kriegsverbrechen

Neues Urteil gegen Serbenführer Karadzic

Das UN-Tribunal in Den Haag hat das Urteil gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic in einem Berufungsprozess verschärft. Statt 40 Jahre lautet das Strafmaß jetzt lebenslänglich.

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Völkermord von Srebrenica, dem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, entschieden die Richter des UN-Kriegsverbrechertribunals in letzter Instanz über die Taten Radovan Karadzics und erhöhten seine Strafe auf lebenslänglich. In erster Instanz war Karadzic im Jahr 2016 noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das neue Urteil ist endgültig.

Chefankläger Brammertz: Sehr, wehr wichtiges Urteil

Die Verbrechen seien so "extrem schwerwiegend", dass eine 40-jährige Haftstrafe "unangemessen und ungerecht" sei, sagte der Vorsitzende Richter in Den Haag. Der Chefankläger der Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, Serge Brammertz, bezeichnete das Urteil als "sehr, sehr wichtig". "Weil es jetzt ein endgültiges Urteil ist, das feststellt, das Karadzic nicht ein Held seines Volkes war, der sein Volk verteidigt hat, sondern ein Kriegsverbrecher, der eigentlich auch seine eigene Bevölkerung missbraucht hat, um seine persönlichen politischen Ziele zu verfolgen und bei der Verfolgung dieser Ziele massive Verbrechen begangen hat", sagte Brammertz der DW.

Die Richter verurteilten Karadzic wegen Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er Jahren. Sie sahen seine Schuld an tausendfachem Mord als erwiesen an. Zudem sei er verantwortlich für Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo sowie den Völkermord von Srebrenica zu verantworten. 

Jubel auf der Tribüne

Karadzic zeigte bei der Urteilsverkündung keine Regung (Artikelbild). Sein Blick war starr auf die Richter gerichtet. Angehörige von Opfern jubelten im Gerichtssaal, als das Urteil verkündet wurde. "Endlich Gerechtigkeit", sagte Munira Subasic von der Organisation "Mütter von Srebrenica". Eine lebenslange Haftstrafe sei die einzig gerechte Strafe für Karadzic. "Die Wahrheit und die Gerechtigkeit haben gesiegt."

Im Juli 1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die damalige UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Karadzic war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien entdeckt und an das Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert worden.

Für Karadzic dürfte sich mit dem neuen Richterspruch faktisch nichts ändern. Auch nach der ersten Verurteilung im März 2016 war es bereits mehr als unwahrscheinlich, dass der heute 73-Jährige das Ende einer 40-jährigen Jahre Haft noch erleben würde.

Karadzic hatte während des Prozesses immer wieder seine Unschuld beteuert. Die Vorwürfe seien "haltlos", er sei das Opfer eines "politischen Prozesses", so sein Mantra.

qu/ww (dpa, rtr, afp, ape)

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