Muss Anton Schlecker ins Gefängnis? | Aktuell Deutschland | DW | 27.11.2017
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Wirtschaftskriminalität

Muss Anton Schlecker ins Gefängnis?

Der einstige Drogeriemarktkönig und seine Kinder könnten wegen Bankrottbetrugs hinter Gittern landen. Das Gericht wird an diesem Montag ein Urteil fällen.

Deutschland Plädoyers im Prozess gegen Schlecker (picture-alliance/dpa/M. Murat)

Anton Schlecker und seine Tochter Meike am 20.11.2017 vor dem Landgericht Stuttgart

Insgesamt soll Anton Schlecker Vermögen von etwa 25 Millionen Euro beiseite geschafft haben. Auch seine Ehefrau, seine beiden Kinder und zwei Wirtschaftsprüfer wurden angeklagt - wegen Beihilfe, Insolvenzverschleppung oder Untreue.

Der Prozess begann im März 2017. Nach der Zahlung von Geldauflagen wurden im Mai die Verfahren gegen Schleckers Ehefrau Christa und die Wirtschaftsprüfer eingestellt. Im Oktober strich das Gericht auch einige Anklagepunkte gegen Anton Schlecker.

2012 Insolvenz beantragt

Der mittlerweile 73-jährige war Alleineigentümer der Schlecker Drogeriekette, lange Zeit Marktführer in Deutschland. In ihren besten Tagen beschäftigte sie 50.000 Mitarbeiter und betrieb 10.000 Filialen in ganz Europa. Die wurden im Juni 2012 geschlossen, nachdem Schlecker im Januar 2012 einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Dabei sollen laut Staatsanwaltschaft der Konkursmasse gezielt Vermögenswerte entzogen worden sein, sprich: Vor der Pleite wurde mutmaßlich Geld beiseite geschafft.

Im Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht forderten die Vertreter der Anklage deshalb drei Jahre Haft für Anton Schlecker. In zwei der zahlreichen Anklagepunkte sahen die Ankläger sogar einen besonders schweren Fall des Bankrotts. Die Verteidigung hielt sowohl das als auch die Forderung nach einer Haftstrafe für überzogen, nannte aber selbst kein Strafmaß, das sie für angemessen hält. Schlecker selbst hatte im Prozess die Vorwürfe immer zurückgewiesen und stets betont, nie am Fortbestand seines Lebenswerks gezweifelt zu haben.

Kinder betrieben Logistikfirma

Auch für seine beiden mitangeklagten Kinder, Lars und Meike, forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen. Sie sollen für zwei Jahre und zehn Monate beziehungsweise zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Ihnen wirft die Anklage ebenfalls Bankrott und außerdem Beihilfe zum Bankrott, Untreue und Insolvenzverschleppung vor. Lars und Meike Schlecker gehörte die Logistik-Tochterfirma LDG, die zum Imperium ihres Vaters zählte. Dort sollen sie sich selbst Gewinne in Höhe von sieben Millionen Euro ausgezahlt haben, die es laut Anklage gar nicht mehr gab - und damit eine Überschuldung herbeigeführt haben.

Zentraler Punkt in dem Verfahren ist die Frage, wann Anton Schlecker hätte wissen müssen, dass sein Imperium zahlungsunfähig ist - denn von da an hätte er keinen Cent mehr daraus abziehen dürfen. Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich von Ende 2009 ausgegangen und hatte auf dieser Basis eine Schadenssumme von mehr als 25 Millionen Euro errechnet. Letztendlich tendierte sie aber zu einem späteren Zeitpunkt. Entsprechend wurde die Liste der Vorwürfe, die teilweise nur bestimmte Zeiträume umfassen, reduziert.

Zahlungen in letzter Minute

2013 hatte die Familie gut zehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Das Geld floss in die Insolvenzmasse, insgesamt haben die Gläubiger mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet. Einen Teil davon will der Verwalter über Schadenersatzklagen gegen einstige Lieferanten eintreiben.

Vor rund zwei Wochen dann zahlten Schlecker und seine Kinder weitere vier Millionen Euro an den Insolvenzverwalter. Seine Kinder Lars und Meike steuerten je eine Million Euro bei, Schleckers Frau überwies auf Bitten ihres Mannes zwei Millionen Euro. Er selbst, sagte Anton Schlecker im Gericht, habe durch die Insolvenz sein gesamtes Vermögen verloren. Lars Schlecker sprach in einer persönlichen Erklärung von "Schadenswiedergutmachung".

Durchsichtige Taktik

"Dass die Familie erst jetzt, kurz vor Ende des Prozesses, dem Insolvenzverwalter noch einmal ein paar Millionen Euro überwies, sieht stark danach aus, als wolle man das Gericht milde stimmen", kommentierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in diesem Zusammenhang. Auch wurde kritisiert, dass Anton Schlecker nach der Insolvenz fast sechs Jahre lang gebraucht habe, bis er ein paar Worte der Entschuldigung gegenüber seinen ehemaligen Mitarbeitern äußerte.

"Von ihrer Verantwortung kann und werde ich die Familie Schlecker nicht freisprechen", stellte die frühere Schlecker-Betriebsratschefin Christel Hoffmann am Rande des Prozesses klar. "Was ändert es aber für uns, wenn die Familie Schlecker ins Gefängnis muss? Gar nichts." Die Arbeitsplätze kämen davon nicht wieder.