″Nehmt der FIFA das Spiel aus den Händen″ | Sport | DW | 21.12.2017
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Internationaler Fußball

"Nehmt der FIFA das Spiel aus den Händen"

Das fordern drei Ex-Mitglieder des Weltfußballverbandes. Mit der Begründung, die FIFA könne sich nicht aus eigener Kraft erneuern, rufen sie die Europäische Union um Hilfe.

Drei ehemalige Mitglieder der Governance-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA haben die Europäische Union aufgefordert, die FIFA und andere internationale Sportverbände von außen zu kontrollieren. "Milliarden Fans verfolgen mit Leidenschaft ihre Sportarten oder üben sie selbst aus. Aber sie haben keine Möglichkeiten der Mitsprache in den Organisationen, die diese Sportarten kontrollieren. Jemand muss in ihrem Namen handeln, damit die Integrität des Sports geschützt wird", schrieben der Portugiese Miguel Poiraes Maduro, die Südafrikanerin Navi Pillay und der Amerikaner Joseph Weiler in ihrem Gastbeitrag für die Freitagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Wir können das schöne Spiel nicht in den Händen einer hässlichen Kultur und Organisation belassen."

Brüssel - Portugiesischer Minister für Regionale Entwicklung - Miguel Poiares Maduro (picture-alliance/dpa/J. Warnand)

Einer der Initiatoren: Miguel Piraes Maduro

Die EU solle dabei eine Führungsrolle übernehmen. Eine unabhängige Agentur müsse Governance- und Ethikfragen überprüfen und beaufsichtigen, dazu zähle auch die Integrität von Wahlen. Zudem sollte die Untersuchung krimineller Machenschaften im internationalen Sport und deren strafrechtliche Verfolgung eine der Prioritäten des künftigen EU-Staatsanwalts sein. Der Beitrag steht unter der Überschrift "Nehmt der FIFA das Spiel aus den Händen!".

Über Mutko gestolpert

Maduro war im Frühjahr auf Betreiben des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino als Vorsitzender der Governance-Kommission abgelöst worden. "Wie nun in der Öffentlichkeit bekannt ist, führte unsere Entscheidung, den russischen Vize-Ministerpräsidenten Witali Mutko nicht zur Wahl des FIFA-Rats zuzulassen, zur Reaktion der FIFA-Führungsriege gegen unsere Unabhängigkeit", schrieben die Autoren.

Mutko ist wegen seiner Verstrickungen im russischen Dopingskandal vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) lebenslang für Olympia gesperrt worden. Er ist aber bisher weiter Vorsitzender des Organisationskomitees der WM-Endrunde 2018 und Präsident des russischen Fußballverbandes RFS. Jedoch berichtet die russische Zeitung "Kommersant" am Donnerstagabend in ihrer Online-Ausgabe, dass Mutko seinen Posten räumen muss. Er werde anlässlich einer Sitzung des Exekutivkomitees am 26. Dezember zurücktreten, schreibt die Zeitung - ob auf Druck der oder auf die FIFA, ist unklar.

Sie hätten ihre Bemühungen, die FIFA-Funktionäre zu kontrollieren, "ein wenig zu ernst genommen", schrieben Maduro, Pillay und Weiler. Die FIFA-Spitze um Infantino habe das unabhängige Agieren der Kontrolleure nicht akzeptieren können, da sie ihr eigenes Überleben in Gefahr gesehen habe: "Daher lauten unsere Schlussfolgerungen: Die FIFA kann sich nicht aus eigener Kraft erneuern, solange die Verantwortlichen für eine solche Reform für den Behalt ihrer Posten von denjenigen abhängig sind, die sie eigentlich leiten sollen, und solange unabhängige Kontrollinstanzen nach Belieben entfernt werden können von denjenigen, die sie überwachen sollen."

sw/rb (faz.net, sid)