Neue Wörter 2021 vorgestellt – Corona-Begriffe haben Hochkonjunktur | Deutschlehrer-Info | DW | 09.12.2021
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Neue Wörter 2021 vorgestellt – Corona-Begriffe haben Hochkonjunktur

Sprachliche Neubildungen verraten viel über den Zustand einer Gesellschaft. Viele Neuschöpfungen des Jahres 2021 sind sprachliche Folgen der Corona-Epidemie – rund 2000 zählte das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache.

Mehrere Modelle eines Corona-Virus fliegen durch die Luft vor einem Häuserblock

Wortschöpfungen mit Corona-Bezug sind auch im Jahr 2021 in aller Munde.

Das Jahr 2021 hat sprachlich gesehen wie das Vorjahr im Zeichen der Corona-Pandemie gestanden. Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) stellte am Montag neue Wörter vor, die in sein Neologismenwörterbuch einziehen könnten, wenn sie weiterhin im Sprachgebrauch bleiben.

Corona dominiert die Neuschöpfungen

Rund 2000 Beiträge haben die IDS-Experten im Bereich der Pandemie bereits zusammengestellt – von „Abflachen der Kurve“ über „2G-Plus“ und „Long Covid“ bis zum „Zweitimpfling“. Letzterer ist „eine Person, die sich durch wiederholte Vakzination gegen einen bestimmten Erreger vollständig immunisieren lässt“. Ein Abflachen der Kurve wünscht man sich bei steigenden Corona-Infektionszahlen.

In der Sprache werden sogar die Phasen der Pandemie abgebildet. Dieses Jahr stehen viele neue Corona-Begriffe im Zusammenhang mit dem Thema Impfen, wie die Sprachexperten mitteilten. Während Anfang 2021 noch von der Impfstoffknappheit beeinflusste Wörter wie „Imfpdrängler“ und „Impfneid“ neu in die Liste kamen, rückten in der zweiten Jahreshälfte Begriffe wie „Impfschwänzer“, „Boosterimpfung“ oder „Impfbotschafter“ das Problem in den Vordergrund, wie man Unwillige zu einer Impfung bewegen kann oder wie man dazu motiviert, nach einer Zweitimpfung auch noch die Auffrischungsimpfung abzuholen. Die Hoffnung auf ein Medikament zur Behandlung von Covid-19-Infektionen werde umgangssprachlich als „Covid-Pille“ bezeichnet, hieß es.

Neue Begriffe aus der Politik

Neben Corona schlagen sich auch aktuelle politische Ereignisse im Wortschatz nieder. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat die „Ampelkoalition“, einen Neologismus der 1980er-Jahre, wiederbelebt. In den Hintergrund treten damit die schwarz-rot-gelbe „Deutschlandkoalition“ oder die erst kürzlich entdeckte grün-gelbe „Zitrus- oder Limettenkoalition“- also eine Koalition zwischen FDP und Grünen, die erstmals in diesem Jahr erwähnt worden sei, so die Sprachforscher.

Zugleich wiesen die Sprachexperten darauf hin, dass auch zahlreiche andere gesellschaftspolitische Diskussionen deutliche Spuren in der deutschen Sprache hinterlassen haben. Zum Thema Verkehrspolitik nahmen sie beispielsweise die Begriffe „Radschnellweg“ und „Mikromobilität“ auf. Auf negative Entwicklungen im Straßenverkehr verwiesen Wort-Bildungen wie „Rettungsgassensünder“ und zum Schutz von Unfallopfern aufgestellte „Gafferwände“. Aus dem Feld der Sozialpolitik stammen die neuen Wörter „Familienpflegezeit“ und „Mietpreisbremse".

Auch andere Trends inspirieren

Aber auch aktuelle Trends, etwa bei Ernährung und Mode, bestimmen den Zugang neuer Wörter: Wer sich „rohvegan“ ernährt, isst nur nicht erhitzte Nahrungsmittel und verzichtet auf tierische Produkte. „Rohveganer“ dürften kaum Probleme mit der Figur habe, auch wenn die „skinny Jeans“ noch so eng sitzt und bei vielen eine bis dahin unbekannte Problemzone zutage fördert: den über den tiefen Bund quellenden Hüftspeck. Für den wurde der Begriff „Muffin Top“ in wenig schmeichelhafter Anlehnung an das Törtchen geprägt.

Seit Kurzem ins Wörterbuch aufgenommen ist der „Männerdutt“. Mit lässig am Hinterkopf befestigten Haaren erregte etwa Schauspieler Brad Pitt Aufmerksamkeit. In die Kategorie Körperschmuck fällt auch der „Tattooärmel“, den sich zum Beispiel der deutsche Kunstturner Marcel Nguyen hat stechen lassen. Dieser ebenfalls dieses Jahr freigeschaltete Begriff bezeichnet Tattoos, die einen Arm vollständig bedecken oder aber vom Handgelenk bis zur Schulter reichende Stulpen aus mit Tattoomustern bedrucktem Material.

Einträge im Wörterbuch sind nicht immer dauerhaft

Sind Wörter wie diese im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen, werden sie in die Sammlung des IDS aufgenommen, verschwinden aber daraus auch wieder, wenn sie nicht mehr benutzt werden. Im Beobachtungsstatus weilen zum Beispiel noch „Babymoon“, der letzte Urlaub vor der Geburt eines Kindes, „Mukbang“, ein Video, auf dem der Verzehr großer Mengen Nahrung gezeigt wird, und „Lovebombing“, das Zuschütten mit (elektronischen) Liebesnachrichten. IDS-Linguistin Annette Klosa-Kückelhaus betont: „Ich fände es super, wenn wir mal Corona-Begriffe verlieren würden.“

Das IDS analysiert fortlaufend den deutschen Wortschatz und nimmt neue Begriffe und Wortbildungen in sein online abrufbares Neologismen-Wörterbuch auf. Neologismen sind bereits bestehende Wörter, die in einem anderen Kontext umgedeutet werden, Wortschöpfungen oder Anglizismen, die häufig genutzt werden.

Das Wörterbuch wird auf Basis umfangreicher Textsammlungen aus fiktiver Literarut und Sachbüchern, Magazinen, Zeitungen, Parlamentsprotokollen und Wikipedia-Einträgen erstellt. Gut 2000 Neologismen stehen im Wörterbuch, 300 sind im Wartestand und werden bei zunehmender Nutzung ins Wörterbuch wechseln. Viele Corona-Wörter sind noch zu jung, um in den Kanon der etablierten neuen Wörter aufgenommen zu werden.

rh/sts (mit dpa, epd, KNA)

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