Neues Nazi-Liederbuch in österreichischer Burschenschaft entdeckt | Aktuell Europa | DW | 20.02.2018
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Burschenschaften in Österreich

Neues Nazi-Liederbuch in österreichischer Burschenschaft entdeckt

Drei Wochen nach dem Rücktritt des FPÖ-Politikers Landbauer in Österreich erschüttert eine ähnliche Affäre die rechtspopulistische Partei. Dieses Mal geht es um die schlagende Burschenschaft Bruna Sudetia in Wien.

In Österreich ist nach Informationen des Wochenmagazins "Falter" ein weiteres antisemitisches Liederbuch in einer von einem FPÖ-Funktionär geleiteten Burschenschaft aufgetaucht. Vorsitzender der Verbindung ist Herwig Götschober, ein Pressereferent im Team von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer.

Jede Menge antisemitische Texte

Dem "Falter" liegt das entsprechende Exemplar des Liederbuchs der Burschenschaft vor. Auch darin findet sich - wie schon im Liederbuch der Verbindung Germania des ehemaligen niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: 'Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'", die auf den Massenmord an den Juden während der NS-Diktatur anhebt. Darüber hinaus sind laut "Falter" weitere judenfeindliche und volksverhetzende Verse in dem Buch zu finden. Keine einzige Textpassage sei geschwärzt worden. 

Screenshot Webseite Burschenschaft Bruna Sudetia (bruna-sudetia.at)

Screenshot der Webseite der schlagenden Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia

Burschenschaft weist Vorwürfe zurück

Aus dem Verkehrsministerium hieß es dazu, Götschober kenne das Liederbuch nicht. Sein Exemplar weise weder im Inhalt noch in der Grafik Ähnlichkeiten zu dem vom Magazin angeführten Buch auf.

Auch die Burschenschaft selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe. Das Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen, erklärte sie in einer schriftlichen Stellungnahme an die Austria Presse Agentur. Die schlagende Verbindung prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte gegen die Wochenzeitung "Falter".

Chef der Burschenschaft ist Bezirksrat im jüdischen Bezirk

Politiker der oppositionellen SPÖ und der Grünen riefen den Verkehrsminister auf, sich von seinem Mitarbeiter Götschober zu trennen. Götschober ist im Kabinett für die Social-Media-Agenden zuständig und auch Bezirksrat der rechtpopulistischen FPÖ in Wien-Leopoldstadt. In dem 2. Wiener Gemeindebezirk leben viele Juden.

Im Januar hatte der FPÖ-Spitzenpolitiker Udo Landbauer für Schlagzeilen gesorgt, da in seiner Burschenschaft Germania ein antisemitischer Liedtext kursierte. Auch Landbauer gab zunächst an, von dem menschenverachtenden Liedgut nichts zu wissen und beklagte eine "Medienhatz" gegen ihn.

Die FPÖ von Vizekanzler Heinz-Christian Strache regiert seit Dezember in einer Koalition mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Von den 51 FPÖ-Abgeordneten sind knapp 40 Prozent Mitglieder von Burschenschaften. Auch unter den FPÖ-Kabinettsmitgliedern gibt es einen hohen Anteil von Burschenschaftlern.

se/jj (dpa, falter, afp, rtr)

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