Mutter von Uwe Böhnhardt beschuldigt Behörden im NSU-Prozess | Aktuell Deutschland | DW | 19.11.2013
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Mutter von Uwe Böhnhardt beschuldigt Behörden im NSU-Prozess

Im NSU-Prozess hat die Mutter des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt den Behörden schwere Vorwürfe gemacht. Wären Absprachen eingehalten worden, hätte vieles verhindert werden können, sagte sie.

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NSU-Prozess: Böhnhardts Mutter sagt aus

Brigitte Böhnhardt hat den Behörden in Thüringen die Verantwortung für die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gegeben. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht München sagte sie aus, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz hätten 1999 Zusagen gebrochen.

Die pensionierte Lehrerin berichtete, dass sie und ihr Mann über einen als Mittelsmann fungierenden Rechtsanwalt Kontakt zu Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz gehabt hatten. Dabei seien Zusagen für Strafmilderungen gemacht worden, um ihren Sohn sowie seine Komplizen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zur Aufgabe zu bringen.

Fataler Rückzieher

Doch seien diese Zusagen 1999 und damit fast eineinhalb Jahre vor dem ersten Mord des NSU zurückgezogen worden. Hätte man zu seinem Wort gestanden, wäre vermutlich vieles verhindert worden, meinte die 65-Jährige. In diesem Fall "wäre all das nicht geschehen".

Den Dreien wird vorgeworfen, als Neonazi-Zelle NSU aus ausländerfeindlichen Motiven zehn Morde und zwei Bombenanschläge verübt zu haben. Das Trio war 1998 untergetaucht, nachdem die Polizei in einer Garage Rohrbomben und Sprengstoff gefunden hatte. Uwe Böhnhardt war zu dieser Zeit bereits vorbestraft. Laut seiner Mutter kam es nach dem Untertauchen zu telefonischen Kontakten zu ihrem Sohn. Im Herbst 1998 habe sich dann der Rechtsanwalt als Behördenmittelsmann gemeldet.

Mundlos lehnte Angebote ab

Im Gespräch gewesen sei eine mögliche Strafe von zehn Jahren Haft für ihren Sohn, die auf fünf Jahre hätte halbiert werden können, falls er sich stelle. Bei guter Führung sei eine Haftentlassung nach zweieinhalb Jahren in Aussicht gestellt worden. Dieses Angebot habe sie an ihren Sohn weitergegeben.

Nach der Aussage von Brigitte Bönhardt waren ihr Sohn und Beate Zschäpe bei späteren Gesprächen grundsätzlich bereit gewesen, sich zu stellen - Uwe Mundlos aber nicht. Schließlich seien die Versuche, mit der Staatsanwaltschaft über eine Strafmilderung zu verhandeln, falls sich die drei stellten, gescheitert.

Ab September des Jahres 2000 begann die Mordserie an Geschäftsleuten ausländischer Herkunft. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Attentaten angeklagt. Ihre beiden Komplizen sind seit zwei Jahren tot. Sie begingen 2011 Selbstmord, um einer Festnahme zu entgehen.

uh/qu (afp/dpa)

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