Musik und Journalismus: kulturelle Chancen für tunesische Schüler | Medientraining | DW Akademie | DW | 15.06.2018
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Medientraining

Musik und Journalismus: kulturelle Chancen für tunesische Schüler

Beim "Future Lab" der Bremer Kammerphilharmonie üben tunesische Schüler mit Musikern des Nationalorchesters den Umgang mit verschiedenen Instrumenten. Die DW Akademie begleitet mit einem Mobile Reporting-Workshop.

Die Musiker der Kammerphilharmonie Bremen mit Jugendlichen aus Tunis (09.06.2018) (Future Lab Tunisia)

Die Musiker der Kammerphilharmonie Bremen mit Jugendlichen aus Tunis (09.06.2018)

Mittwoch, 14 Uhr, erste gemeinsame Probe des Schülerchors mit dem tunesischen Nationalorchester (ONT). Sabri Mili, 14 Jahre, singt voller Inbrunst mit. Er ist völlig vertieft in die Musik und scheint vergessen zu haben, dass er gefilmt wird. Mehrere Schüler mit Smartphones huschen durch die Reihen der Musiker. Sie wagen sich sogar nah an den streng aussehenden Orchesterchef mit Dirigentenstock heran, um eindrückliches Videomaterial aufzunehmen.

Seit zwei Wochen herrscht im Jugendzentrum von Mannouba eine ganz besondere Stimmung. Aus den Räumen des kleinen weiß getünchten Hauses dringen klassische Töne. Profimusiker des ONT üben mit Schülern des "Collège et Lycée Ibn Khaldoun" in Tunis Percussion, Geige, Violoncello oder die klassische Flöte Nai, für einen gemeinsamen öffentlichen Auftritt.

Musik und Journalismus: Für Teilnehmer Sabri Mili eine perfekte Kombination. (DW)

Musik und Journalismus: Für Teilnehmer Sabri Mili eine perfekte Kombination.

Ausdrücklich erlaubt: Smartphones bei Orchesterproben

Sabri Mili muss sich seine Zeit gut einteilen, denn er ist in doppelter Mission unterwegs. Wenn Sabri nicht im Chor singt, lernt er in dem einzigen Raum ohne Musik: der Mobile Reporting-Redaktion. Ein Workshop zur Videoproduktion auf Smartphones ergänzt das musikalische Projekt. In kleinen Gruppen lernen die Schüler Videos zu produzieren, vom Musikunterricht und den Proben.

DW Akademie Mobile Reporting-Trainerin Mabrouka Khedir unterstützt die Schüler bei der Auswahl des Bildausschnitts. (DW)

DW Akademie Mobile Reporting-Trainerin Mabrouka Khedir unterstützt die Schüler bei der Auswahl des Bildausschnitts.

Der 14-Jährige wollte weder auf das Singen noch auf den Mobile Reporting-Workshop verzichten. Deshalb machten ihn seine 16 jungen Reporter-Kollegen kurzerhand zum Hauptdarsteller der Smartphone-Reportagen. Er gibt Interviews, verschwindet zur Chorprobe, kehrt zurück und hilft beim Schnitt. Gerade beugen sich Sabri Mili und die anderen Jugendlichen über ihre Smartphones. Ihre Videos werden später auf der Facebook-Seite des Future Lab Tunisia veröffentlicht.

Sabri hat bereits ein wenig Medien-Erfahrung: Er moderiert beim Web-Radio des Jugendzentrums. "Ich mag Journalismus sehr", erzählt er. "Arbeit für Medien ist mein großer Traum und Mobile Reporting ist ein ganz neues Gebiet für mich." Konzentriert hört er den Trainerinnen Mabrouka Khedir und Janine Stolpe zu. Welche Einstellungsgrößen gibt es und wofür werden sie verwendet? Was unterscheidet YouTube-Clips von Nachrichtenjournalismus? Und wie entwickelt man die Dramaturgie für eine Geschichte?

Anschließend setzen die Schüler das Gelernte in die Praxis um. Sabri dreht mit seiner Arbeitsgruppe beim Chor. Mit seinem ersten Video ist er sehr zufrieden: "Ich kann jetzt Reportagen ganz einfach mit dem Handy drehen. Ich habe gelernt, wie man Material in guter Qualität produziert und wie man professionell mit der Smartphone-Kamera dreht."

Eigene Perspektiven finden, sich selbst ein Bild machen

Für Daniela Wiesler-Schnalke, Leiterin des Medientrainings, ist es wichtig, "den beteiligten Jugendlichen auch medial eine Stimme zu geben. Sich als Mobile Reporter selbst ein Bild zu machen, eine eigene Perspektive einzunehmen, die öffentliche Wahrnehmung mit zu gestalten". Das sei für die meisten Jugendlichen eine neue Erfahrung, "die Ihnen hoffentlich mehr Selbstbewusstsein und Ideen für die Gestaltung ihrer Zukunft gibt".

Vom Cellospiel bis zu professionellen Smartphone-Videos: Sabri Mili hat viel Neues gelernt im Orchesterprojekt. (Future Lab Tunisia)

Vom Cellospiel bis zu professionellen Smartphone-Videos: Sabri Mili hat viel Neues gelernt im Orchesterprojekt.

Die Bremer Kammerphilharmonie hat das Projekt Zukunftslabor 2007 in Deutschland ins Leben gerufen. Ziel ist es, benachteiligten Jugendlichen Zugang zu Kultur und Musik zu ermöglichen. Ihnen so kulturelle Erfahrungen und eine Perspektive zu geben. Digitales Knowhow und Filmproduktion passen als weitere Bausteine gut in dieses Konzept. Sabri Mili jedenfalls ist begeistert: "Ich wollte schon immer Filme machen und das, was ich hier gelernt habe, wird mir in Zukunft dabei helfen."

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Audio und Video zum Thema

Daniela Wiesler, Leiterin Medientraining DW Akademie (Foto: Stefan Lemanski).

Daniela Wiesler-Schnalke

Leiterin Medientraining

T: +49.228.429-2078
E: dw-akademie.medientraining@dw.com