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Kriminalität

Neues Kapitel im Justiz-Krimi

26. März 2013

"Engel mit den Eisaugen" wurde sie vielfach genannt. Jetzt wird der Mordprozess gegen die US-Amerikanerin Amanda Knox neu aufgerollt: Italiens höchstes Gericht hat den Freispruch gegen sie und ihren Ex-Freund aufgehoben.

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Amanda Knox, im Jahr 2011 (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

Der Fall muss neu verhandelt werden, entschied der Oberste Kassationsgerichtshof in Rom und gab damit einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Damit müssen sich Amanda Knox (Artikelbild), wegen ihrer stahlblauen Augen von den Medien bereits im ersten Prozess "Engel mit den Eisaugen" genannt, und ihr damaliger italienischer Freund Raffaele Sollecito erneut wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher vor Gericht verantworten.

Die 21-jährige Studentin war am 2. November 2007 vergewaltigt, mit durchschnittener Kehle und weiteren Verletzungen in einer Wohnung in Perugia tot aufgefunden worden. Dort hatte sie gemeinsam mit Knox gewohnt.

Urteil im Fall Amanda Knox erwartet

In einem spektakulären Prozess wurden Knox und Sollecito im Jahr 2009 zunächst wegen Mordes an der Britin schuldig gesprochen und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Mehr als vier Jahre lang saß die heute 25-jährige Knox im Gefängnis, erst in Untersuchungshaft, dann aufgrund der Haftstrafe, die das Gericht in erster Instanz verhängt hatte. Doch der Fall ging in die Berufung und das Urteil wurde 2011 in zweiter Instanz aufgehoben. Knox und Sollecito wurden freigesprochen.

Urteil nach reinem Indizienverfahren

Das Urteil in der ersten Instanz sei nicht von Beweisen untermauert gewesen, hieß es damals: So sei die Tatwaffe niemals gefunden worden. Auch an der Korrektheit der DNA-Tests gab es erhebliche Zweifel. Die Beschuldigten hätten zudem kein Motiv für einen Mord gehabt. Nach dem Freispruch hatte es vor dem Gerichtssaal Tumulte gegeben. Knox' Unterstützer feierten das Urteil, während ihre Gegner ihr unterstellten, mit einer Medienkampagne Druck auf das Gericht ausgeübt zu haben. Die beiden Prozesse riefen weltweit ein großes Medieninteresse hervor.

Gegen den Freispruch hatten Kerchers Familie und die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Der neue Prozess soll nicht wieder in Perugia, sondern diesmal vor einem Berufungsgericht in Florenz stattfinden.

Angeklagte beteuerten stets ihr Unschuld

Knox und Sollecito bestritten immer eine Beteiligung an dem Mord und erklärten, sie seien zur Tatzeit nicht in der Wohnung gewesen. Ein dritter Verdächtiger, der Ivorer Rudy Guede, wurde in einem separaten Verfahren wegen Mittäterschaft schuldig gesprochen. Er verbüßt derzeit eine 16-jährige Haftstrafe.

Auslieferung ist unwahrscheinlich

Nach italienischem Gesetz kann die inzwischen in die USA zurückkehrte Knox nicht dazu gezwungen werden, für den neuen Prozess nach Italien zu reisen. Was passieren würde, sollte Knox in dem neuen Berufungsverfahren schuldig gesprochen werden, ist ungewiss. Es läge dann im Ermessen der USA, ob Knox an Italien ausgeliefert wird. Das gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich.

qu/sti (dpa,rtr,afp,AP)