Minister warnt vor Ende von Air France | Wirtschaft | DW | 07.05.2018
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Flugverkehr

Minister warnt vor Ende von Air France

Wieder wird am Dienstag gestreikt bei Air France-KLM. Der Chef wirft hin, die Aktie der Fluglinie bricht ein. Und die Belegschaft stellt sich im Lohnkonflikt auf Stur. Düstere Aussichten für den Flugkonzern.

Innerhalb von 30 Minuten wechselten am Montagmorgen mehr Aktien der umkämpften Fluglinie die Besitzer als sonst an einem ganzen Tag: Air France-KLM-Papiere verloren dabei zeitweise fast 14 Prozent - der größte Tagesverlust seit anderthalb Jahrzehnten.

Früher hätten die Märkte nicht reagieren können. Am Freitagabend erst zog der Chef der französisch-niederländischen Airline, Jean-Marc Janaillac, die Konsequenz aus einer schweren Schlappe und kündigte seinen Rücktritt zum 15.Mai an. In einer Mitarbeiterbefragung bei Air France hatte eine Mehrheit gegen den jüngsten Gehaltsvorschlag des Managements gestimmt. Janaillac hatte sein berufliches Schicksal mit dem Abstimmungsergebnis verknüpft.

Der Konflikt mit den französischen Gewerkschaften zieht sich schon seit Monaten hin und hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mindestens 300 Millionen Euro gekostet. Trotz der Führungskrise begann am Montag ein neuer zweitägiger Streik. Die Schwester-Airline KLM ist von dem Tarifkonflikt nicht betroffen. Am Dienstag dürfte jede fünfte Air-France-Verbindung ausfallen, es ist der 15. Streiktag seit Ende Februar.

"...dann wird Air France verschwinden"

Auch der französische Finanzminister zeichnet die Lage des Unternehmens mittlerweile öffentlich in düsteren Farben: "Wenn Air France sich nicht anstrengt, wettbewerbsfähiger zu werden und auf das gleiche Niveau wie Lufthansa und andere Fluggesellschaften zu kommen, wird Air France verschwinden", so Bruno Le Maire Am Sonntag im Fernsehsender BFM. "Wenn man weiß, dass ein Unternehmen in Gefahr ist, dann stellt man nicht solch hohe Forderungen wie die, die jetzt auf dem Tisch liegen", sagte Le Maire.

Frankreich Rücktritt Jean-Marc Janaillac, Air France-KLM (Getty Images/AFP/G.v.d. Hasselt)

Gescheitert. Air France-Chef Jean-Marc Janaillac geht zum 15. Mai

Die französischen Gewerkschaften fordern für die Air-France-Beschäftigten eine Gehaltserhöhung um 5,1 Prozent in diesem Jahr. Das Unternehmen hatte 7 Prozent angeboten - allerdings gestreckt über vier Jahre. Die französische Regierung werde die Verluste der Airline nicht auffangen, kündigte Le Maire an. Der französische Staat hält 14 Prozent der Anteile von Air France.

Zweiter Rücktritt in drei Jahren

Als Folge des Arbeitskampfes hat die Fluggesellschaft ihre Gewinn- und Wachstumserwartungen für 2018 bereits zurückgeschraubt und erklärt, vom guten Marktumfeld für europäische Fluggesellschaften könne sie nicht profitieren. Die Verluste im ersten Quartal des Jahres wurden mit 118 Millionen beziffert. Dabei hatte Air France-KLM den Gewinn 2017 kräftig steigern können. Dem waren Jahre mit Verlusten und Umbaumaßnahmen voraus gegangen.

Air France-KLM kämpft wie andere europäische Fluggesellschaften mit der Konkurrenz von Billigfliegern und staatlich unterfütterten Airlines aus dem Nahen Osten. Hinzu kommt die Gefahr wieder steigender Ölpreise. Auch der Vorgänger des jetzigen Konzernchefs war vor nicht einmal drei Jahren plötzlich gegangen - wegen anhaltender Konflikte mit der Belegschaft.

ar/bea (rtr, afp, dpa - Archiv)