Muss Mats Hummels zurück ins DFB-Team? | Sport | DW | 21.10.2019
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DFB-Team

Muss Mats Hummels zurück ins DFB-Team?

Nach der schweren Verletzung von Niklas Süle werden Forderungen laut, Mats Hummels solle ins DFB-Team zurückkehren. Hummels spielt bei Borussia Dortmund überragend, ein Comeback beim DFB ist aber sehr unwahrscheinlich.

Antonio Rüdiger, Matthias Ginter, Jonathan Tah, dazu Thilo Kehrer, Niklas Stark und Robin Koch. Es ist nicht so, dass es im deutschen Fußball an talentierten Innenverteidigern mangeln würde. Zu den Genannten kommt mit Emre Can ein weiterer Defensivspieler dazu, der zuletzt im Länderspiel gegen Argentinien als "Ungelernter" in der Dreierkette keine schlechte Figur machte. Eigentlich also gibt es nach der schweren Verletzung von Niklas Süle, der sich am Samstag einen Kreuzbandriss zuzog und bereits am Sonntag erfolgreich operiert wurde, für Bundestrainer Joachim Löw genug Alternativen, um den Ausfall des Bayern-Verteidigers zumindest in den restlichen beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland und Nordirland zu kompensieren.

Allerdings laboriert Rüdiger an einer Leistenverletzung, Kehrer fällt seit Wochen wegen einer Verletzung am Fuß aus. Tah ist in keiner guten Form. Und Stark und Koch sind noch sehr unerfahren.

Zorc: "Bester Abwehrspieler in Deutschland"

Daher wächst nun der öffentliche Druck, auch den bereits aus dem DFB-Team ausgemusterten Mats Hummels wieder als Nationalspieler und Abwehrchef in Betracht zu ziehen. Die Stimmen der Experten häufen sich: "Eigentlich gibt es keine Alternative zu Mats Hummels", sagte Ex-Nationalspieler Thomas Helmer in einer Expertenrunde des TV-Senders Sky. Der frühere Champions-League-Sieger und heutige Sky-Experte Dietmar Hamann pflichtete bei: "Er war der beste Innenverteidiger und ist es immer noch. Für mich steht es außer Diskussion, dass Hummels nächstes Jahr für uns spielen muss." Auch Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus erneuerte unter dem Eindruck von Süles schwerer Verletzung seine Forderung nach einem Umdenken Löws.

Fußall 1. Bundesliga Borussia Dortmund vs. Bayer Leverkusen (picture-alliance/augenklick/firo Sportphoto/J. Fromme)

Marco reus (r.) würde gerne auch im Nationalteam wieder mit Mats Hummels zusammenspielen

In der Tat zeigt Hummels, der in diesem Sommer von München wieder zurück zu Borussia Dortmund wechselte, seit Wochen herausragende Leistungen, hält aber, was die Nationalmannschaft angeht, den Mund. Stattdessen sprechen andere: "Er war und ist der beste Abwehrspieler in Deutschland", urteilt BVB-Sportchef Michael Zorc. "Natürlich würde Mats aufgrund seiner Leistung jede Mannschaft stärker machen", wirbt BVB-Kapitän Marco Reus für seinen Teamkollegen. "Er bringt uns viel Qualität, nicht nur sportlich. Ich denke, er gibt unserem Spiel auch etwas, was in der vergangenen Saison vielleicht ein bisschen gefehlt hat."

Beispiel Khedira?

Fraglich ist nur, ob Hummels' Qualitäten auch Löw so sehr fehlen, dass er tatsächlich über seinen Schatten springt und den Dortmunder für die nächsten Länderspiele im November nominiert. Doch dazu wird es wohl nicht kommen, schließlich hat der Bundestrainer Hummels im vergangenen Frühling gemeinsam mit Jérôme Boateng und Thomas Müller aus der DFB-Elf aussortiert, um der Jugend eine Chance zu geben. Ein drastischer Schritt, der Löw viel Kritik eingetragen hat, und den er nun nicht einfach revidieren kann, ohne einen gewissen Gesichtsverlust zu erleiden. Zudem ist Löw nicht dafür bekannt, einmal getroffene Entscheidungen zurückzunehmen.

Fußball Nationalmannschaft Deutschland 2017 | Joachim Löw & Niklas Suele (picture-alliance/dpa/A. Korotayev)

Warten auf den Schlüsselspieler? Joachim Löw (l.) wird Niklas Süle (r.) die Türe zur EM wohl offen halten

Stattdessen wird er den Spielern vertrauen, die ihm zur Verfügung stehen, und auf Süles Genesung warten, auch wenn Bayern-Vereinspräsident Uli Hoeneß Löw wenig Hoffnung machte. "So wie es ausschaut, ist die Saison für ihn beendet, auch die EM kann er ad acta legen", prophezeite Hoeneß gegenüber mehreren Reportern und schob nach: "Die können Sie total vergessen."

Doch vielleicht ist das ein wenig zu schwarz gemalt. Im günstigsten Fall, schafft Süle eine Rückkehr einige Wochen bevor die EM im nächsten Juni startet. Als Sami Khedira sich am 15. November 2013 - also noch einmal vier Wochen später im Jahr als nun Süle - einen Kreuzbandriss mit zusätzlicher Innenbandverletzung zuzog, wartete der Bundestrainer auf seinen Schlüsselspieler und nominierte ihn für die WM in Brasilien. Zwar kam Khedira, weil er sich erneut am Innenband verletzte, nicht problemlos durch die WM, bestritt aber fünf von sieben WM-Spielen und wurde Weltmeister.

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