Navid Afkari: IOC geschockt nach Hinrichtung | Aktuell Nahost | DW | 12.09.2020
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Iran

Navid Afkari: IOC geschockt nach Hinrichtung

Sogar der US-Präsident hatte sich für den zum Tode verurteilten Ringer eingesetzt - doch vergeblich. Viele vermuten, dass Afkaris Geständnis erpresst wurde. IOC und DOSB reagieren bestürzt.

Der iranische Ringer Navid Afkari (Archivbild) ist einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge hingerichtet worden. Das Todesurteil gegen den 27-Jährigen sei in Shiraz, der Hauptstadt der Südprovinz Fars, vollstreckt worden. Die Justiz hatte die Höchststrafe gegen Afkari damit begründet, er habe bei einer Demonstration 2018 einen Sicherheitsbeamten getötet. Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, ein entsprechendes Geständnis sei durch Folter erpresst worden. Zwei Brüder des Ringers, die zusammen mit ihm an den Protesten teilgenommen hatten, müssen für viele Jahre ins Gefängnis.

Eine Welle internationaler Solidarität hatte zuletzt Hoffnungen genährt, die iranische Justiz könnte das Todesurteil zurücknehmen. US-Präsident Donald Trump hatte den Fall des "großen und populären" Ringers in der vergangenen Woche aufgegriffen. Seine einzige Tat habe darin bestanden, auf der Straße gegen die iranische Regierung zu protestieren, schrieb Trump auf Twitter. An die Führung der Islamischen Republik gerichtet, fügte er den Appell hinzu, "das Leben dieses jungen Mannes" zu schonen und ihn nicht zu exekutieren.

"Iran fällt immer weiter zurück"

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, äußerte sich entsetzt über das Urteil. Der Iran falle immer weiter hinter eingegangene internationale Verpflichtungen zurück, erklärte sie.

 Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zeigte sich "geschockt" angesichts der "traurigen Nachricht". Auch IOC-Präsident Thomas Bach habe sich zuletzt in Briefen an den Obersten Führer Ali Chamenei sowie den iranischen Präsidenten Hassan Rohani gewandt und um Gnade für Afkari gebeten. Das IOC respektiere Irans Souveränität, es sei jedoch "zutiefst bestürzend, dass die Appelle von Athleten aus aller Welt und all die Arbeit des IOC im Hintergrund" nicht ans Ziel geführt hätten. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) reagierte "schockiert und sehr betroffen" auf die Nachricht. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Strafe vollzogen wurde, ohne dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren", sagte Präsident Alfons Hörmann.

ml/jj/as (dpa, sid)

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