Mindestens 48 Tote bei Explosion in Schiitenviertel in Kabul | Aktuell Asien | DW | 15.08.2018
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Afghanistan

Mindestens 48 Tote bei Explosion in Schiitenviertel in Kabul

Wieder erschüttert eine starke Explosion die afghanische Hauptstadt. Wieder wurden viele Menschen getötet. Die Taliban setzen die Regierung des Landes unter Druck. Dieser Anschlag ging aber wohl nicht auf ihr Konto.

Afghanistan Kabul Menschen versammeln sich am Ort des Anschlags (Foto: picture-alliance/AP Photo/R. Gul)

Angehörige und Freunde trauern gemeinsam vor der Bildungseinrichtung

Die Zahl der Menschen, die bei der schweren Explosion in Kabul ums Leben kamen, ist auf 48 gestiegen. Außerdem seien mindestens 67 verletzt worden. Das teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit.

Ein Selbstmordattentäter habe sich in einem Bildungszentrum in dem schiitischen Viertel Dascht-e Bartschi im Westen der Stadt in die Luft gesprengt, sagte ein Sprecher der Kriminalpolizei Kabul. Mehr als hundert Schüler sollen zum Zeitpunkt der Explosion in der Schule gewesen sein. Die meisten von ihnen sind um die 18 Jahre alt. Laut Facebook-Profil des Zentrums werden dort Jugendliche auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitet, sie besuchen auch Literatur-Kurse. Lokale Medien berichteten, der Attentäter habe sich als Student ausgegeben. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. In der Vergangenheit hatte jedoch die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zahlreiche Anschläge auf Schiiten für sich reklamiert. Dascht-e Bartschi war in diesem Jahr bereits mehrere Male Schauplatz von Selbstmordattentaten. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie steckten nicht hinter der Tat.

"Ketzer" im Visier

Anfang des Monats waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee im Osten des Landes 35 Menschen getötet und fast hundert weitere verletzt worden. Und erst vor drei Wochen waren in Kabul mindestens 23 Personen getötet und 107 Menschen verletzt worden, nachdem sich ein Selbstmordattentäter am Eingang des Flughafens in die Luft gesprengt hatte. Die IS-Terrormiliz reklamierte den Anschlag damals für sich. Seit Januar gab es in der afghanischen Hauptstadt 16 Anschläge mit mehr als 240 Toten. Viele der Anschläge richteten sich gegen Schiiten. Der IS bezeichnet Anhänger dieser Glaubensrichtung als "Ketzer".

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Afghanistan: Kampf um Ghasni

Die Regierung in Kabul steht bereits wegen eines fünf Tage andauernden Taliban-Angriffs auf die Stadt Ghasni unter Druck, bei dem Hunderte Zivilisten und Sicherheitskräfte getötet wurden. Es war eine der größten Offensiven der Taliban seit Jahren. Im Vorfeld der für den 20. Oktober geplanten Parlamentswahl wird mit weiterer Gewalt gerechnet.

Keine Sicherheitsgarantien für Helfer

Unterdessen erklärten die militanten Taliban, das Personal des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Afghanistan werde keine Sicherheitsgarantie bekommen. In einer Erklärung behauptet die militante Gruppe, dass Hunderte ihrer Mitglieder, die im Hauptgefängnis in Kabul festgehalten werden, nach tagelangem Hungerstreik ins Koma gefallen seien. Die Taliban beschuldigen die internationale Organisation, ihnen keine medizinische oder rechtliche Unterstützung gewährt zu haben.

Tausende Taliban-Kämpfer befinden sich im Pul-e-Charkhi - dem größten Gefängnis des Landes - seit Tagen im Hungerstreik, um gegen eine Verlangsamung der Bearbeitung ihrer Rechtsfälle zu protestieren. Die Hilfsorganisation hat sich zu diesem Thema noch nicht öffentlich geäußert.

Mehr als 1600 IKRK-Helfer halten sich derzeit in Afghanistan auf und versorgen die Bevölkerung mit Nahrung und Medizin. Zuletzt starben im Februar 2017 sechs Freiwillige bei einem Anschlag, zu dem sich niemand bekannte.

sam/kle (afp, dpa, rtr)

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