Nach Rabbiner-Mord: Israelische Soldaten erschießen mutmaßlichen Drahtzieher | Aktuell Nahost | DW | 06.02.2018
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Israel und Palästinenser

Nach Rabbiner-Mord: Israelische Soldaten erschießen mutmaßlichen Drahtzieher

Der Palästinenser soll der führende Kopf der Gruppe gewesen sein, die für den Tod des Rabbiners am 9. Januar verantwortlich gemacht wird. Im Zuge der Fahndung hatte Israels Armee bereits zwei Palästinenser getötet.

Westjordanland nach israelischem Einsatz in Jamun. Ahmed Dscharrar erschossen (picture-alliance/AP Photo/M. Mohammed)

Brennende Autoreifen als Protest von Palästinensern gegen die Tötung von Ahmed Dscharrar durch Israels Armee

Israel hat bei einem Einsatz im Westjordanland einen Palästinenser getötet. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv bestätigte, dass es sich dabei um den Kopf einer Zelle handele, die im vergangenen Monat einen Rabbiner und sechsfachen Vater erschossen hat. 

Ahmed Dscharrar hielt sich nach Medienberichten in der Ortschaft Jamun in der Nähe der Palästinenserstadt Dschenin versteckt. Als die israelischen Truppen sich dem Haus näherten, sei er mit einem Sturmgewehr und Sprengsätzen bewaffnet auf sie zugegangen, berichtete die Nachrichtenseite "ynet". Die Soldaten hätten ihn daraufhin bei dem Einsatz in der Nacht zum Dienstag erschossen. Der mutmaßliche Attentäter war der Sohn von Nasser Dascharrar, einem Befehlshaber der radikalislamischen Palästinenser-Organisation Hamas, der in der zweiten Intifada (2000 bis 2005) von israelischen Soldaten erschossen worden war.

"Rechnung ist beglichen" - "Rechnung ist noch offen"

Am 9. Januar war der Rabbiner Rasiel Schevah bei einem Feuerüberfall getötet worden, als er in seinem Auto unterwegs war. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte von einem "abscheulichen Mord" gesprochen, der Israels Kraft nicht brechen werde. Bei der Beerdigung des Rabbiners wurden Rufe nach "Vergeltung" laut. 

Netanjahu lobte inzwischen den Einsatz in Jamun. "Die Sicherheitskräfte werden jeden fangen, der versucht, israelische Bürger anzugreifen", sagte er nach einer Mitteilung seines Büros. "Und wir werden uns um sie kümmern nach dem vollen Umfang des Gesetzes." Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte: "Die Rechnung ist beglichen." Dagegen erklärte die Hamas: "Die Rechnung ist noch offen, und Ihr werdet den Preis für Eure Verbrechen bezahlen."

Israelische Soldaten auf Patrouille in der Ortschaft Kifl Haris im Westjordanland (Foto: picture-alliance/AP Photo/M. Mohammed)

Israelische Soldaten auf Patrouille in der Ortschaft Kifl Haris im Westjordanland

Heimatort des Rabbiners wird reguläre Siedlung 

Bei der Suche nach Täter und Komplizen tötete die israelische Armee bereits zwei weitere Palästinenser. Am Sonntag stimmte Israels Regierung als Reaktion auf den Mord für die Legalisierung des Siedlungsaußenpostens im nördlichen Westjordanland. Der Außenposten Chavat Gilad, in dem der Rabbiner mit seiner Familie lebte, soll nun in eine dauerhafte Siedlung umgewandelt werden.

Israel unterscheidet selbst zwischen illegalen Siedlungen und Siedlungen, die mit Genehmigung gebaut wurden. Im Westjordanland und im von Israel annektierten Ost-Jerusalem leben mehr als 600.000 jüdische Siedler inmitten von etwa drei Millionen Palästinensern. Aus Sicht der Vereinten Nationen sind alle Siedlungen illegal.

sti/as (afp, dpa)