Nachhaltigkeitssiegel ″Grüner Knopf″ soll im Juli kommen | Aktuell Deutschland | DW | 06.04.2019
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Faire Mode

Nachhaltigkeitssiegel "Grüner Knopf" soll im Juli kommen

Bundesentwicklungsminister Müller hat angekündigt, dass sein lange geplantes Gütesiegel für fair produzierte Kleidung im Juli startet. Textilfirmen sehen den "Grünen Knopf" kritisch.

Im Bayerischen Rundfunk erklärte Gerd Müller, der Grüne Knopf solle als von staatlicher Seite kontrolliertes Produktionssiegel gewährleisten, dass Kleidung sozial- und umweltverträglich produziert wurde. Er wolle im Juli zunächst zehn deutsche Firmen vorstellen, die Kleidung mit dem Nachhaltigkeitssiegel verkaufen.

Entwicklungsminister Gerd Müller, CSU (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Zugleich hoffe er, dass genügend Kunden diese Kleidung mit dem Grünen Knopf kaufen und tragen wollten, so der Entwicklungsminister: "Ich werbe dafür, dass der deutsche Textilhandel das nicht blockiert, sondern unterstützt, als klares Signal an die Kunden."

Siegel-Wahnsinn oder mehr Klarheit?

Zuvor hatte sich der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie mehrfach kritisch zu dem Siegel geäußert. Der Grüne Knopf würde "so gut wie nichts an den Bedingungen in den Entwicklungsländern" ändern, heißt es etwa in einem Beschwerdebrief vom Januar an Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Müllers Versprechen, alle Stationen eines Kleidungsstücks vom Baumwollfeld bis zum Bügel für den Verbraucher im Blick zu haben, könne das Siegel nicht erfüllen. 

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Nach Ansicht des Verbands trägt ein zusätzliches nationales Siegel zudem eher zur Verwirrung als zur Klarheit bei. Es gebe bereits mehr als 100 Label, davon 40 für Textilwaren. Dagegen erklärte Müller im BR-Interview, er wolle erreichen, dass Verbraucher "sich nicht durch 30 verschiedene Standards und Siegel durchkämpfen müssen, die Verkäuferin sie nicht beraten kann, sondern sie in Zukunft einfach fragen: 'Trägt das Produkt den Grünen Knopf?'" 

Neues Aktionsbündnis gegen Kinderarbeit 

Der Minister kündigte zugleich an, im zweiten Halbjahr 2019 ein Aktionsbündnis gegen Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsarbeit ins Leben zu rufen: "Ausbeuterische Kinderarbeit zur Herstellung oder Gewinnung von Ressourcen muss ausgeschlossen werden."

Das sei durch internationale Vereinbarungen längst beschlossen, ergänzte Müller. Deutschland und die EU-Staaten hätten bereits zugestimmt. Es werde aber nicht komplett umgesetzt und kontrolliert. Um dies zu ändern, werde er zusammen mit Organisationen wie UNICEF oder "Save the Children" ein Bündnis schließen. Dass es beim Thema "Kampf gegen Kinderarbeit" überhaupt noch staatlichen Drucks bedürfe, sei "eigentlich jämmerlich".

ie/stu (kna, epd)

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