Mit anderen Augen sehen: Autismus im Film | Filme | DW | 02.04.2018
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Filme

Mit anderen Augen sehen: Autismus im Film

Von "Rain Man" über "Gilbert Grape" bis zu "Ben X": In diesen Filmen sind Autisten die Hauptpersonen. Einfühlsam werden sie darin porträtiert. Am Welt-Autismus-Tag werfen wir einen Blick auf einige großartige Werke.

Wir alle nehmen die Welt unterschiedlich wahr, und das ist auch gut so. Doch einige Menschen nehmen extremer wahr als andere. Sie reagieren auf Hintergrundgeräusche, die den meisten gar nicht auffallen würden. Eine monoton schleudernde Waschmaschinentrommel kann sie stundenlang in ihren Bann ziehen, eine leichte Berührung ihnen höllische Schmerzen zufügen. Sie haben Schwierigkeiten sich mitzuteilen, die Gefühle von anderen zu erkennen oder sich auf ein Gespräch zu konzentrieren.

Diese Menschen haben eine sogenannte "Autismus-Spektrum-Störung", im Volksmund schlicht Autismus genannt. Doch den Autismus gibt es nicht. Er tritt in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen auf. Viele Autisten führen ein augenscheinlich ganz "normales" Leben. Bei anderen ist die Entwicklungsstörung so tiefgreifend, dass sie ihr Leben lang intensiv betreut werden müssen.

Asperger-Syndrom und Savants

Menschen mit Asperger-Syndrom haben im Gegensatz zu jenen mit anderen Autismus-Spektrum-Störungen oft keine Entwicklungsverzögerung in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung. Dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger fiel jedoch bereits in den 1940er Jahren auf, dass einige seiner jungen Patientinnen und Patienten ungewöhnliche Verhaltensweisen und Persönlichkeitsmerkmale aufwiesen.

Sie waren unfähig, sich in Gruppen zu integrieren und konnten nur schwerlich Gefühle anderer Menschen nachvollziehen. Asperger beobachtete zudem eine starke Ich-Bezogenheit, weshalb die betroffenen Kinder oft Schwierigkeiten hatten, Freundschaften zu knüpfen. Doch vielen Menschen mit Asperger-Syndrom ist ihre Störung auf den ersten Blick keineswegs anzusehen. Das ist wohl der Grund dafür, dass man diese Form des Autismus landläufig als "leichte" Form des Autismus interpretiert.

Kim Peek 2007 (cc-by-Dmadeo)

Die Lebensgeschichte des Savants Kim Peek diente als Vorlage für den Welterfolg "Rain Man"

Autisten wird ebenfalls nachgesagt, besonders intelligent zu sein. Einige von ihnen sind tatsächlich überdurchschnittlich intelligent und besitzen außergewöhnliche kognitive Fähigkeiten. Experten sprechen hier von sogenannten Inselbegabungen, also außergewöhnliche Begabungen in einem bestimmten Bereich. Menschen, die diese besitzen werden als Savants, also Wissende, bezeichnet. Rund die Hälfte aller Savants sind Autisten.

Der wohl bekannteste dieser Wissenden ist der US-Amerikaner Kim Peek, an dessen Geschichte Regisseur Barry Levinston seinen berühmten Film "Rain Man" anlehnte. Peek konnte bis zu seinem Tod 2009 rund 12.000 Bücher fehlerfrei Wort für Wort rezitieren. Keines davon hatte er mehr als einmal gelesen. Auch Melodien, Jahreszahlen, Kalender, das komplette Fernsehprogramm und diverse Telefonbücher waren in seinem Gehirn wie auf einer gigantischen Festplatte gespeichert. Doch Peek konnte sich weder alleine anziehen noch selbstständig in die Bibliothek gehen.

Nach dem herausragenden Erfolg von "Rain Man" wurde das Thema Autismus vielfach in Film- und Fernsehproduktionen aufgegriffen. Einige zeigen die Welt aus der Sicht des Autisten selbst, andere konzentrieren sich auf dessen Umfeld. So schafften es Drehbuchautoren, Filmemacher und Schauspieler, eine breite Masse für die Entwicklungsstörung zu sensibilisieren. Unsere Bildergalerie gibt einen Überblick.

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