Neue Lieferkette: Desinfektionsmittel-Produktion in großem Stil | Wirtschaft | DW | 07.04.2020
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Versorgung

Neue Lieferkette: Desinfektionsmittel-Produktion in großem Stil

Ende März gingen deutsche Unternehmen mit gutem Beispiel voran und disponierten um - auf die Herstellung von Desinfektionsmittel. Mittlerweile ist eine Plattform entstanden, mit der Engpässe entschärft werden sollen.

In der Not wird kurzerhand umdisponiert. Bereits Ende März stellten einige Unternehmen die Produktion um - auf Desinfektionsmittel.

So hat der der weltgrößte Chemiekonzern BASF eine zusätzliche kleine Anlage für Herstellung von Hand-Desinfektionsmitteln aufgebaut und auch der Konsumgüterkonzern Beiersdorf - unter anderem bekannt für seine Nivea-Handcreme - kündigte ebenfalls an, von nun an mitzuhelfen. Selbst Spirituosen-Hersteller wie zum Beispiel Jägermeister liefern mittlerweile reinen Alkohol an Krankenhäuser, woraus diese dann Desinfektionsmittel selbst mischen.    

Große Liefer-Kettenreaktion

Doch das war erst der Anfang. Initiiert und mitfinanziert vom Bundesgesundheitsministerium, haben der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) in einer gemeinsamen Aktion eine neue Lieferkette aufgebaut, um die Versorgung der Krankenhäuser mit Desinfektionsmitteln zu sichern.

Mithilfe von Tankwagen und der Logistik der Spedition Klaeser liefert Shell im ersten Schritt 700 Tonnen Bioethanol. Diese werden
in Duisburg bei der Rhenus Warehousing Solutions in 1000-Liter-Container abgefüllt und dann per Lkw durch die Rhenus Freight Logistics zu den Krankenhausapotheken gebracht.

Die Apotheken mischen das Bioethanol mit 35.000 Litern Wasserstoffperoxid vom Spezialchemiekonzern Evonik und 12.000 Litern Glycerin des Chemieunternehmens Olin, kommissioniert von Dow Deutschland, zum gebrauchsfertigen Produkt. Die Zustellung des Wasserstoffperoxids und des Glycerins an die rund 340 deutschen Krankenhausapotheken übernimmt der Bonner Logistik-Konzern DHL Express.

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Gelungene Zusammenarbeit 

"Ich bin allen dankbar, die helfen, dass wir die Grundversorgung in einer ersten Welle der Krankenhäuser gewährleisten können. Großes Kompliment an alle Beteiligten, die mit viel Engagement und Kreativität unter Einhaltung aller erforderlichen Auflagen für den hochkomplexen medizinischen Bereich dieses Projekt binnen kürzester Zeit gestemmt haben", sagt ADKA-Präsident Frank Dörje.

Mit der schnellen Aktion wurden 820.000 Liter Desinfektionsmittel für Krankenhäuser mobilisiert und Lieferengpässe in diesem Bereich somit vorerst entschärft - viele der beteiligten Unternehmen spendeten diese erste Charge. 

"Als Unternehmen, das den maßgeblichen Anteil an dieser Lieferkette stellt, möchte ich stellvertretend für meine Industriekollegen an dieser Stelle dem Ministerium sowie der ADKA höchsten Respekt und Dank für die Koordinierung und zielgerichtete Umsetzung binnen kürzester Zeit zollen. Ohne die sehr gute Zusammenarbeit aller Beteiligten wäre das nicht möglich gewesen", sagt Fabian Ziegler, Geschäftsführer Shell Deutschland.

"Durch das neuartige SARS-CoV-2 stehen wir auch in Deutschland vor einer nie dagewesenen Herausforderung, die wir nur mit gemeinsamen Anstrengungen meistern können", so DHL Express Deutschlandchef Markus Reckling. "Als weltweit tätiges Logistikunternehmen verstehen wir es als unsere wesentliche Aufgabe Menschen miteinander zu verbinden und ihre Leben zu verbessern. Daher war es für uns selbstverständlich, diese vorbildliche Initiative zu unterstützen und mit unserem Netzwerk die Versorgung unserer deutschen Krankenhäuser mit Hände-Desinfektionsmitteln sicherzustellen."

"Ein gemeinsamer Kraftakt"

Die kurzfristige Aktion ist im Vorfeld der digitalen Plattform "Notversorgung Desinfektionsmittel" der chemisch-pharmazeutischen Industrie entstanden, die vor wenigen Tagen gestartet ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und VCI-Präsident Christian Kullmann hatten sich in der vergangenen Woche darauf verständigt.

Über den digitalen Marktplatz soll vor allem die Hilfe für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen bundesweit effizient koordiniert werden. So sollen Lieferketten unterstützt, Kontakte zwischen den Akteuren erleichtert und Informationen gebündelt werden.

Um den rasant gestiegenen Bedarf im Gesundheitssystem decken zu können, werden Produktion, Abfüllung, Konfektion und Verteilung fertiger Desinfektionsmittel oder einzelner Rohstoffkomponenten durch die Unternehmen optimal aufeinander abgestimmt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte dazu in einem Statement: "Wir brauchen jetzt gute und schnelle Lösungen, um den dringenden Bedarf an Desinfektionsmitteln decken zu können. Die Initiative der chemischen und pharmazeutischen Industrie zeigt einmal mehr, dass sich die deutsche Wirtschaft gerade in diesen schwierigen Zeiten zu ihrer Verantwortung bekennt. Ich danke allen Unternehmen, die sich an der neuen digitalen Plattform beteiligen."

Hinter der Initiative stehen sowohl große Unternehmen bekannter Hersteller als auch mittelständische Unternehmen, die nun wöchentlich mehrere tausend Tonnen der benötigten Chemikalien und Gebinde für ihren Transport liefern. 

"In einem gemeinsamen Kraftakt werden unsere Unternehmen alles dafür tun, Kerneinrichtungen des Gesundheitssystems in ganz Deutschland mit Desinfektionsmitteln zu versorgen, und zwar flächendeckend und ohne gewinnorientierte Überlegungen", stellt VCI-Präsident Christian Kullmann klar.

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