Nach Umwelttragödie: Menschenkette ums Mar Menor | Aktuell Europa | DW | 28.08.2021
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Spanien

Nach Umwelttragödie: Menschenkette ums Mar Menor

Ein See stirbt: Offenbar weil Düngemittel das Wasser verseucht, sind schon tonnenweise Fische im Mar Menor in Spanien verendet. Grund für eine besondere Protestaktion, an der Tausende teilnahmen.

Spanien | Demonstranten am Ufer des Mar Menor (28.08.2021)

Demonstranten am Ufer von Europas größter Salzwasser-Lagune: "Das Mar Menor kann sich nicht selbst verteidigen"

Es ist eine der schlimmsten Umwelttragödien der vergangenen Jahre in Spanien: Dem Mar Menor, dem "Kleinen Meer" in der Region Murcia im Südosten des Landes geht die Luft aus. Anlass für 70.000 Menschen zu Europas größte Salzwasser-Lagune zu kommen, und diese zu umarmen: aus Protest gegen die starke Verschmutzung des Sees durch Düngemittel. Die Demonstranten bildeten eine etwa 73 Kilometer lange Menschenkette einmal rund um das gesamte Gewässer.

"Wir müssen unsere Stimmen erheben, denn das Mar Menor kann sich nicht selbst verteidigen, deshalb bilden wir die Menschenkette, um es zu umarmen, zu schützen und zu heilen", sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur Reuters. Es wurde auch eine Schweigeminute für die Tausenden Tiere abgehalten, die der Verschmutzung des Wassers zum Opfer fielen. Viele der Teilnehmer trugen Schwarz, andere hielten Schilder mit der Aufschrift "SOS Mar Menor" hoch.

Fünf Tonnen tote Tiere

"Es war eine Demonstration der Trauer über den Tod der Tiere", sagte Jesus Cutillas, einer der Organisatoren der Protestaktion, der Nachrichtenagentur AFP. "Wir wollten, dass die Menschen sie auf die eine oder andere Weise um Vergebung für die Barbarei bitten, die wir ihnen angetan haben."

Angespülte Fischkadaver am Mar Menor (21.08.2021)

Angespülte Fischkadaver am La-Manga-Strand: "Damit so etwas nie wieder passiert"

Vorige Woche waren nach Behördenangaben binnen sieben Tagen knapp fünf Tonnen toter Tiere aus dem Wasser geholt worden. Ziel der Aktion an diesem Sonnabend war es, "unsere Entschlossenheit zu zeigen, damit so etwas nie wieder passiert", so Cutillas.

Es war nicht der erste schlimme Zwischenfall im einstigen Natur- und Urlaubsparadies. Vor knapp zwei Jahren waren zum Beispiel bereits etwa drei Tonnen toter Wassertiere - vor allem kleine Fische und Krebse - angespült worden.

Die konservative Regionalregierung und die linke Zentralregierung geben sich gegenseitig die Schuld. Gestritten wird auch darum, was das aktuelle Fischsterben ausgelöst hat. Während die Regionalregierung dies auf die hohen Temperaturen der letzten Zeit zurückführt, warnen Ökologen seit Jahren davor, dass Abwässer aus nahegelegenen landwirtschaftlichen Anlagen und die Verschmutzung durch die Verstädterung die Wasserqualität stark verschlechtert haben.

Durch Hitzewelle angetriebene Eutrophierung

Bei dieser sogenannten Eutrophierung - einer schädlichen Nährstoffanreicherung im Wasser - kommt es zu einer starken Vermehrung von Algen und Bakterien. Die Kleinstlebewesen verursachen einen Sauerstoffmangel, der Wasserpflanzen, Fischen und anderen Tieren die Lebensgrundlage entzieht. Die Hitze spielt allerdings auch eine Rolle: Hohen Temperaturen beschleunigen die Eutrophierung. Kurz vor der jüngsten Katastrophe hatte eine Hitzewelle in ganz Spanien Temperaturen von zum Teil deutlich über 40 Grad gebracht.

Das Mar Menor galt einst als eines der schönsten Gebiete Spaniens - heute ist dort meistens nur eine "grüne Suppe" zu sehen, die einen faulen Gestank verströmt. Umweltschützer stellen in erster Linie die Regionalregierung von Murcia an den Pranger. Sie unternehme nichts gegen die intensive Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe der Lagune, die die Hauptschuld an den Problemen trage. Vor allem bei heftigem Regen gelange neben Süßwasser auch düngerhaltiger Schlamm in die Lagune.

"Es ist ein Verbrechen, dass man die Lagune sterben lässt, weil all das hier hineingeschwemmt worden ist", so eine Menschenkettenteilnehmerin: "Sie wussten seit Langem, was dort passiert." Unter dem Eindruck der Katastrophe und der Proteste beschloss die Regionalregierung diese Woche einige Umweltauflagen für das Gebiet. Umweltschützer weisen diese Maßnahmen jedoch als ungenügend zurück.

AR/fab (dpa, afp, rtr)

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