Milliardenstrafe für Bayer im Glyphosat-Prozess gesenkt | Aktuell Welt | DW | 26.07.2019
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US-Klagen gegen Bayer

Milliardenstrafe für Bayer im Glyphosat-Prozess gesenkt

In einem weiteren US-Verfahren um den Unkrautvernichter kommt Bayer mit einem geringeren Schadenersatz davon. Doch am Urteil, dass der Konzern für die Krebserkrankung eines Ehepaars haften muss, ändert das nichts.

Symbolbild: Monsanto RoundUp (Getty Images/AFP/J. Edelson)

Der glyphosathaltige Unkrautvernichter Roundup in einem Geschäft in Kalifornien (Archiv)

Bayer sieht sich nach dem Kauf des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto in den USA mit mehr als 13.400 Klagen konfrontiert. Im Zentrum steht das Herbizid Glyphosat, das möglicherweise Krebs auslöst. In einem Prozess in Kalifornien kommt der Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern nun um eine Milliardenstrafe herum. Die zuständige Richterin Winifred Smith senkte den von einer Jury verhängten Schadenersatz für das klagende an Krebs erkrankte Ehepaar von insgesamt zwei Milliarden US-Dollar auf 86,7 Millionen Dollar. Das sind umgerechnet 77,8 Millionen Euro. Alva und Alberta Pilliod machen den von Monsanto produzierten glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup für ihre Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs verantwortlich.

Bayer geht in Berufung

Das deutsche Unternehmen bezeichnete das Urteil als Schritt in die richtige Richtung, kündigte aber Berufung an. Das Urteil entspreche nicht "der Beweislage in dem Verfahren". Es stehe "im Widerspruch zu dem umfangreichen Bestand wissenschaftlich zuverlässiger Erkenntnisse und den Schlussfolgerungen führender Regulierungsbehörden weltweit", teilte der Konzern mit. Diese bestätigten, dass glyphosatbasierte Herbizide bei sachgemäßer Verwendung "sicher sind und Glyphosat nicht krebserregend ist".

USA Glyphosat-Prozess (picture alliance/dpa/AP/P. Elias)

Alva Pilliod (l.) mit seiner Frau Alberta und den Rechtsanwälten (Archiv)

Richterin Smith hatte einen Antrag des Chemieriesen abgelehnt, die Strafe ganz zu streichen. Letztendlich ändert der verringerte Schadenersatz aber nichts an dem Urteil, dass Bayer für die Krebserkrankung der Pilliods haften muss. Dem Unternehmen wird zur Last gelegt, nicht ausreichend vor Gefahren des Unkrautvernichters Roundup gewarnt und fahrlässig gehandelt zu haben.

Neuer Gerichtsprozess? 

Die Pilliods müssen sich nun entscheiden, ob sie den reduzierten Schadenersatz akzeptieren oder einen neuen Prozess wollen. Ihr Anwalt Brent Wisner bezeichnete die Entscheidung des Gerichts trotz des gesenkten Strafmaßes insgesamt als "großen Sieg".

USA | Glyphosat-Prozess | Anwalt Brent Wisner (picture-alliance/AP Photo/J. Edelson)

US-Anwalt Brent Wisner ist trotz des gesenkten Strafmaßes mit dem Prozessverlauf zufrieden (Archiv)

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

Es ist der dritte Glyphosat-Prozess, den Bayer in den USA verloren hat. Der Druck auf den Dax-Konzern bleibt hoch. Bayer hatte Monsanto 2018 für rund 63 Milliarden Dollar gekauft und damit immense Rechtsrisiken übernommen.

se/as (dpa, rtr, afp) 

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