Helena Zengel: Bekommt die 12-Jährige einen Golden Globe? | Kultur | DW | 28.02.2021
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Filmpreis-Verleihung

Helena Zengel: Bekommt die 12-Jährige einen Golden Globe?

Im Hollywood-Film "Neues aus der Welt" kann Helena Zengel mühelos mit Altmeister Tom Hanks mithalten. Bekommt das deutsche Talent jetzt einen Golden Globe?

Helena Zengel in eine Decke gehüllt. Tom Hanks mit Hut schaut sie an.

Helena Zengel als Waisenkind Johanna in "Neues aus der Welt"

"Sieh Dir an, was sie mit ihren Augen machen kann." Dieser Satz hat sich bei Helena Zengel eingebrannt - und sie ist spürbar stolz darauf. Gesagt haben soll ihn Regisseur Paul Greengrass, als er nach einer jungen Darstellerin für den am 10. Februar auf Netflix startenden Film "Neues aus der Welt" suchte. Denn für die Rolle einer traumatisierten Waisen brauchte er einen Kindercharakter mit viel Tiefe. Ihr Meisterstück hatte die strohblonde Schauspielerin da schon bestanden: als schwer erziehbare Benni in"Systemsprenger", ausgezeichnet mit mehr als 30 Filmpreisen

Benni ist aggressiv, tickt ständig aus. Gleichzeitig ist sie unfassbar einsam. Wunden überziehen den Kinderkörper. Dem Spiel der damals Neunjährigen zuzusehen schmerzt in nahezu jeder Filmminute von "Systemsprenger". Hinter der Kamera zeigt sich Helena Zengel fröhlich und selbstbewusst. "Ich kann gut meine Emotionen zeigen, bin frech", erzählt sie einem Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks. Deswegen falle ihr das Schauspielern leicht. Auf Promo-Tour für ihren neuesten Film gibt sich die Berlinerin in zahlreichen Fernsehinterviews und Talkshows unglaublich lässig und wortgewandt. Die Zwölfjährige hat bereits erreicht, wovon viele deutsche Schauspieler und Schauspielerinnen träumen: eine Rolle in einem Hollywoodfilm - für die sie Anfang Februar sogar für einen Golden Globe als beste Nebendarstellerin nominiert wurde.

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Helena Zengel: Jung-Star erobert Hollywood

Tom - wer? Filmgeschichte nachholen

An der Seite von Tom Hanks spielt sie in der Romanverfilmung "Neues aus der Welt" erneut ein alleingelassenes Mädchen. Johanna ist ein Waisenkind deutscher Einwanderer, das beim indigenen Stamm der Kiowa aufwächst und schließlich von "Captain Kidd", gespielt von Tom Hanks, unter die Fittiche genommen wird.

"Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie viel Power die kleine Helena hat", erzählt Tom Hanks über seine Filmpartnerin im Making-of. "Dieses Mädchen war immer gut für eine Überraschung. Einfach weil sie so ist, wie sie ist." Für Helena ist es eine Traumrolle, schließlich gehört Reiten - ihr liebstes Hobby - ebenso zur Jobbeschreibung dieses Western wie das Erlernen einer neuen Sprache, in dem Fall die indigene Sprache Kiowa.

Bei den Dreharbeiten in New Mexico begleitete sie - wie stets - ihre Mutter. Tom Hanks habe sie anfangs gar nicht gekannt. Nach Rollen-Zusage musste sie sich erst einmal einige Filme ansehen. Heute ist der Hollywood-Star zu ihrem Mentor geworden. Kaum ein Interview, in dem sie nicht davon schwärmt, wie gut sie sich mit Tom verstehe, und dass sie sich weiterhin Nachrichten und Fotos aufs Handy schicken. Auch ein paar Tricks habe er ihr verraten, beispielsweise wie man auf Knopfdruck weint.

Erster Dreh mit Fünf

Nervt es nicht, stets das verlassene, traumatisierte Mädchen zu spielen? "Ich fühle mich damit wohl", sagt die Zwölfjährige der Berliner Boulevardzeitung "BZ". "Klar würde ich auch gern mal einen Kinderfilm drehen, das wird bestimmt auch noch passieren. Ich finde es aber nicht schlimm, in diese Schublade gesteckt zu werden, weil es mir liegt und ich es am meisten mag." 

Helena Zengel sitzt in eine Decke gehüllt auf einem Kutschbock neben Tom Hanks, der die Zügel in der Hand hält.

Vom Kollegen zum Mentor und Freund: Helena Zengel bei Dreharbeiten mit Tom Hanks in New Mexico

Bereits mit fünf Jahren steht Helena, 2008 in Berlin geboren, für Fernsehfilme vor der Kamera. Mit acht Jahren ist sie in dem Debütfilm "Die Tochter" zu sehen, der auf der Berlinale 2017 Premiere feiert. Auch hier spielt sie schon ein willensstarkes Mädchen, das seine Eltern durcheinander wirbelt.

Zwei Jahre später läuft sie erneut über den roten Teppich der Berlinale, diesmal jedoch am großen Berlinale-Palast: "Systemsprenger" läuft 2019 im Wettbewerb. 150 Mädchen wurden für den Film gecastet. Für Regisseurin Nora Fingscheidt war sie allerdings das einzige Kind, das Aggression gemeinsam mit Not spielen konnte. "Da war nie etwas rein Verzogenes oder Freches zu sehen, es war immer mit Fragilität und Verletzlichkeit verknüpft", erzählte Fingscheidt im Presseheft des Films.

Das Kind im Profi

"Ich bin ein ganz normales Kind", sagt Helena Zengel und betont, dass sie eine behütete Kindheit habe. Auch wenn man es als Zuschauer kaum glauben kann, so vermag sie sehr genau zwischen Rolle und Leben zu trennen und zu unterscheiden - ein Profi eben. "Bei 'Und bitte' bin ich in einem anderen Zeitraum. Und bei 'Cut' bin ich wieder ich", erzählt Helena im Abendprogramm des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Mädchen schreit.

Verzweifelte Aggression: Helena Zengel als Benni in "Systemsprenger" (2019)

Trotz der reifen Haltung zu ihrem Beruf, ist Helena doch ganz Kind. Zu hören bekommt man das besonders in ihrem frischen und herrlich kindlichem Podcast "Großes Z und kleiner Engel". Hier gibt die Siebtklässlerin eine neue Textversion von "Ein Bett im Kornfeld" zum besten, in der Mais und Fürze die Hauptrolle spielen, berichtet von ihrer neuen Schule und ihrem Familien-Roadtrip nach Bayern.

"Wow, die Berge sind ja wirklich beeindruckend", schwärmt hier die Schülerin und lacht über den "drolligen Dialekt" der Bayern, während im Hintergrund Jodel-Musik läuft. "Ich war ja durchs Filmen schon an sehr vielen schönen Orten, aber solche Berge habe ich wirklich noch nie gesehen." Und natürlich darf dann auch hier einer nicht fehlen: Tom Hanks. Höflich und vertraut grüßt er in Helenas Podcast auf Deutsch mit starkem US-amerikanischen Akzent.

Erneuter Preisregen in den USA?

Treffen werden sich die beiden Schauspieler so bald leider nicht wieder. "Neues aus der Welt", abgedreht 2019, sollte eigentlich im Kino starten. Stattdessen kaufte die Streamingplattform Netflix den Western ein. Bitter für die Jungschauspielerin - damit entfällt eine aufregende Promo-Tour in den USA.

Und dann sind da noch die schier unglaublichen Nominierungen für  den US-amerikanischen Filmpreis Golden Globe, den Screen Actors Guild Award und außerdem noch als bester Nachwuchsstar vom Kritikerverband Critics Choice Association (CCA). Auch diese rote Teppiche und Blitzlichtgewitter sind gestrichen. Wie sich eine virtuelle Preisverleihung anfühlt, weiß die Berliner Schauspielerin bereits. Unvergessen ist ihr kindlich-schönes Gekreische am zugeschalteten Familien-Küchentisch, als sie den Deutschen Filmpreis 2020 für die beste Hauptdarstellerin gewinnt. Vielleicht kann sie sich in ein paar Stunden ja auch über einen Golden Globe freuen...

                                                                                 

 Dies ist die aktualisierte Fassung eines früheren Artikels. 

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