Neue Studie: Papageien können ökonomisch planen | Wissen & Umwelt | DW | 24.08.2018
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Wissen & Umwelt

Neue Studie: Papageien können ökonomisch planen

Vögel können vorausschauend denken. Bei einem Versuch zeigte sich, dass Papageien meist eine kleine Belohnung ablehnen, wenn später eine größere in Aussicht steht. Die Fähigkeit könnte wichtig für ihr Überleben sein.

Papageien sind gewitzter als gedacht. Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Ornithologie haben festgestellt, dass die schlauen Vögel sich nicht sofort auf jedes Leckerli stürzen, das man ihnen anbietet. Eine mickrige Belohnung wie Getreidekörner wurde von den Papageien in einer Versuchsreihe abgelehnt, wenn sie stattdessen eine Spielmarke haben konnten, für die es später eine wirklich ansprechende Belohnung gab: Walnüsse.

"Papageien können folglich überlegt entscheiden und ihren Gewinn maximieren", sagt Anastasia Krasheninnikova, die Erstautorin der Studie.

Graupapagei in Ghana (Ute Walter)

"Später gibt's Walnüsse? Dann verzichte ich auf die mickrigen Getreidekörner."

Krasheninnikova und ihre Kolleginnen arbeiteten auf Teneriffa mit 36 Vögeln der Loro Parque Stiftung, darunter Soldaten-, Blaukehl- und Blaukopf-Aras sowie Graupapageien. Die gefiederten Versuchsobjekte lernten zuerst, dass sie Spielmarken gegen Futter eintauschen konnten. Für bestimmte Marken gab es bestimmte Kostbarkeiten: Getreide (bei den Vögeln nicht allzu beliebt), Sonnenblumenkerne (schon besser) und Walnüsse (das Leckerste).

Dann wurde den Papageien die Wahl zwischen einem Getreidekorn und einer Spielmarke für eine bessere Belohnung gelassen. Frei nach dem Motto "Good things come to those who wait" entschieden sich die Vögel viel häufiger für die Spielmarke.

Marshmallows statt Getreidekörnern

Wem dieser Testablauf bekannt vorkommt, der erinnert sich vermutlich an den "Marshmallow Test", den Psychologen erstmals in den 1960er Jahren an der Stanford University in Kalifornien durchführten – mit Kindergartenkindern. Den Mädchen und Jungen wurde eine Marshmallow hingelegt. Den konnten sie entweder sofort essen, oder warten, bis der Testleiter wiederkam und dafür zwei Marshmallows einkassieren. Nicht alle Kinder schafften es zu warten.

Die damals aufgestellte Hypothese, dass Kinder, die auf den zweiten Marshmallow warten, es im Leben weiter bringen und sogar seltener an einer Borderline-Störung oder Drogensucht leiden, wird mittlerweile von vielen Experten angezweifelt.

Bei den Papageien aber könnte die Fähigkeit, ökonomisch langfristige Entscheidungen zu treffen, für das Überleben von Vorteil sein könnte. Auguste von Bayern, die Leiterin der Studie, sagte, Geduld und Abwägen spielten möglicherweise eine Rolle wenn die Papageien "entscheiden, wo sie Futter suchen und wie lange sie bei einer Futterquelle bleiben sollten". Abschließend geklärt ist das aber noch nicht, weil zu wenig über das Verhalten der Vögel in der freien Natur bekannt ist.

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