Neues Medikament gegen Tuberkulose | Wissen & Umwelt | DW | 02.09.2019
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Wissen & Umwelt

Neues Medikament gegen Tuberkulose

Weltweit erkranken jährlich fast neun Millionen an Tuberkulose, vor allem in ärmeren Ländern. 1,4 Millionen sterben daran. Neue Medikamente werden dringend gebraucht, denn TBC-Bakterien bilden schnell Resistenzen.

Gegen Tuberkulose gab es lange Zeit keine neuen Medikamente. Jetzt hat eines die Zulassung erhalten. Es ist das dritte innerhalb von sechs Jahren. "Man kann Tuberkulose nicht mit einem Medikament behandeln", erklärt Sebastian Dietrich von "Ärzte ohne Grenzen". "Wenn man Tuberkulose nur mit einem Medikament behandelt, werden die Bakterien in kürzester Zeit gegen dieses Medikament resistent." Deshalb brauche man für eine erfolgreiche Therapie immer eine Kombination von Tuberkulose-Medikamenten, normalerweise drei bis fünf. Diese schützten sich vor den Resistenzen des Bakteriums praktisch gegenseitig. 

Südafrika, Tuberkulose-Behandlun (Getty Images/M. Safodien)

Aufgrund der Resistenzen muss eine Kombination von Medikamenten verabreicht werden

"Nimmt der Patient nur ein Medikament, wirkt dieses auch", sagt Dietrich. "Dem Patienten geht es dann zunächst besser. Aber einige Tuberkulose-Bakterien bilden Resistenzen, sie vermehren sich, und die Lungenkrankheit kommt zurück."

Gefahr durch Resistenzen

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Übertragen wird sie durch eine Bakterienart, das Mykobakterium tuberculosis. Sie gilt noch immer als Armutskrankheit. Viele Patienten leben in ärmeren Ländern, etwa in Afrika. In vielen Regionen dort ist auch HIV ein Problem. "Bei einer HIV-Infektion wird das Immunsystem heruntergesetzt. Dadurch gibt es auch vermehrt Fälle von aktiver Tuberkulose", so Dietrich. 

Einfache Diagnose

Tuberkulose zu erkennen und zu diagnostizieren, sei nicht schwierig, erklärt er. "Dazu braucht man lediglich ein Mikroskop." Aber es gibt andere Probleme. Wenn man die Bakterien unter dem Mikroskop sieht, ist nicht eindeutig klar, ob sie auf die Medikamente ansprechen oder nicht.

Multiresistente Tuberkulose in der Ukraine (DW)

Tuberkulose ist leicht zu erkennen, nicht aber, welches Medikament anspricht

"Früher brauchten wir für die Untersuchung mit dem Mikroskop eine Stunde oder auch zwei. Da die Tuberkulose-Bakterien heute oft resistent gegen die normalen Medikamente sind, kann man die TB zwar immer noch mit dem Mikroskop diagnostizieren, man weiß aber nicht mehr, mit welchem Medikament man sie behandeln kann."

Jetzt müssen die Mediziner aufwändig eine Kultur anlegen. Wenn diese gewachsen ist, muss sie gegen jedes Medikament extra ausgetestet werden, um herauszufinden, auf welches Medikament die Bakterien reagieren und auf welches nicht. "Das dauert etwa drei Monate", gibt Dietrich zu bedenken. Das neue Medikament ist zugelassen, aber noch nicht frei auf dem Markt verfügbar. Dietrich schätzt, dass das aber schon bald der Fall sein wird.

Internationale Situation

Etwa 85 Prozent aller TBC-Neuinfektionen entfallen auf Afrika, Südostasien und die westliche Pazifikregion. Aber auch Osteuropa hat hohe Infektionszahlen. Betroffen sind vor allen Länder wie Georgien, Kasachstan und Weißrussland. Auch dort gibt es mittlerweile viele Resistenzen, die Tuberkulosefälle sind nicht mehr behandelbar. Bis zu fünfzig Prozent der Patienten haben auf die Medikamente gar nicht mehr angesprochen. Sie haben die Tuberkulose dann weitergetragen und andere angesteckt.

Eine Herausforderung auch für Deutschland

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Fälle von Tuberkulose. Bei den Erwachsenen gibt es die meisten Fälle bei Menschen im Alter von knapp 80 Jahren. Sie haben sich in Deutschland möglicherweise nach dem zweiten Weltkrieg angesteckt. Die hygienischen Bedingungen waren schlecht, Menschen lebten auf kleinstem Raum zusammen – ideale Bedingungen für die Verbreitung von Tuberkulose. In Deutschland ist die Erkrankung meldepflichtig.

Röntgenbild Tuberkulose (picture-alliance/BSIP/C. James)

Etwa 85 Prozent aller TBC-Neuinfektionen entfallen auf Afrika, Südostasien und die westliche Pazifikregion. 

Aber es trifft auch jüngere. "Die zweite Gruppe sind die 20 bis 24-jährigen", sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. "Häufig sind sie in Deutschland geboren, haben aber noch Verwandte in ihren Heimatländern." Es kann passieren, dass sich diese Menschen bei einem Besuch mit Tuberkulose infizieren. Man braucht allerdings engen und auch fortlaufenden Kontakt. "Es ist zwar nicht auszuschließen, dass eine Ansteckung auch bei eher flüchtigem Umgang passieren kann", so Glasmacher. Das sei aber äußerst selten, denn einmal Anhusten reiche nicht aus, um sich mit dem Bakterium zu infizieren.

Ferne Ziele

Langfristig soll Tuberkulose weltweit eliminiert werden. Das Ziel der WHO ist es, dass jedes Jahr etwa zehn Prozent weniger Tuberkulosefälle registriert werden. "Das sehen wir so noch nicht", gibt Glasmacher zu bedenken. Selbst in Deutschland ist ein solcher Rückgang nur schwer zu erreichen. Für die Gesundheitsämter ist es sehr aufwändig, alle Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen. Bundesweit sind das zurzeit etwa 5000 Fälle. "Im internationalen Vergleich ist die Zahl nicht einmal so hoch", sagt Glasmacher, "aber es sind eben immer noch zu viele, die sich mit Tuberkulose infizieren.

 

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