Mit Ellenbogen um den IOC-Chefsessel | Sport | DW | 10.09.2013
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Sport

Mit Ellenbogen um den IOC-Chefsessel

Der Wahlkampf, der keiner sein darf, wird schmutziger: Unmittelbar vor der Wahl des neuen IOC-Präsidenten attackierte der Schweizer Kandidat Denis Oswald den deutschen Favoriten Thomas Bach scharf.

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Thomas Bach - der Favorit im Portrait

Es ist das wichtigste Amt im Sport, sein Inhaber trifft wegweisende Entscheidungen für Milliarden Sportler und Sportfans, wird von Staatchefs empfangen und darf vor den Augen der Welt die Olympischen Spiele eröffnen. Doch ein Wahlkampf um diese herausragende Position darf nicht stattfinden, so wollen es die Ethikregeln des IOC. Die öffentliche Unterstützung eines Präsidentschaftskandidaten ist nicht erlaubt - und doch fand sie vor und während des IOC-Gipfels in Buenos Aires statt: Scheich Ahmad al-Sabah, Präsident der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), gilt als einer der mächtigsten Stimmenbeschaffer im IOC und hatte in einem WDR-Interview offen Partei für den deutschen IOC-Präsidentschafts-Kandidaten Thomas Bach ergriffen: "Ich bin Unterstützer von Thomas Bach. Ich bin dafür, dass Dr. Bach der nächste IOC-Präsident wird. Ich mache alles, was helfen kann."

Denis Oswald (Foto: Getty Images)

Bach-Gegner: Denis Oswald

Genau das kritisierte nun ein Konkurrent Bachs mit ungewöhnlich scharfen Worten. Der Schweizer Kandidat Denis Oswald griff Bach einen Tag vor der Wahl offen an: "Ich möchte einen unabhängigen Kandidaten, der nicht auf bestimmte Allianzen angewiesen ist und der seine Position für nichts anderes nutzt als zum Wohle des Sports", sagte Oswald dem Schweizer Radiosender RTS. Mit Blick auf die mögliche Einflussnahme des Scheich Ahmad al-Sabah auf IOC-Mitglieder ergänzte Oswald gegenüber dem WDR-Fernsehen: "Es gibt klare Ethikregeln und die sind in diesem Fall wahrscheinlich nicht befolgt worden."

Druck durch "deutsche Instanzen"?

Dafür erhielt der Schweizer von der IOC-Ethikkommission prompt einen Rüffel. Das IOC erinnerte Oswald an die Regeln des IOC, das direkte Auseinandersetzung zwischen den Kandidaten nicht schätzt. Oswald verwies gegenüber Schweizer Journalisten etwas nebulös auf "Druck, der durch Instanzen aus der deutschen Politik aufgebaut" worden sei. Welche Instanzen er meinte und worin der Druck genau besteht, ließ Oswald hingegen offen.

Thomas Bach (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Bach äußerte sich bislang nicht zu Oswalds Vorwürfen

Dafür attackierte er Thomas Bach auf einem für den Deutschen sensiblen Feld: "Er nutzt seine Position, um Verträge auszuhandeln für die Firmen, die er repräsentiert", sagte Oswald im RTS-Interview und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf die von Bach selbst so bezeichneten "vielfältigen Lebenssachverhalte" des derzeitigen IOC-Vizepräsidenten. Thomas Bach hatte nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" beim Siemens-Konzern einen Beratervertrag über rund 200.000 Euro und soll über seine IOC-Verbindungen zum kuwaitischen Energieminister Scheich Ahmad al-Sabah versucht haben, den kleinen Golfstaat als Großinvestor bei Siemens zu gewinnen. Zudem ist Bach bis heute Präsident der Ghorfa-Gruppe, die für deutsche Unternehmen - offenbar auch bei Rüstungsgeschäften - Kontakte in die arabische Welt knüpft. Kontakte, von denen er in der arabischen Welt dank seiner sportpolitischen Verbindung einige hat.

Oswald gilt als Außenseiter, Bach als Favorit

Denis Oswald, der seine Kandidatur trotz des öffentlichen IOC-Rüffels nicht zurückziehen wollte, gilt im Sechskampf um die IOC-Präsidentschaft nur als Außenseiter. Thomas Bach dagegen könnte nach Einschätzungen von Beobachtern bereits im ersten Wahlgang an diesem Dienstag (10.09.2013) als Sieger feststehen, wenn er die absolute Mehrheit an Stimmen erreicht. Dass Oswald ihm dann aufrichtig gratulieren wird, darf bezweifelt werden.

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