Neues Gesetz für deutsche Auslandsschulen | Deutschlehrer-Info | DW | 10.01.2014
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Deutschlehrer-Info

Neues Gesetz für deutsche Auslandsschulen

Sie gelten als Orte der Begegnung zwischen Kindern unterschiedlicher Kulturen: Deutsche Auslandsschulen genießen weltweit einen guten Ruf. Ein neues Gesetz soll nun mehr Geld bringen und Planungssicherheit bieten.

Jedes Jahr im Dezember stellt sich Erich Schreiner die gleichen Fragen: Wie viel Geld erhält seine Schule im kommenden Jahr? Wird es reichen, um die Lehrer zu bezahlen? Oder muss das Schulgeld angehoben werden? Schon jetzt zahlen die Familien an Schreiners Schule jährlich rund 50000 Rand pro Kind, umgerechnet 3600 Euro. Das ist viel Geld in Südafrika.

Schreiner ist Rektor der Deutschen Internationalen Schule in Johannesburg, einer von 142 sogenannten Deutschen Auslandsschulen. Die privaten Bildungseinrichtungen sind auf der ganzen Welt verteilt und bieten Abschlüsse an, die man in Deutschland anrechnen lassen kann. Dadurch gelten sie als besonders attraktiv für all jene Familien, die aus Berufsgründen ins Ausland gezogen sind und für ihre Kinder das deutsche Abitur anstreben. Oder für einheimische Schüler, die in Zukunft an deutschen Universitäten studieren wollen.

„Wir erfreuen uns eines guten Rufes“, sagt Erich Schreiner zufrieden. Dennoch war seine Schule von Beginn an auf Fördergeld aus Deutschland angewiesen. Die Höhe der Summe, die das Auswärtige Amt überweist, wurde von Jahr zu Jahr nach Haushaltslage entschieden. Und das machte die Arbeit in Johannesburg kompliziert.

Planungssicherheit auf drei Jahre

Cornelia Pieper

Ex-Staatsministerin Cornelia Pieper machte sich für das neue Gesetz stark

In Zukunft soll das anders werden: Am 1. Januar 2014 ist das neue Auslandsschulgesetz in Kraft getreten, das den Einrichtungen einen festen Betrag für drei Jahre zusichert. Erstmalig könnten die Rektoren dadurch auf längere Zeit planen. Außerdem erfahren sie, wie viele Lehrkräfte aus Deutschland in den kommenden Jahren an ihre Schule vermittelt werden. „Die Lehrer, die bisher an die Deutschen Auslandsschulen kamen, saßen am Jahresende auf gepackten Koffern, weil sie nicht wussten, wie es weitergeht“, sagt die ehemalige Staatsministerin des Auswärtigen Amtes, Cornelia Pieper. „Das war kein Zustand für die hervorragende Arbeit, die dort geleistet wurde.“ Deswegen hatte Pieper vor zwei Jahren das Auslandsschulgesetz auf den Weg gebracht. Schon damals gab es einen großen Zuspruch über die Parteigrenzen hinweg: Das Gesetz passierte mühelos sowohl den Bundestag als auch den Bundesrat – eine Seltenheit in Deutschland.

„Quantensprung nach vorne“

Auch die Schulleiter begrüßen den Vorstoß. „Das ist ein Quantensprung nach vorne“, sagt Astrid Barbeau von der internationalen Deutschen Schule Paris. „Endlich haben wir eine rechtliche Sicherheit.“ Das Gesetz verleihe den Schulen einen neuen Status, mit dem sie sich von internationalen Konkurrenten absetzen könnten. Es sei eine Art Qualitätssiegel.

Thomas Schröder-Klementa Rektor der DEO Kairo

Rektor Thomas Schröder sieht skeptisch in die Zukunft


Wie viel Geld im Einzelnen an ihre Schulen fließen soll, wissen die Rektoren allerdings noch nicht. Das Budget wird derzeit bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt berechnet. „Wir richten uns nach den Abschlusszahlen der vergangenen drei Jahre“, erklärt der stellvertretende ZfA-Leiter Heinrich Ringkamp. Denn nur Schulen, die im Durchschnitt zwölf Abschlüsse pro Jahrgang vorweisen, haben einen Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Aktuell erfüllen laut Cornelia Pieper 82 Einrichtungen die Vorgabe und können mit Geldern rechnen. „Die Schulen, in denen noch zu wenige Schüler einen Abschluss erreichen, erhalten einen Ansporn, in das Gesetz aufgenommen zu werden“, sagt die Ex-Staatsministerin. Zusätzlich sei eine freiwillige Förderung vorgesehen.

Weniger Lehrer aus Deutschland vermittelt

Neben den finanziellen Änderungen soll das Gesetz auch die Platzvergabe von Lehrern aus Deutschland regeln. Diese Auslandsdienstlehrkräfte (ADLK) werden von den einzelnen Bundesländern für eine gewisse Zeit freigestellt und an die jeweiligen Deutschen Auslandsschulen vermittelt. Doch in Zukunft soll ihre Zahl begrenzt werden. „Jede Schule erhält nur noch so viele deutsche Lehrer, wie unbedingt notwendig sind, um einen Abschluss zu ermöglichen“, sagt Ringkamp. Die Einrichtungen könnten selber entscheiden, ob sie mit den dadurch frei gewordenen Geldern zusätzliche Lehrer aus Deutschland einkaufen oder aber auf günstigere Ortskräfte zurückgreifen möchten. Mehr Selbstständigkeit, so lautet das Prinzip.

Für Thomas Schröder-Klementa birgt diese Regulierung allerdings auch Risiken. „Das klingt erst einmal bestechend – vor allem für Länder, in denen es viele gut ausgebildete Ortslehrkräfte gibt, die man beschäftigen kann“, sagt der Direktor der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo. Umgekehrt sei es in Ländern wie Ägypten schwierig, Fachpersonal zu finden. „Je mehr deutsche Familien das Land verlassen, von denen oftmals Elternteile Lehrer sind, desto schwieriger wird die Versorgung mit Ortslehrkräften. Und desto mehr sind wir abhängig von den teuren ADLK.“ Wie viele andere Schulleiter macht sich Schröder-Klementa Sorgen, ob er sich diese Lehrer in Zukunft leisten kann.

Die Höhe des Budgets bleibt noch offen

Doch die Ängste seien unberechtigt, meint Heinrich Ringkamp. „Das Geld, das wir durch die ADLK einsparen, geben wir den Schulen im Rahmen des Budgets zurück“, sagt der stellvertretende Leiter der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Es gebe genügend Geld, um weitere Lehrkräfte aus Deutschland einzustellen.

Trotz der Zusicherung bleiben einige Rektoren skeptisch. „Ich kann das neue Prozedere noch nicht genau einschätzen“, sagt Karin von Berg, Leiterin der Deutschen Schule Moskau. „Darum warte ich erst mal ab, wie die genauen Konditionen für wegfallende Stellen sein werden.“ Spätestens im Sommer 2014 möchte die ZfA das Budget bekannt geben.

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