Nawalny-Team: Kremlkritiker trank vergiftetes Wasser in Tomsk | Aktuell Europa | DW | 17.09.2020
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Russland

Nawalny-Team: Kremlkritiker trank vergiftetes Wasser in Tomsk

Nun ist sich das Team des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny sicher: Der Tatort liegt in Russland. Der 44-Jährige nahm demnach das Gift aus einer Flasche in seinem Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk zu sich.

Video ansehen 01:44

Neue Erkenntnis im Fall Nawalny

Vier Wochen nach der Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny hat sein Team ein Video online gestellt, das Mineralwasserflaschen der Marke "Swjatoj Istotschnik" ("Heilige Quelle") zeigt. Aus einer solchen Flasche habe Nawalny in seinem Hotelzimmer in der Stadt Tomsk getrunken und so das Gift aufgenommen. Seine Mitarbeiter betonten bei Instagram, dass nun erwiesen sei, dass Nawalny bereits auf russischem Gebiet vergiftet worden sei. Nach Erkenntnissen der Bundesregierung wurde dem Politiker ein Nervengift der Gruppe Nowitschok verabreicht, das als Chemiekampfstoff verboten ist.

Nawalnys Team erklärte, ein deutsches Labor habe die Nowitschok-Spuren an der Wasserflasche nachgewiesen. Es zeigte auf dem Video, wie Nawalnys Mitarbeiter trotz Warnungen einer Hotelangestellten in dem Zimmer sämtliche möglichen Beweismittel mit Handschuhen aufgriffen und in Plastiktüten verstauten. Sie hätten sich zu dem Schritt entschieden - unmittelbar, nachdem sie Nachricht über den schlechten Gesundheitszustand Nawalnys erhalten hatten, hieß es.

"Wir hatten keine besondere Hoffnung, etwas Derartiges zu finden", hieß es in der Mitteilung des Teams. Aber weil klar gewesen sei, dass Nawalny nicht einfach nur leicht erkrankt sei, hätten sie alles eingesammelt, um es später auch an die Ärzte in Deutschland zu übergeben. Es sei auch offensichtlich, dass in dem Fall in Russland nicht ermittelt werden würde.

OPCW Logo (Getty Images/AFP/J. Thys)

Die OPCW mit Sitz in Den Haag stellt eigene Untersuchungen an

OPCW analysiert selbst

Die Bundesregierung macht Russland für die Vergiftung verantwortlich. Moskau bestreitet, etwas mit dem Fall zu tun zu haben. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat biomedizinische Proben Nawalnys untersuchen lassen. Die deutschen Behörden würden über die Ergebnisse unterrichtet, teilte die in Den Haag ansässige Organisation mit. Für die Untersuchungen hätten die OPCW-Experten unabhängig Proben Nawalnys gesammelt.

Nawalny war am 20. August von einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Die Maschine landete deswegen in Omsk zwischen. Nawalny wurde dort im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er seitdem an der Charité in Berlin behandelt wird. Inzwischen ist er wieder bei Bewusstsein, atmet selbst und hat bei Instagram mit einem Foto ein Lebenszeichen gegeben.

Video ansehen 00:28

Nawalny meldet sich vom Krankenbett (15.09.2020)

Bestätigung durch europäische Labore

Während russische Ärzte nach Angaben einheimischer Behörden bei Nawalny keinen Giftstoff gefunden haben, stellte ein spezialisiertes Bundeswehrlabor nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel "zweifelsfrei" ein Gift der Nowitschok-Gruppe fest. Labore in Schweden und Frankreich haben dies nach Angaben der Bundesregierung inzwischen bestätigt. Nowitschok war in der Sowjetunion entwickelt worden. Dies nährt den Verdacht, staatliche russische Stellen könnten hinter dem Anschlag stecken.

Moskau hatte zuletzt angesichts der Vorwürfe aus Deutschland behauptet, Nawalny sei womöglich erst nach seiner Abreise vergiftet worden. Die Staatsmedien in Moskau verbreiten die Version eines Komplotts des Westens gegen Russland, um das Land erneut mit Sanktionen belegen zu können.

Nach Auffassung der britischen Regierung stecken russische Spione nahezu sicher hinter der Vergiftung des Kremlkritikers. Aus Sicht Großbritanniens sei es sehr schwierig, eine andere Erklärung dafür zu finden, als dass die Tat von russischen Geheimdiensten ausgeführt wurde, sagte Außenminister Dominic Raab bei einem Treffen mit seinem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington. Die russische Regierung stehe in der Pflicht zu erklären, was Nawalny zugestoßen sei.

kle/wa (dpa, rtr, ard)

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