Myanmar lässt Reuters-Journalisten nach mehr als 500 Tagen Haft frei | Aktuell Asien | DW | 07.05.2019
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Pressefreiheit

Myanmar lässt Reuters-Journalisten nach mehr als 500 Tagen Haft frei

Wa Lone und Kyaw Soe Oo war ihre Berichterstattung über ein Massaker an Rohingya zum Verhängnis geworden. Nun kamen sie durch einen Gnadenerlass frei. Dieser soll noch weiteren 6500 Häftlingen die Freiheit bescheren.

Die beiden Reuters-Reporter Wa Lone (links) und Kyaw Soe Oo verließen das Gefängnis in der Nähe von Rangun, umringt von zahlreichen Medienvertretern. "Ich bin wirklich glücklich und begeistert, meine Familie und meine Kollegen zu sehen", sagte Wa Lone, nachdem er die Tore des Insein-Gefängnisses verlassen konnte. "Ich kann es kaum erwarten, in meine Redaktion zu gehen." Die beiden Journalisten waren mehr als 16 Monate in Haft.

Internationale Empörung über Strafe 

Die beiden Journalisten - beide stammen aus Myanmar - waren im vergangenen September zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie sollen nach Auffassung des Gerichts gegen ein Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen verstoßen haben, das noch aus der britischen Kolonoalzeit stammt. Das Urteil hatte international Empörung ausgelöst und stellte den demokratischen Wandel in dem Land infrage.

Die 29 und 33 Jahre alten Journalisten hatten sich mit dem gewaltsamen Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar beschäftigt und bei ihrer Festnahme gerade für einen Artikel über die Ermordung von zehn Männern und Jungen recherchiert, die dieser Volksgruppe angehörten. Ihrer Darstellung zufolge war ihnen eine Falle gestellt worden. Zwei Polizisten, die sie nie vorher gesehen hätten, hätten ihnen in einer Zeitung eingerollte Dokumente übergeben, sagten sie. Unmittelbar darauf seien sie von Beamten in Zivil in ein Auto gezerrt worden.

Myanmars Präsident Win Myint und die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi (Foto: Reuters)

Myanmars Präsident Win Myint und die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi

Während des Prozesses sagte ein Polizeioffizier aus, die Polizei habe falsche Beweismittel fabriziert. Trotzdem sprach das Gericht Wa Lone und Kyaw Soe Oo schuldig. Alle Versuche, auf juristischem Weg das Urteil zu ändern, blieben ohne Erfolg. Noch im vergangenen Monat hatte der Oberste Gerichtshof Myanmars die Berufung der beiden Journalisten gegen die Gefängnisstrafe abgewiesen. Nun kamen sie aufgrund eines Gnadenerlasses von Präsident Win Myint frei.  

Mit Pulitzer-Preis geehrt

Für ihre Arbeit wurden Wa Lone und Kyaw Soe Oo mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Reuters-Chefredakteur Stephen Adler begrüßte die Freilassung der "mutigen Reporter". Sie seien zu "Symbolen für die Bedeutung der Pressefreiheit auf der ganzen Welt" geworden, erklärte Adler in einer Stellungnahme.

Myanmar will an diesem Dienstag mit einer Amnestie insgesamt 6520 Gefangene freilassen, wie das Büro von Präsident Win Myint mitteilte. Dieser hatte erst im vergangenen Monat bei zwei Massen-Amnestien Tausende von Häftlingen begnadigt. In Myanmar ist es üblich, dass die Behörden Gefangene anlässlich des Jahreswechsels - er fällt in dem Land auf den 17. April - freilassen.

sti/AR (afp, dpa, rtr)

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