Multi-EM als Klein-Olympia | Sport | DW | 01.08.2018
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European Championships

Multi-EM als Klein-Olympia

In Glasgow starten die "European Championships" in ihren ersten Tag. Sportlich versprechen die Europameisterschaften im Mehrpack einige Höhepunkte.

In Glasgow starten die European Championships mit mehreren Qualifikationswettbewerben am Donnerstag in ihren ersten Tag. Bis zum 12. August werden die europäischen Titelkämpfe im Schwimmsport, Kunstturnen, Radsport, Rudern, Triathlon und Golf (alle in Glasgow) sowie die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin zeitgleich ausgetragen. 

Zwei Gastgeberstädte mit sieben Europameisterschaften binnen elf Tagen - die European Championships in Glasgow und Berlin sollen ein Gegengewicht schaffen zur dominierenden Medienpräsenz des Fußballs. 4500 Athleten aus 50 Nationen gehen an den Start, immerhin 188 Medaillen-Entscheidungen stehen auf dem Programm.

Glasgow für Turnerin Schäfer ein gutes Pflaster

Ab 11.00 Uhr MESZ steht aus deutscher Sicht das Kunstturnen der Frauen mit Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer in der 8000 Zuschauer fassenden Hydro-Arena im Mittelpunkt. Glasgow ist für Pauline Schäfer ein gutes Pflaster. Hier gewann die Schwebebalken-Spezialistin vor drei Jahren ihre erste WM-Medaille. Nun gilt sie vor der EM als eine der Favoritinnen. 

Turn WM 2017 Schäfer gewinnt WM-Gold am Schwebebalken (USA Today Sports/E. Bolte)

Turnerin Pauline Schäfer (M.) will auch in Glasgow auftrumpfen

Mit dem Heimvorteil im Rücken ist das britische Team in der Mannschaftswertung in der Favoritenrolle. Aber auch die Riege aus Russland ist ein Titelkandidat. Für die ersatzgeschwächte deutsche Mannschaft ist im Teamwettbewerb kaum mehr als eine Qualifikation für das Finale drin. 

Die europäischen Titelkämpfe sind für die Turner ein wichtiger Test für die WM in Doha in Katar, wo bereits Ende Oktober die ersten Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben werden.

Tour-de-France-Fahrer am Start

Im Zentrum der schottischen Metropole starten und enden auch die Wettbewerbe im Straßenradsport. Das "Sir Chris Hoy Velodrome" beherbergt die Wettbewerbe auf der Bahn. Auf den "Cathkin Braes Mountainbike Trails" werden im Cross Country die Medaillen vergeben, und im "Glasgow BMX Centre" im Knightswood Park (10. und 11. August) suchen die wagemutigen Sportler im BMX-Rennen ihre Besten.

Die Wettbewerbe auf der Straße erfahren durch die Multi-EM eine Aufwertung, wie der Start von Tour-de-France-Teilnehmern wie John Degenkolb beweist. Die EM hat insbesondere für die Bahnradsportler eine große Bedeutung, denn sie markiert den Beginn der Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio.

Tour de France 2018 9. Etappe John Degenkolb (Reuters/S. Mahe)

Tour de France-Etappensieger John Degenkolb tritt auch in Glasgow an

Im Velodrome werden die Briten versuchen, eine ähnliche Show abzuziehen wie etwa bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro. In vielen Disziplinen auf der Bahn dürfte der Sieg nur über die Gastgeber gehen. 

Vogels Ausfall nicht zu kompensieren

Der Ausfall der schwer verletzten Kristina Vogel trifft das deutsche Bahnradteam hart. Dennoch sind Medaillen etwa durch Miriam Welte möglich, und auch die Männer haben in verschiedenen Disziplinen realistische Podestchancen. Im Zeitfahren auf der Straße könnte Max Schachmann überraschen, da Tony Martin verletzt absagen musste. Degenkolb und Greipel zählen im Profirennen auf der Straße wie Lisa Klein bei den Frauen zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärter. Im Mountainbike- und BMX-Rennen sind die Deutschen nur Außenseiter.  

Niederlande Radsport Meisterschaft 500 Meter Frauen Miriam Welte (picture-alliance/AP Photo/P. Dejong)

Bahnradsportlerin und Weltmeisterin Miriam Welte

Gerudert wird auf dem Gewässer Strathclyde Loch, etwa 15 Kilometer südöstlich des Glasgower Stadtzentrums. Bei der Schaffung des künstlichen Sees Anfang der 1970er Jahre wurde unter anderem die Bergarbeitersiedlung Bothwellhaugh überflutet. 1996 fand auf dem Strathclyde Loch die WM der nichtolympischen Klassen statt.

Die EM steht jedoch klar im Schatten der Weltmeisterschaften im bulgarischen Plowdiw (8. bis 16. September). Ein Großteil der deutschen Athleten fehlt daher und bereitet sich stattdessen in einem Trainingslager auf den Saisonhöhepunkt vor. Im Männer-Einer wird es deshalb in Glasgow keinen DRV-Starter geben.

Deutschland-Achter klar favorisiert

In der Königsdisziplin ist der Deutschland-Achter seit zwei Jahren in sämtlichen Medaillen-Rennen ungeschlagen. Ähnlich dürfte es in Glasgow zugehen. Auch der Frauen-Doppelvierer ist stark besetzt. Insgesamt ist der DRV in neun Klassen vertreten.

Die Beckenschwimmer kämpfen im "Tollcross International Swimming Centre" um Medaillen, der "Royal Commonwealth Pool" von Edinburgh beheimatet die Wasserspringer. Die Freiwasserschwimmer springen in Loch Lomond im Trossachs National Park, rund 30 Kilometer nordwestlich von Glasgow, ins Wasser. Im "Scotstoun Sports Campus" finden die Wettbewerbe der Synchronschwimmerinnen statt.

Adam Peaty hofft auf den Heimvorteil

Für den europäischen Schwimmsport ist die EM der Saisonhöhepunkt mitten im Olympiazyklus. Vor allem für die deutschen Beckenschwimmer geht es darum, nach den historischen Tiefpunkten von Olympia in Rio und der WM 2017 in Budapest einen Aufwärtstrend erkennen zu lassen.

Rio 2016 Schwimmen Ungarn Katinka Hosszu (picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Ungarns Schwimmstar Katinka Hosszu

Mit dem Heimvorteil im Rücken muss vor allem mit dem britischen Schwimmteam um Olympiasieger Adam Peaty gerechnet werden. Wie fit Ungarns Schwimmstar Katinka Hosszu nach privaten Turbulenzen ist, bleibt abzuwarten.

Hoffnungen auf eine Medaille dürfen aus dem deutschen Team im Becken Titelverteidigerin Franziska Hentke (200 Meter Schmetterling), Philip Heintz (200 Meter Lagen), Lisa Graf (200 Meter Rücken), Florian Wellbrock und Sarah Köhler (jeweils 800 und 1500 MeterFreistil) machen. Köhler und Wellbrock starten auch aussichtsreich im Freiwasser-Staffelrennen. Wird der Olympia-Dritte Patrick Hausding nach langer Verletzungspause fit, ist er in jedem seiner Wassersprung-Wettkämpfe ein Medaillenkandidat.

Ausverkauftes Stadion für Leichtathlen

Für die Leichtathletik-EM im Berliner Olympiastadion haben 1572 Athleten aus 49 Ländern gemeldet. Darunter sind 30 "neutrale" Athleten - russische Sportler, die vom Leichtathletik-Weltverband IAAF eine Ausnahme-Startgenehmigung erhalten haben. Die IAAF hatte den russischen Verband 2015 wegen des Doping-Skandals suspendiert.

"Wir gehen als Heim-Mannschaft optimistisch in die Wettbewerbe. Ich hoffe auf viele Überraschungen und darauf, dass der Funke von den Zuschauern auf die Athleten überspringt", sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. Eine Europameisterschaft vor eigenem Publikum, in einem vermutlich durchgehend ausverkauften Olympiastadion mit Sportlern, die seit Jahren auf dieses Ereignis hinarbeiten - alle Voraussetzungen sind gegeben. Tatsächlich hat der DLV mindestens zwei Dutzend Medaillenanwärter in seinem Kader - der mit 125 Athleten so groß ist wie noch nie. 

Leichtathletik-WM Robert Harting Diskuswerfer (Reuters/K. Pfaffenbach)

Diskuswerfer Robert Harting wird nach der EM seine Karriere beenden

Bei den Speerwerfern haben mit  Andreas Hofmann, Thomas Röhler und Johannes Vetter gleich drei Deutsche eine Chance auf Gold. Gesa Felicitas Krause ist die Favoritin über 3000 Meter Hindernis, im Kugelstoßen hoffen Christina Schwanitz und David Storl auf Gold. Im Diskuswurf verspricht das Duell der Harting-Brüder Christoph und Robert Spannung. 

Abgerundet werden die European Championships mit Triathlon und Golf. Beim Triathlon finden Rennen über die olympische Distanz statt: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen.

Im ehrwürdigen "Gleneagles Golf Club" gehen die Golfer an den Abschlag. Für sie wurde extra eine Team-EM für Profis eingeführt.

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