Mindestens 35 Tote nach Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua | Aktuell Europa | DW | 14.08.2018
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Italien

Mindestens 35 Tote nach Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua

Es ist ein Bild des Grauens: Im italienischen Genua ist eine vierspurige Autobahnbrücke eingestürzt. Mehr als hundert Meter Fahrbahn brachen weg, 30 Fahrzeuge stürzten in die Tiefe, viele wurden unter Beton begraben.

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Prof. Steffen Marx zum Brückeneinsturz

Nach dem Einsturz einer vierspurigen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen. Es seien mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, meldet die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Feuerwehr. Offiziell bestätigt seien von der Präfektur bislang 22 Todesopfer und 16 Verletzte, sagte der Einsatzleiter des Zivilschutzes, Luigi D'Angelo. Diese Zahl sei aber "vorläufig". Der stellvertretende Verkehrsminister Edoardo Rixi hatte zuvor mitgeteilt, es sei zu befürchten, dass die Zahl der Opfer noch steigen werde.

Rettungskräfte und Feuerwehr gehen davon aus, dass etwa 30 Fahrzeuge in die Tiefe stürzten, darunter mehrere Lastwagen. Möglicherweise seien weitere  Personen unter den Trümmern verschüttet. Auch in der Nacht sollen die Rettungsarbeiten weitergehen.

Italien Genua | Einsturz Autobahnbrücke Morandi | Rettungsarbeiten (Reuters/S. Rellandini)

Dieser Lastwagenfahrer konnte noch rechtzeitig anhalten

Erste Bilder von der Unglücksstelle zeigten eine riesige Staubwolke. Dazwischen kommt die Brücke zum Vorschein, von der mehr als hundert Meter fehlen. Laut Nachrichtenagentur Ansa war die Brücke an der Stelle über 40 Meter hoch. 

Der Einsturz habe sich während eines gewaltigen Unwetters im Westen der Stadt ereignet, teilte die Polizei auf Twitter mit. "Massenhaft" Einsatzkräfte seien vor Ort, erklärte sie über den Kurznachrichtendienst. Unmittelbar vor der Abbruchkante standen Fahrzeuge, die offenbar noch rechtzeitig stoppen konnten. Fotos zeigen, dass zum Zeitpunkt des Unglücks viel Verkehr herrschte. In der Nähe der Brücke seien nach dem Einsturz vorsichtshalber Häuser evakuiert worden, hieß es. Der Eisenbahnverkehr rund um Genua wurde eingestellt.

"Entsetzliche Tragödie" 

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach von einer "entsetzlichen Tragödie". "Ich beobachte mit größter Besorgnis, was in Genua passiert ist und was wie eine entsetzliche Tragödie aussieht", twitterte der Politiker der Partei Fünf Sterne. Er sprach der Stadt Genua seine Anteilnahme aus. 

Das Unglück ereignete sich einen Tag vor dem italienischen Feiertag Ferragosto. Viele Italiener waren unterwegs zu den Stränden oder in die Berge. Daher war das Verkehrsaufkommen höher als üblich. 

Italien Genua | Einsturz Autobahnbrücke Morandi | Rettungsarbeiten (Reuters/Italian Firefighters Press Office)

Diese Trümmer schlugen nur wenige Meter neben einem Haus ein

Das Polcevera-Viadukt, das umgangssprachlich nach seinem Planer, dem Ingenieur Riccardo Morandi (1902-1989), benannt ist, ist eine innerstädtische Autobahnbrücke mit einer Gesamtlänge von 1182 Metern. Er überquert Gleisanlagen, ein Gewerbegebiet und den Fluss Polvecara. Das Bauwerk stützt sich auf drei Betonpfeiler, die 90 Meter hoch sind. Das längste Teilstück ist 210 Meter lang.

Die Schrägseilbrücke im Westen der Stadt wurde nach siebenjährigen Bauarbeiten 1967 fertiggestellt. Sie gilt als Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Bauwerk bildet den Beginn der Autobahn A10, die von Genua nach Ventimiglia führt. Die mautpflichtige Schnellstraße verläuft entlang der italienischen Riviera durch Ligurien bis zur französischen Grenze. Die Autobahn ist damit eine bedeutsame Hauptverkehrsader nach Südfrankreich. Noch vor zwei Jahren fanden an der Brücke Instandsetzungsarbeiten statt.

Karte Morandi Brücke, Genua, Italien DE

Arbeiten am Fundament

Der private Autobahn-Betreiber Autostrade erklärte, es seien Arbeiten im Gange gewesen, um das Fundament der Fahrbahn auf dem Viadukt zu verstärken. "Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht", teilte das Unternehmen mit, das vom Konzern Atlantia kontrolliert wird. "Die Einsturzursache wird gründlich untersucht, sobald es sicher ist, die Unglücksstelle zu betreten." Die Aktien von Autostrade brachen um 8,8 Prozent ein und wurden vom Handel ausgesetzt. 

Merkel und Macron übermitteln Anteilnahme

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte mit Betroffenheit auf die Nachricht von der Katastrophe. "Nach dem schrecklichen Brückeneinsturz sende ich den Menschen in Genua und in Italien meine Anteilnahme", erklärte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Zusammen mit vielen Deutschen bin ich in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen."

Der französische Präsident Emmanuel Macron bot Italien nach dem Unglück Hilfe an. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und dem ganzen italienischen Volk", erklärte Macron auf Twitter. "Frankreich steht in dieser Tragödie an der Seite Italiens und hält sich bereit, jegliche nötige Unterstützung zu leisten." 

kle/sam/qu (afp, dpa, rtr, ape)

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