Nach ″One Love″-Eklat: DFB prüft rechtliche Schritte gegen FIFA | Sport | DW | 22.11.2022
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WM 2022 in Katar

Nach "One Love"-Eklat: DFB prüft rechtliche Schritte gegen FIFA

Wehrt sich der Deutsche Fußball-Bund mit einer Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof gegen das FIFA-Verbot der "One Love"-Armbinde? Der Eklat bei der Fußball-WM hat bereits Folgen: Ein DFB-Sponsor kündigt.

Deutschlands Torwart Manuel Neuer mit One-Love-Binde

Beim Testspiel gegen Oman trug Manuel Neuer noch die "One-Love-Binde"

Nach dem äußerst umstrittenen WM-Verbot für die "One Love"-Binde will sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offenbar nicht kampflos geschlagen geben und prüft rechtliche Schritte gegen den Fußball-Weltverband FIFA. Wie als erstes die "Bild"-Zeitung berichtete, könnte der DFB vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Gegenüber der ARD-Sportschau bestätigte das der DFB später. Es werde die Möglichkeit eines sogenannten Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz bei der Ad-Hoc-Division des CAS geprüft. Ziel soll sein, dass DFB-Kapitän Manuel Neuer die umstrittene Binde doch noch tragen kann.

"Die FIFA hat uns ein Zeichen für Diversität und Menschenrechte verboten. Sie hat dies mit massiven Androhungen sportlicher Sanktionen verbunden, ohne diese zu konkretisieren", sagte DFB-Sprecher Steffen Simon auf Anfrage des Sport-Informationdienstes (SID). Der CAS teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass er bisher "noch nichts erhalten" habe. Grundsätzlich sollte der Fall aber laut Statuten erst einmal bei der FIFA-Beschwerdekommission landen. Für diese Art einer Auseinandersetzung gebe es beim CAS keinen Präzedenzfall.

Auch Bundestrainer Hansi Flick schaltete sich am Abend vor dem Auftaktspiel in die Debatte ein. Er finde es "schade, dass man für Menschenrechte nicht mehr einstehen darf", sagte der 57-Jährige. Auch die Spieler seien "sehr, sehr unzufrieden und geschockt, dass so etwas nicht machbar ist, weil es ein Zeichen ist für Menschenrechte und Vielfalt". Die Frage, ob das Team ein anderes Zeichen setzen werde, ließ Führungsspieler Joshua Kimmich offen.

DFB-Sponsor geht auf Abstand

Zuvor hatten bereits einige Sponsoren der DFB-Elf reagiert. So beendete die Supermarktkette REWE die Zusammenarbeit mit dem DFB öffentlichkeitswirksam. "Wir stehen ein für Diversität - und auch Fußball ist Diversität. Diese Haltung leben wir und diese Haltung verteidigen wir - auch gegen mögliche Widerstände", sagte REWE-Chef Lionel Souque laut einer Mitteilung des Handelsriesen: "Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel."

Das Unternehmen sehe sich gezwungen, sich "in aller Deutlichkeit von der Haltung der FIFA zu distanzieren und auf seine Werberechte aus dem Vertrag mit dem DFB - insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft - zu verzichten."

Rewe-Chef Lionel Souque, der CEO des Unternehmens, ist mit verschränkten Armen vor einem Rewe-Schriftzug ins Szene gesetzt

Öffentlichkeitswirksamer Rückzug: Rewe-CEO Lionel Souque zieht während der WM die Reißleine

Ganz neu ist das Ende der Zusammenarbeit jedoch nicht. REWE hatte dem DFB bereits im Oktober mitgeteilt, den langjährigen Partnerschaftsvertrag nicht weiterzuführen - damals noch ohne inhaltliche Verbindung zur Weltmeisterschaft. Nach den aktuellen Entscheidungen der FIFA stelle der Konzern den Vertrag mit dem DFB aber ab sofort ruhend und verzichte auf Werberechte, hieß es in Köln. 

Adidas betont Werte

Zurückhaltender agiert der Sportartikelriese Adidas. Das Unternehmen aus Herzogenaurach forderte eine liberale Haltung in der "One Love"-Diskussion. "Wir sind davon überzeugt, dass Sport offen für alle sein muss", teilte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen mit: "Wir unterstützen unsere Spieler*innen und Teams, wenn sie sich für positiven Wandel einsetzen. Sport bietet wichtigen Themen eine Bühne. Es ist unerlässlich, die Diskussion fortzuführen." Adidas ist Partner sowohl der FIFA als auch des DFB.

Dem DFB und seinen europäischen Verbündeten war das Tragen der Kapitänsbinde als Symbol für Vielfalt und Toleranz von der FIFA untersagt worden. Die sieben WM-Teilnehmer hatten sich enttäuscht darüber geäußert, sich der Anweisung des Weltverbands aber gefügt. 

Der Autokonzern Volkswagen teilte mit, es habe beim DFB "in den letzten Monaten viele gute Entwicklungen" gegeben. "Und wir wollen auch zukünftig mit dem DFB gemeinsam an positiven Veränderungen im Fußball insgesamt arbeiten. "Das Verhalten der FIFA bezeichnete VW indes als "nicht akzeptabel".

jk/sn/asz (SID,dpa)

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