Mit Vergnügen | Sprachbar | DW | 16.10.2013
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Sprachbar

Mit Vergnügen

Wer sich vergnügt, hat Freude und tut etwas aus reinem Vergnügen. Vergnügungen aller Art bereiten demjenigen Vergnügen, der sich gerne ins Vergnügen stürzt. Und: Wer vergnügt und fröhlich durchs Leben geht, lebt gesund.

An Vorsilben ist die deutsche Sprache reich. Sie haben trotz aller Unterschiedlichkeit eins gemeinsam: Sie geben einem Wort eine andere Bedeutung. Eine dieser Vorsilben ist das ver-. Es ist wichtiger Bestanteil unseres heutigen Stichworts Vergnügen.

Ohne die Vorsilbe ziemlich einsam

In einer Münzen-Badewanne sitzt ein Junge und lässt Geld durch seine Hände herunterfallen

Mancher vergnügt sich so!

Ohne das Ver- am Anfang, wäre das -gnügen verloren; für sich alleinstehend finden wir es in der heutigen Sprache nicht mehr. Erst die innige Verbindung zwischen ver- und –gnügen macht die beiden zum Vergnügen, zumindest sprachlich. Nun hat es aber ein Wort, das ganz ähnlich wie vergnügen klingt, tatsächlich gegeben. Es hieß vergenüegen, war im Mittelhochdeutschen gebräuchlich und bedeutete soviel wie „zufriedenstellen“. Es war eine Ableitung des Adjektivs „genug“ beziehungsweise des Verbs „genügen“, eine Umschreibung für „ausreichend sein“.

Mit der Zeit wurde daraus Vergnügungen, ein Ausdruck von Zufriedenheit, Heiter- und Fröhlichkeit. Wobei wir gleich anmerken müssen, dass es außer Vergnügungen, also Vergnügen aller Art, auch zwei „Vergnügen“ sprachlicher Natur gibt: Das erste ist das Verb, also vergnügen, beziehungsweise sich vergnügen, und das Substantiv das Vergnügen. Zuerst vergnügen wir uns mit dem Zeitwort.

Stilles Vergnügen und Vergnügtheit

Ein Junge in regenfester Kleidung mit Regenschirm spring durch eine große Pfütze

Was für ein Vergnügen! Nur keine Pfütze auslassen

Dieses hatte ursprünglich die Bedeutung von „zufriedenstellen“, „jemanden mit etwas abfinden“. Das konnte eine große Erbschaft oder auch nur ein Sack Mehl gewesen sein. Etwas an barem Gelde vergnügen hieß nichts anderes, als etwas zu bezahlen und dadurch wiederum den Verkäufer zu vergnügen, nämlich zufriedenzustellen.

Stellen wir uns doch einmal einen Kaufmann des 18. Jahrhunderts vor, der still vergnügt, erfreut, seine Golddukaten zählt und schon sind wir bei einer Bedeutung, die unser Stichwort ungefähr damals bekommen und bis heute behalten hat. Vergnügen an etwas haben heißt „sich an etwas freuen“. Ein vergnügter Mensch ist jemand, der heiter durchs Leben geht und dem man diese Charaktereigenschaft geradezu ansieht.

Hinein ins Vergnügen!

Die Looping-Achterbahn und das Riesenrad auf dem Oktoberfest in München

Ein Besuch auf dem Oktoberfest kann ein teures Vergnügen sein

Vergnügen ist aber auch eine Art inneres Wohlbehagen, das auf unterschiedliche Art und Weise hervorgerufen werden kann: durch das Wetter, den Anblick schöner Dinge, ein gutes Essen, die Lektüre eines guten Buches, ja, auch durch die Arbeit. All dies kann Vergnügen bereiten, Freude machen. Es kann aber auch Spaß und Amüsement, ein anderes Wort für Vergnügen, bedeuten. Denn wer ein bisschen Abwechslung sucht, der wird sich ins Vergnügen stürzen. Er wird sich auf wilden Partys, in Discotheken oder auch auf großen Volksfesten und Rummelplätzen oder in Vergnügungsparks vergnügen.

Mancher Besuch dort kann allerdings zu einem teuren Vergnügen werden, wenn man viel Geld ausgibt. Wer danach allerdings feststellt: Das war ein teures Vergnügen! muss das nicht wortwörtlich meinen. In der Regel ist es ein ironischer Ausdruck dafür, dass man vielleicht doch die eine oder andere Attraktivität auf dem Rummel besser ausgelassen hätte. Manchem war es das jedoch wert, weil er ein kindliches Vergnügen dabei empfunden hatte, Karussell zu fahren oder Zuckerwatte zu essen und mit Vergnügen anderen zuzusehen, wie sie sich vergnügen.

Es ist mir ein Vergnügen!

Ein Junge zieht ein vor ihm sitzendes Mädchen in einer Schulklasse an den Haaren

Mal so richtig an den Haaren ziehen ...

Aufregendes ganz anderer Art lässt sich in den Vergnügungsvierteln großer Städte finden und erleben. Für manche sind das allerdings zweifelhafte Vergnügen. Menschen, die es lieben, nur ihrem Vergnügen nachzugehen, sich ständig zu amüsieren, werden das natürlich anders sehen. Vergnügen hat auch eine negative Seite: Wer sich nämlich ein Vergnügen daraus macht, eine andere Person zu ärgern oder gar zu schikanieren, hat eine Freude daran, ihr zu schaden. Wir wollen jetzt nicht aufzählen, was es da so alles an Gemeinheiten gibt.

Stattdessen werfen wir einen Blick auf höfliches Verhalten und die entsprechenden Floskeln. Betreuen Sie zum Beispiel das Nachbarskind für einen halben Tag, weil die Eltern plötzlich zur kranken Oma ins Krankenhaus müssen und diese bedanken sich anschließend dafür, können Sie antworten: „Es war mir ein Vergnügen!“ Allerdings nur, wenn Sie wirklich Freude mit dem Kind hatten! Und bitten Sie jemanden um Hilfe, und derjenige sagt: „Mit dem größten Vergnügen!“ signalisiert das: „Ich helfe Ihnen gerne.“

Der Tonfall macht's

Wie so oft in der deutschen Sprache, sind Situation und Tonfall bei einer Aussage ein guter Richtungsweiser für die Bedeutung. Muss beispielsweise ein Jugendlicher ein Gespräch mit den Eltern führen, weil die ihn beim Rauchen erwischt haben, bekommt er vom besten Freund zu hören: „Na, dann viel Vergnügen!“ Anders wäre die Aussage zu bewerten, wenn der Jugendliche etwas Angenehmes vorhätte. Wir möchten uns für heute mit einer veralteten Redewendung verabschieden, bei der auch der Tonfall ausschlaggebend wäre. Man benutzte sie früher am Telefon, wenn jemand anrief, den man nicht kannte: „Mit wem habe ich das Vergnügen?




Fragen zum Text

Jemand, der sehr fröhlich ist, kann … vor sich hin pfeifen.
1. vergnügungshungrig
2. vergnügungssüchtig
3. vergnügt

Was stimmt nicht? Anne geht gerne aus. …
1. Es ist ihr ein Vergnügen, andere Menschen kennenzulernen.
2. Sie vergnügt sich am liebsten daheim.
3. Sie beschließt, sich am Abend ins Vergnügen zu stürzen.

Max zieht seiner kleine Schwester oft an den Haaren. Er …
1. findet es gut, ihr Vergnügen zu bereiten.
2. mag es, sie zu vergnügen.
3. macht sie ein Vergnügen daraus.


Arbeitsauftrag
Schreibt eine fiktive Geschichte zum Thema „Ich mache über das Wochenende einen Ausflug“. Verwendet dabei Begriffe und Redewendungen aus dieser Sprachbar im passenden Zusammenhang.

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