Neuer Protest gegen Gewalt gegen sexuelle Minderheiten in Polen | Aktuell Europa | DW | 28.07.2019
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Polen

Neuer Protest gegen Gewalt gegen sexuelle Minderheiten in Polen

In mehreren Städten Polens sind viele Menschen auf die Straße gegangen, um ihre Solidarität mit Mitgliedern sexueller Minderheiten zu demonstrieren. Am Sonntag gab es eine Demo in einem symbolträchtigen Ort - Bialystok.

Polen Gay Pride in Warschau (Reuters/K. Pempel)

Eine LGBT-Aktivistin demonstriert am Samstag in Warschau gegen rechte Gewalt

In der ostpolnischen Stadt Bialystok organisierten mehrere linksgerichtete Oppositionsparteien eine gemeinsame Protestversammlung gegen rechte Gewalt. Hunderte Menschen folgten dem Aufruf. Viele Teilnehmer schwenkten Regenbogenfahnen und EU-Fahnen. Der als schwuler Ex-Bürgermeister der Stadt Slupsk bekannt gewordene Robert Biedron mahnte in seiner Rede: "Ich bin schwul, ich bin Atheist und ich vermeide Fleisch. Wenn in Polen die Braunen regieren würden, die vorige Woche gegen uns hetzten und Steine auf uns warfen, dann wäre hier kein Platz für Leute wie mich." Die Menschen guten Willens dürften solcher Gewalt aber nicht weichen, rief er und forderte "ein Polen, das die Heimat aller ist". Andere Politiker warfen der rechtsgerichteten Regierungspartei PiS vor, Aggressionen gegen die Gruppierung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) geduldet zu haben, seit sie im Jahr 2015 die Macht in Warschau übernommen habe.

Polen - Robert Biedron (Getty Images/O. Marques)

Ex-Bürgermeister Robert Biedron bei einer politischen Kundgebung (Archivbild)

Bereits am Samstag waren landesweit tausende Bürger auf die Straßen gegangen, um gegen Gewalt gegen sexuelle Minderheiten zu protestieren. Die größte Kundgebung fand in Warschau statt.  Anlass der Kundgebungen waren gewaltsame Übergriffe rechtsradikaler Schläger auf eine Regenbogenparade in Bialystok vor einer Woche. Die Angreifer hatten Steine und Flaschen in die Parade geworfen und deren Teilnehmer auch danach noch auf der Straße verfolgt, wie Augenzeugen später in TV-Berichten schilderten.

Gravierende Angriffe

"Sie wollten uns umbringen!", sagte eine Teilnehmerin der damaligen Parade eine Woche später in Warschau und kritisierte regierungsnahe Medien. Diese hätten die Gewalttaten so dargestellt, als wäre es nur um eine Auseinandersetzung zweier gegnerischer Gruppen gegangen, die beide gleich schuld seien. Vertreter der Regierung hatten die Übergriffe in Bialystok zwar verurteilt, doch waren unter den Angreifern lokale Aktivisten der Regierungspartei gesehen worden.

Zudem hatte zuletzt die regierungsnahe Zeitung "Gazeta Polska" eine Aufkleberaktion gegen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender gestartet. Die Regierungspartei PiS wirft den Minderheiten vor, die Jugend zu beeinflussen und traditionelle Familien zu gefährden.

kle/se (dpa, ape, rtre, BBC)

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