NATO zeigt mit Großmanöver Stärke | Aktuell Welt | DW | 19.10.2015
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Aktuell Welt

NATO zeigt mit Großmanöver Stärke

Zunächst wurde tagelang am Computer simuliert, jetzt beginnt die Praxis. Im Mittelmeerraum testet die NATO mit dem größten Manöver seit vielen Jahren ihre Einsatzfähigkeit in Krisensituationen.

Spanische Soldaten bei einer Manöverbesprechung in Palma de Mallorca

Spanische Soldaten bei einer Manöverbesprechung in Palma de Mallorca

Rund 36.000 Soldaten und Zivilisten werden an der Übung mit dem Namen "Trident Juncture" (Dreizackiger Verbindungspunkt) teilnehmen, die bereits seit dem 3. Oktober läuft. Bislang wurden aber zunächst nur Vorübungen am Computer und am Reißbrett durchgeführt. In einer Simulation wurde ein fiktivies Bedrohungsszenario erstellt, in dessen Mittelpunkt die beiden virtuellen afrikanischen Staaten Kamon und Lakuta stehen. Beide Länder kämpfen um den kostbaren Rohstoff Wasser und die Kontrolle von Staudämmen.

Am Mittwoch soll nun im Mittelmeerraum das eigentliche Manöver beginnen, an dem 130 Flugzeuge, 16 Hubschrauber sowie 60 Schiffe und U-Boote teilnehmen werden. Die Übung, die bis zum 6. November andauern soll, ist die größte Leistungsschau der NATO seit 2002. Das Kommando wird der deutsche General Hans-Lothar Domröse übernehmen. Beteiligt sind neben Deutschland noch rund 30 weitere Länder, darunter auch Nicht-Mitgliedsstaaten wie die Ukraine und Länder der Afrikanischen Union. Russland wurde als Beobachter eingeladen.

Sorge um russische Präsenz

Mit dem Manöver wolle die NATO zeigen, dass sie jeden Verbündeten gegen jede Bedrohung verteidigen könne, schrieb der stellvertretende Generalsekretär Alexander Vershbow im Kurznachrichtendienst Twitter. Bei einer Zeremonie auf der Luftwaffenbasis Trapani auf Sizilien erklärte er, die NATO stehe vor einem "sich schnell verändernden Sicherheitsumfeld", das viel instabiler und potenziell gefährlicher als der Kalte Krieg sei.

Vershbow erklärte zudem, die NATO sei sehr besorgt über die russische Aufrüstung in verschiedenen Gebieten. Die zunehmende Präsenz von russischen Soldaten am Marinestützpunkt Kaliningrad, auf der Krim-Halbinsel und in Syrien stelle für das Verteidigungsbündnis eine zusätzliche Herausforderung dar. In diesen Gebieten hat Russland Luftabwehr- und Anti-Schiffsraketen stationiert. Die NATO sieht darin eine Einschränkung ihrer Bewegungs- und Handlungsfreiheit.

Bei dem aktuellen Manöver, das bereits vor zwei Jahren vorbereitet wurde, geht es allerdings nicht um den konkreten Angriff auf ein Mitgliedsland. Von Seiten der NATO heißt es aber, man sei dessen ungeachtet jederzeit bereit und in der Lage, eines der 28 Mitglieder zu verteidigen, falls es zu einer Bedrohungssituation kommen sollte. Außerdem sei das Bündnis mit seinen vereinten Kapazitäten deutlich stärker als Russlands militärisches Aufgebot.

djo/fab (ap, dpa, rtr)