Mumie erstmals als Hologramm zu sehen | Kultur | DW | 28.06.2018
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Archäologie

Mumie erstmals als Hologramm zu sehen

Von der Oberfläche bis zu den Knochen: Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim zeigt in einer Weltpremiere das schwebende und dreidimensionale Abbild einer Mumie.

Als die vornehme Ägypterin Ta-cheru im siebten Jahrhundert v. Chr. in Theben starb, wurde ihr Leichnam aufwändig einbalsamiert und für die Ewigkeit vorbereitet. Die alten Ägypter glaubten an ein Leben nach dem Tod, deshalb mumifizierten sie ihre Pharaos und hochrangigen Bürger. In gewisser Weise hatten sie zumindest im Fall von Ta-cheru Recht damit: Denn die betagte Dame wird jetzt, fernab von Theben, wieder zum Leben erweckt - als Hologramm.

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim gibt in der Ausstellung "Ta-cheru. Eine Reise ins Innere der Mumie" Einblicke ins Innerste Ta-cherus. In animierten Sequenzen werden die einzelnen Schichten, von den Binden über Haut und Muskeln bis zu den Knochen, freigelegt und sichtbar gemacht. "Was wir hier heute sehen, ist eine Sensation", sagte Ausstellungskurator Oliver Gauert am Donnerstag.

Würde der Mumie bleibt bewahrt

Die Daten lieferte ein extrem hoch auflösender Computertomographie-Scanner in Heidelberg. Das Gerät scannte die Schichten der Mumie in einem Abstand von nur 0,25 Millimeter - innerhalb von 18 Sekunden. Das Museum präsentiert damit auf spektakuläre und nach eigenen Angaben bislang einzigartige Weise die Ergebnisse des Hildesheimer Mumienforschungsprojekts. Mehrere Monitore und Prismen ermöglichen das frei im Raum rotierende Hologramm; Besucher können es ab Samstag (30. Juni) von allen Seiten betrachten.

Hologramm der Mumie Ta-Cheru. Im RP Museum - Ausstellung: Ta-Cheru - Eine Reise ins Innere der Mumie (RPM)

Vielschichtig: das Hologramm von Ta-cheru

Mit Hilfe der neuen Technik können Forscher Gauert zufolge Körper sezieren, ohne sie zu zerstören. Es sei dadurch sogar möglich, Krankheitserreger festzustellen. "Wir lernen so etwas über Umwelteinflüsse und wie sie auf den Menschen wirkten", sagte Mumienspezialist Frank Rühli aus Zürich. Zugleich würde die Würde der Mumie bei dieser Art der computeranimierten Präsentation bewahrt. Auf Basis der tomographischen Daten wurde zudem das Gesicht der Frau, die Eigentum des University Museum Aberdeen ist und von dort ausgeliehen wurde, rekonstruiert. 

Einblicke in Totenkult und Techniken

Ta-cheru bildet damit den Mittelpunkt der Ausstellung, die die modernen Möglichkeiten der Mumienforschung auch  anhand weiterer Mumien aus Europa und Peru vorstellt. Ein weiterer Teil der Schau gibt nach Angaben des Museums Einblicke in den Totenkult und die Mumifizierungstechniken der Ägypter. 

Ausstellung Ta-cheru. Eine Reise ins Innere der Mumie (picture-alliance/dpa/H. Hollemann)

Ta-cheru, gut verpackt. Dahinter Regine Schulz, Museumsdirektorin, und Oliver Gauert, Kurator der Schau

In Hildesheim waren zuletzt mehrere Mumien computertomografisch untersucht worden. Auch das Gewebe wurde per Radiokarbon-Methode erforscht. Im Jahr 2016 zeigte das Museum die bundesweit größte Mumien-Ausstellung mit rund 200 Exponaten, die rund 32.000 Besucher anzog. Die Schau "Ta-cheru. Eine Reise ins Innere der Mumie" ist bis zum 30. September zu sehen.

ka/pg (dpa, rpmuseum.de)

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